ADB:Johann Wilhelm Friso

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Artikel „Johann Wilhelm Friso, Prinz von Oranien-Nassau“ von Pieter Lodewijk Muller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 14 (1881), S. 275–276, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Johann_Wilhelm_Friso&oldid=- (Version vom 15. Oktober 2019, 14:09 Uhr UTC)
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Johann Wilhelm Friso, Prinz von Oranien-Nassau, Erbstatthalter von Friesland, Groningen und Drenthe, geboren am 14. August 1687 zu Dessau, war der zweite, aber allein den Vater überlebende Sohn des Fürsten Heinrich Casimir II. von Nassau-Diez (s. d. Art.) und der Prinzessin Amalie von Anhalt-Dessau. Noch in sehr jungen Jahren verlor er seinen Vater, doch unter der Vormundschaft seiner Mutter erhielt er eine Erziehung, wie sie einem Statthalter von drei Provinzen und Erben der oranischen Succession angemessen war. Denn noch bevor sein Vater, der sich immer ziemlich schlecht mit dem König Wilhelm von Oranien gestanden hatte, gestorben war, hatte letzterer den jungen J. W. F., als er nach der Königin Maria Tod (1695) alle Hoffnung auf Nachkommenschaft aufgab, als den nächsten Agnaten zum Nachfolger in seinen sämmtlichen Allodial- und Feudalgütern ernannt. Wie bekannt, ward dieses Recht ihm vom König von Preußen energisch bestritten, dessen Feindschaft den jungen Prinzen oft sehr empfindlich traf, da derselbe ihm nicht allein den Besitz mehrerer Güter wehrte, seine Ansprüche auf den Titel eines Prinzen von Oranien verneinte, sondern auch sich immer den Bestrebungen der antistatthalterischen Regenten, welche ihn nicht aufkommen lassen wollten, anschloß. Vergebens suchte ihn der König Wilhelm noch bei seinem Leben zu seinem Nachfolger in seinen [276] niederländischen Würden bestimmen zu lassen, der Widerstand der holländischen Regenten war unbesiegbar. Sie wollten überhaupt keinen Statthalter mehr, am wenigsten einen, der in allen sieben Provinzen regierte. Als der König gestorben, gaben sie diese Feindseligkeit auf alle Weise kund. Obgleich J. schon damals in noch sehr jungen Jahren die schönsten Hoffnungen erweckte und seinen ersten Feldzug 1703 in Marlborough’s Heer mitgemacht, widersetzten sie sich 1704 allen Forderungen der Friesen, ihn zum General zu ernennen. Erst als er volljährig oder wenigstens 20 Jahre war, wollten sie ihm diese Würde lassen. Selbst ein Sitz im Staatsrath ward ihm nicht gegönnt, den man doch selbst Wilhelm III. nicht vorenthalten hatte, als er 18 Jahre war. Je höher die Erwartungen stiegen, welche der junge Fürst erweckte, desto argwöhnischer beobachtete man ihn. Nur die Friesen kämpften für seine Rechte, auch die Groninger suchten ihm dieselben zu schmälern. J. W. F. betheiligte sich also nur als Freiwilliger an den meisten niederländischen Feldzügen des spanischen Successionskrieges und lernte hier den Krieg. Endlich 1707 konnte man ihm den Generalsrang nicht länger vorenthalten; schon im nächsten Jahre führte er als solcher mit Auszeichnung die niederländische Infanterie in der Schlacht bei Oudenarde; bald gewann er neue Lorbeeren bei der langen und schwierigen Belagerung von Lille. Nur allzu große Kühnheit hatte man an dem jungen fähigen Führer, dem würdigen Sproß seiner großen Ahnen auszusetzen. Die rügte man wieder an ihm, als er im J. 1709 bei der blutigen Schlacht von Malplaquet den Sturm auf die verschanzte französische Rechte und eine Fahne in der Hand die zurückgeworfenen Truppen wieder vorwärts führte. Er verdiente es, daß ihm Marlborough und Eugen von Savoyen die Leitung der Belagerung von Mons anvertrauten, das im December capitulirte. Noch nahm er thätigen ruhmreichen Antheil am Feldzuge des J. 1710 und schon war er wieder im nächsten Jahre im Feld, als den begabten, kaum 24jährigen Jüngling, der bestimmt schien, die jüngere Linie des Hauses Oranien zu hohen Ehren zu bringen und der eben 1709 die Prinzessin Maria Louise von Hessen-Kassel geheirathet hatte, ein jähes Ende erreichte. Wegen des Erbfolgestreites nach Haag berufen und über den Moerdyk setzend, ertrank er jämmerlich am 14. Juli 1711, als das Fährboot von einem Windstoß umgeworfen ward, von Jedermann aufrichtig beweint. Sein Tod befestigte das statthalterlose Regiment auf lange Zeit, denn sein Sohn, der Statthalter Wilhelm IV., ward erst sechs Wochen nach seinem Ableben geboren.

Vgl. u. A. Wagenaar, Vaderl. Historie, Bd. XVII. Lamberti, Memoires VI. Bosscha, Nederlands Heldendaden te Land, Bd. II. Eine Histoire du Prince d’Orange erschien 1715 in Leeuwarden.