ADB:Johann II. von Zesterflethe

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Johannes II., Bischof von Verden“ von Karl Ernst Hermann Krause in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 14 (1881), S. 433–434, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Johann_II._von_Zesterflethe&oldid=- (Version vom 21. Februar 2020, 06:42 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 14 (1881), S. 433–434 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann II. von Zesterfleth in der Wikipedia
GND-Nummer 136302424
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|14|433|434|Johannes II., Bischof von Verden|Karl Ernst Hermann Krause|ADB:Johann II. von Zesterflethe}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=136302424}}    

Johannes II., Bischof von Verden. J. von Zesterflethe, aus einer erzbischöflich bremischen Dienstmannsfamilie, die, im Alten Lande begütert und in Horneburg mit einem Burgmannssitze begabt, in dem Theile der bremischen Grafschaft Stade saß, welcher zur Diöcese Verden gehörte, kommt zuerst 1361 als Domherr, dann bis 1368 als Thesaurarius und seitdem als Domdechant zu Bremen vor. Am 5. Februar 1376, am Feste der hl. Agnes, warf er dem Erzbischofe Albert (Bd. I. S. 180 f.) vor, er sei ein Hermaphrodit, ein Skandal, der den damit für uncanonisch erklärten Albert zwang, durch Versuche des Gegenbeweises noch größere Aergernisse öffentlich zu begehen, welche bis auf Korner durch alle Chroniken Norddeutschlands jener Zeit laufen. Da J., wie sich nachher zeigte, großen Anhang im Capitel und in der Stiftsritterschaft hatte, so war die Absicht wol unzweifelhaft, den braunschweigischen Prinzen gelegentlich des Lüneburger Erbfolgestreites zu verdrängen. Auch das Verdener Domcapitel muß im Bunde gewesen sein, denn dorthin flüchtete J. vor den nachsetzenden erzbischöflichen Reitern und fand in der Stadt sichere Deckung. Eine Fehde des Bremer Domcapitels begann dann gegen Albrecht, J. leitete sie von der Meienburg im Osterstadischen aus; doch hielt sich der Erzbischof, und es kam eine Sühne durch Vermittelung des Bruchhäuser Grafen Christian zu Stande. J. blieb indessen, sein Decanat festhaltend, in Verden, wo er eine Art Gegenregierung gegen den schwachen Bischof Heinrich I. (von Langlingen) führte, nach dessen Tode (am 23. Januar 1381) er dann selbst zum Bischofe gewählt wurde und sich als tüchtigen Verwalter zeigte. Er war ursprünglich wol nicht ganz unbetheiligt an der räuberischen Fehde bremischer und verdischer Ministerialen 1381 gegen die Stadt Bremen. Als diese aber die Uebermacht der Familie von Mandelsloh brach, benutzte auch der Bischof die Gelegenheit, diese theils durch Abkauf, theils durch Gewalt im Bunde mit Herzog Albrecht von Sachsen-Lüneburg aus der Rotenburg und der Kettenburg zu entfernen. Der Krieg gegen dieselbe Familie kostete nachher (am 28. Juni 1385) dem Herzog vor Ricklingen das Leben und brachte dadurch den Umschwung hervor, der Lüneburg später den Welfen zurückgab. J. sah zunächst den höchsten Grad der bischöflichen Macht für einen Augenblick wieder erscheinen, als Albrechts Bruder, Kurfürst Wenzeslaus von Sachsen, als Herzog von Lüneburg am 3. August 1386 die Lehnshoheit des Bischofs über die Grafschaften Lüchow und Dannenberg und die halbe über Lüneburg von neuem anerkannte und diese Lande im Kloster Scharnbeck sich feierlich als Lehnsmann übertragen ließ. J. hoffte damals das Stift gesichert zu haben, noch im selben Jahre erwog er die Möglichkeit, in dem kräftigen Holsaten, dem Propst zu Hadeln, Johannes Slamstorf, einen bei seinem eigenen Ziele beharrenden Nachfolger zu gewinnen; da brach der Tod des Wenzeslaus (Mai 1388) und die Schlacht bei Winsen an der Aller (25. Mai 1388) seine Hoffnungen mit denen des sächsischen Hauses nieder. Nur für die Stände des Herzogthums Lüneburg, als dessen erster Prälat, konnte er den Vertrag vom 15. Juli 1388 mit den welfischen Herzogen vermitteln, der nach einigen Jahren den Satebrief im Gefolge hatte. Für das von ihm bereicherte Stift sah er wol selbst schon den Nachfolger aus demselben Fürstenhause voraus, durch dessen Bekämpfung in Bremen er sich zum Bischofe gemacht hatte. Er starb nach dem Verdener Nekrolog am 11. Decbr. 1388 auf der Rotenburg, seine Bestattung hatte er im Kloster Bredenbeck (dem Cistercienserinnenkloster Neukloster) [434] zwischen Horneburg und Buxtehude, in der Nähe der Besitzungen seines Hauses angeordnet. – Die jetzt zu Neukloster stehende messingene Gedächtnißtafel, die erst nach Krantz gefertigt ist, kam bei der Restauration des Verdener Domes in die Hand des letzten Herrn v. Zesterfleth und aus dessen Concurse durch den Grafen von Kielmannsegge in die Kirche.

Wedekind, Noten, I. S. 126. Vaterländ. Archiv 1827, I. S. 387. Lappenberg, Bremer Geschichtsquellen, 52, 204. Pfannkuche, Aeltere Gesch. des Bisthums Verden, S. 194 ff. Neuere Gesch. S. 212. Wedekind setzt als Todestag den 10. Decbr.