ADB:Joerdens, Karl Heinrich

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Artikel „Joerdens, Karl Heinrich“ von Heinrich Julius Kämmel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 14 (1881), S. 526–527, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Joerdens,_Karl_Heinrich&oldid=2498947 (Version vom 15. August 2018, 12:48 Uhr UTC)
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Joerdens: Karl Heinrich J., Schulmann und Literarhistoriker, geb. den 24. April 1757 zu Finnstädt in der Grafschaft Mansfeld, gest. den 6. Dec. 1835 in Lauban. – Der einzige Sohn eines Geistlichen, studirte er selbst 1773 bis 76 Theologie in Halle. Dann erst Hauslehrer in Berlin, später (1778 bis 84) Lehrer am Schindler’schen Waisenhause und bis 1790 Subrector am Cöllnischen Gymnasium daselbst, erwarb er sich durch eine Reihe von Schulausgaben und Uebersetzungen steigenden Ruf. Er edirte in jenen Jahren die Bucolica Virgils, die Germania des Tacitus, die Fabeln des Phaedrus, einige Biographien Plutarchs, die Lieder Anakreons, die Bibliothek Apollodors, Cicero’s Werk von den Pflichten und schrieb Verdeutschungen von den Oden des Horaz und den Eklogen Vergils. So schien er für eine umfassendere Thätigkeit gerüstet, und als er 1791 Inspector und Condirector am Waisenhause in Bunzlau, der Gründung des frommen Maurermeisters Zahn geworden war, konnte man von seinen Kenntnissen und Erfahrungen Großes erwarten. Aber er verstand es nicht, mit dem eigentlichen Leiter der Anstalt (Woltersdorf) und den übrigen Lehrern einmüthig zusammen zu wirken und sein Bestreben, durch einen neuen Lehrplan (1793) dem Unterrichte die Normen der Gymnasien aufzunöthigen, brachte dem Waisenhause das mehr und mehr schwindende Vertrauen so wenig zurück, daß die Zahl der Zöglinge 1795 auf 40 herabsank. Es kam hinzu, daß J. das Rechnungswesen in Unordnung brachte und die Anstalt der Gefahr aussetzte, das Wohlwollen der höchsten Behörden wie der Curatoren zu verlieren. Unter solchen Umständen war ihm selbst der Ruf zur Leitung des Lyceums in Lauban, der 1796 an ihn erging, willkommen. In dieser Stellung hat er bis zum Jahre 1825 gewirkt. Wie er zu unterrichten denke, zeigte er gleich in den ersten Programmen, in denen er das Lesen und Erklären deutscher Schriftsteller auf Schulen warm empfahl (1797–99). Ein unverkennbares Verdienst erwarb er sich aber durch sein „Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten“ (Leipzig, Weidmann, 6 Bände, 1806–11). Das Werk war anfangs nur auf drei Bände berechnet, erweiterte sich aber dem unermüdlichen Verfasser unter der Hand und so rasch, daß er bei der Herausgabe des dritten Bandes einen vierten in Aussicht stellen und dann noch zwei weitere Bände hinzufügen mußte. Vollständigkeit und Gleichmäßigkeit der Behandlung hat er nicht erstrebt, auch wegen mancher Mängel heftige Anfechtungen erfahren (s. die Vorrede zum dritten Bande); aber seine litterarischen Nachweisungen und Zusammenstellungen, in denen er einen wahrhaft erstaunlichen Fleiß bewiesen hat, lassen seine Leistungen noch immer als sehr verdienstlich, ja in manchen Beziehungen als unentbehrlich erscheinen. Aus seinen Studien kamen auch „Denkwürdigkeiten, Charakterzüge und Anekdoten aus dem Leben der vorzüglichsten deutschen Dichter und Prosaisten“ I, 1812, während er mehr für Schulzwecke noch herausgab „Oweni epigrammata selecta mit den vorzüglichsten deutschen Uebersetzungen und Nachahmungen verschiedener [527] Verfasser“, 1813. Zur Fortsetzung und Ergänzung seines großen Werkes hatte er weitschichtige Sammlungen angelegt; aber in einer Stunde des Mißmuths hat er sie dem Feuer übergeben. – Der ihm eröffnete Ruhestand wurde ihm leider sehr verbittert. Er war Vater von 17 Kindern. Von diesen verwickelte ihn die Anklage einer Tochter 1830 in eine Criminaluntersuchung, welche ihm Verhaftung nicht ersparte. Sein Sohn Gustav, als Verfasser von Romanen bekannt, endete 1834 durch Selbstmord. Ein Jahr später folgte er selbst ihm ins Grab.

S. Otto, Lexikon der Oberlausitz. Schriftsteller, II, 258 ff. mit dem Suppl. von Schulze. N. Lausitz. Magazin, 1836. Stolzenburg, Geschichte des Bunzlauer Waisenhauses (1854), 83 f., 112 f., 130.