ADB:Küsel, Salomo

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Artikel „Küsel, Salomo“ von Paul Emil Richter in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 453–455, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:K%C3%BCsel,_Salomo&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 13:15 Uhr UTC)
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Küsel: Salomo K., ursprünglich Cruselius, dann Cuselius, Kuselius, Küselius, Küselen, Küssel und Kussel, wurde im 16. Jahrhundert unweit des Wolfesholzes im Mansfeldischen, vermuthlich in Hettstädt geboren, das er noch Heckstädt nennt, wobei er den Namen von den den Ort umgebenden zahlreichen Brombeerhecken ableitet. Schon als Knabe durch die Lectüre römischer classischer Dichter für die Classiker vorbereitet, besuchte er 20 Monate die Schule in Wittenberg und studirte die Rechte auf den Universitäten Wittenberg und Jena. In Wittenberg wurde er am 11. October 1594 immatrikulirt, aber wol durch Versehen des die Reinschrift der Matrikel besorgenden Schreibers als Salomon Keusel Heckstadensis eingetragen. In der Matrikel der Universität Jena wurde er als Salomo Cruselius aus Hettstedt gebürtig am 7. August 1595 eingetragen. Von Wissensdurst getrieben, raffte er das Verfügbare zusammen, um eine Reise zu unternehmen, die ihn von Hettstädt aus über Eisleben, Eckartsberge, Jena und Weimar nach Erfurt führte. Als Lutheraner nahm er Anstoß an den dort vorhandenen „Tempeln eines falschen Glaubens“. Ueber Vacha, Fulda, Gelnhausen, Frankfurt a. M., Gernsheim, Worms und Speier gelangte er nach Straßburg i. E., dessen mancherlei auch kirchlichen Sehenswürdigkeiten er in der später zu erwähnenden Reisebeschreibung mehrere Seiten widmet. Auf dem Weitermarsche über Schlettstadt, Colmar und Altkirch hätte er bei Ensisheim als Lutheraner fast das Leben eingebüßt. Denn als er einem weiß gekleideten katholischen Geistlichen begegnete, der, von einem Bauernhaufen begleitet, mit dem Crucifix die Felder beging, da hielt K. die Leute für verrückt, zog den Hut nicht, der Kreuzträger aber schlug ihn ihm vom Kopfe, K. wehrte sich, es floß Blut und es wäre um ihn geschehen gewesen, wenn ihn nicht die Schnelligkeit seiner Füße gerettet [454] hätte. Der Zutritt zu Frankreich in der Nähe Mömpelgards wurde ihm durch den im Elsaß sich abspielenden Krieg – Straßburger Capitelstreit 1592–93? – unmöglich gemacht, deshalb wanderte er über Basel, Freiburg, Breisach u. s. w. nach Tübingen, wo er, wie es scheint, ein Angebot erhielt, er zog es jedoch vor, weiter zu wandern, über Ulm, Memmingen, Reutta und die Ehrenberger Klause, Trient und den sog. Kobel auf italienisches Gebiet. Auch hier sieht er sich die wichtigsten Orte an: Padua, Venedig, Ferrara, Bologna, Florenz, Siena, endlich Rom, dem er mehrere Seiten widmet, und von hier aus pilgert er über eine Menge kleiner Orte, wie Otricoli, Spoleto, Macerata, Ancona, Pesaro nach Ravenna. Ueber Cittanova, Pola, Otranto ging es nach Brindisi und mit einem Zweiruderer nach Korfu und Zanthe. Hier aber wurde er vom Capitän trotz seines Einspruches gezwungen, an einem Schiffskampfe gegen Türken, bei Scarpanto, theilzunehmen, aus dem die Christen als Sieger hervorgingen und ihm Beuteantheil erwuchs. Ueber Kreta nach Sicilien gefahren, besah er Trepano und, nachdem er auf dem Wege nach Palermo ausgeplündert worden, Messina. Zum zweiten Male begab er sich auf italienischen Boden, diesmal ihn von Süd nach Nord zu durchziehen. Von Calabrien über Salerno, Pozzuoli und andere Orte, Rom – von hier mußte er wie seinerzeit von Ensisheim seiner Religion wegen fliehen –, Siena, Pisa, Bologna, Mantua und Verona, durch das Etschthal, über Rovereto, Trient, Würzburg, Augsburg, Nürnberg, Bamberg, Coburg, Arnstadt, Erfurt und Artern kehrte der Reisende nach Eisleben zurück. Hier ließ er sich nieder, um weiter zu studiren und als gerichtlicher Vertheidiger zu wirken. Aber eine Feuersbrunst, vielleicht die vom Jahre 1601 bei Zedler erwähnte, beraubte ihn seiner ganzen Habe, darunter einer umfänglichen aus juristischen und anderen Werken bestehenden Bibliothek, und er sah sich gezwungen, da ihm Niemand helfen wollte noch konnte, in ein Dorf unweit der sächsischen Grenze zu ziehen. Von da trieb es ihn nach Jena, wo er ja studirt, und von wo ihm wiederholt Hülfe gekommen war. Hier faßte er den Entschluß, seine Reiseerlebnisse in Versen zu schildern und hier ließ er im Jahre 1602 sein erstes in Distichen abgefaßtes Werk erscheinen, betitelt „Iter Germanicum, Italicum, Cretense et Siculum, elegiaco carmine ad Rudolphum & Heinricum a Binav agnatos, Johannem Georgium a Vizthumb, Valentinum a Bismarck, & Nicolaum & Georgium a Walwitz dominos & fautores suos … colendos conscriptum a Salomone Cruselio, Saxone SS. LL. stud. – Jenae, ex officina Christophori Lippoldi 1602“. Möglich, daß die genannten Adligen K. unterstützt haben. Im J. 1607 erschien das Gedicht in umgearbeiteter und vermehrter Auflage, die Disticha meist umgeformt, betitelt „Iter Germanicum … ad … Johannem Ernestum et Fridericum Duces Saxoniae … debitae gratitudinis … ergo conscriptum a Salomone Küselen“, abermals in Jena. Zwischen der ersten und der zweiten Auflage hatte der Dichter also irgendwelche Förderung seitens der genannten Herzöge erhalten – nennt er sich doch auf dem Titelblatte „pro tempore praefecturae Vinariensis judicis functionem sustinens“. Das Hochgerichtsarchiv Weimar L 39 Nr. 811 enthält ein Actenstück betr. eine Sache zwischen Stadtrath Renner und Amtsschöffen Salomo Küsel. In dem an die Herzöge gerichteten Widmungsgedichte des Iter erklärt er, ihrem Vater – Johann – Alles zu verdanken. Auch eine dritte, im J. 1617 in Erfurt erschienene Auflage war denselben Herzögen gewidmet, unter dem Titel „Itinerarium Germaniae … peregrinationes continens conscriptum a Sal. Küselio“, und von dieser erschien noch im J. 1626 in Weimar eine Editio correctior et auctior, nachdem das Gedicht im J. 1625 in des Verfassers „Horarum succisivarum Libellus“ [455] – eine umfangreiche Sammlung von Gedichten aller Art – (ohne Ort und ohne Drucker) aufgenommen worden war. Diese erlebten im J. 1635 in Schleusingen eine zweite Auflage. Trotzdem das Iter, bezw. Itinerarium, also nicht weniger als sechs Mal gedruckt worden, weiß von dem Dichter, Reisenden und Juristen Cruselius-Cuselius-Küsel auch Goedeke nichts, und kein einziges der mir zugänglichen zahlreichen litterarischen Hülfsmittel mehr zu bieten als theils unvollständige, theils falsche bibliographische – nicht biographische – Angaben, ja, auch ein in den „Curiositäten“ Bd. 6, Weimar 1817, erschienener Artikel über „Kuselius“ ist nur mit Vorsicht aufzunehmen. So z. B. finde ich nirgends die Angabe bestätigt, er habe seine Reise auch in Prosa beschrieben. Und doch hätte der Mann verdient nicht nur als Reisender, sondern auch als Lexikograph berücksichtigt zu werden. Der ersten Auflage des Iter ist nämlich ein Ortsverzeichniß mit alten und neuen Benennungen beigefügt, durch dessen Bearbeitungen er wol auf die folgenden Arbeiten gebracht worden sein mag. Er gab im J. 1626 in Weimar (im Selbstverlage?) heraus: „Regionum quarundam et insularum nec non earundem urbium, montium, et fluviorum nomina“, aus dem sich ein im J. 1632 in Erfurt erschienenes „Dictionariolum geographicum, continens regionum, insularum … nomina“ entwickelte. Und dieses erlebte noch eine vermehrte und verbesserte im J. 1637 in Weimar erschienene Auflage. Nach „Curiositäten“ Bd. 4, Weimar 1815, hätte K. 1617 in Weimar gelebt, und es stammt allerdings von ihm das auf den am 16. November 1617 erfolgten Tod der Herzogin Dorothea Maria für eine an der Ilm errichtete Gedenksäule geschaffene Gedicht. Im J. 1635 sind noch Gelegenheitsgedichte von ihm erschienen. Geburts- und Todesjahr sind unbekannt.