ADB:Kirchmann, Johann

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Artikel „Kirchmann, Johann“ von Conrad Bursian in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 14–15, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kirchmann,_Johann&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 23:32 Uhr UTC)
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Kirchmann: Johann K., Philolog, war am 18. Januar 1575 in Lübeck als Sohn eines Kaufmanns Gerhard K. geboren, bezog in seinem 18. Jahre die Universität Frankfurt a. d. O., wo er fast vier Jahre, verweilte, und besuchte dann noch die Universitäten Jena und Straßburg. Von Straßburg aus begleitete er in den J. 1601 und 1602 einen reichen jungen Mann, Franz Witzendorf [15] (den Sohn des ersten Bürgermeisters von Lüneburg, Heinrich Witzendorf) auf einer Reise durch Frankreich und Italien und verweilte mit demselben auf der Rückkehr im Herbst 1602 einige Zeit in der Universitätsstadt Altorf. Nachdem er das Verhältniß zu Witzendorf gelöst, ließ er sich in Rostock nieder, wo ihm im J. 1603 die ordentliche Professur der Poesie an der Universität übertragen wurde; hier vermählte er sich Anfang 1606 mit Emerentia, der Tochter des Rathsherrn Joachim Schele, mit welcher er 37 Jahre lang in glücklicher, kinderreicher Ehe gelebt hat. Anfang des Winters 1613 folgte er nach einigem Schwanken dem Rufe als Rector der Gelehrtenschule seiner Vaterstadt Lübeck, ein Amt, das er unter mannigfachen Schwierigkeiten und Aergernissen – der Besuch der Schule nahm mehr und mehr ab, indem die angesehensten Familien ihre Söhne privatim unterrichten ließen – bis zu seinem am 20. März 1643 erfolgten Tode versehen hat. – Von dem hohen Ansehen, welches K. unter seinen Zeitgenossen auch außerhalb Deutschlands genoß, legt sein ausgebreiteter Briefwechsel mit vielen hervorragenden Gelehrten vollgültiges Zeugniß ab. Bei der Nachwelt hat er sich ein bleibendes Andenken gesichert durch zwei antiquarische Schriften: „De funeribus Romanorum libri IV“ (Hamburg 1605 u. ö.) – eine äußerst reichhaltige Zusammenstellung der bei den alten Schriftstellern und in Inschriften erhaltenen Notizen über Bestattungsgebräuche, Begräbnißstätten und Todtenehren bei den Alten, insbesondere bei den Römern – und „De annulis liber“ (Lübeck 1623 u. ö.), eine ziemlich bunte, aber ebenfalls von großer Belesenheit und verständigem Urtheil zeugende Sammlung von Notizen über die Formen und den Gebrauch der Ringe bei verschiedenen Völkern des Alterthums und der neueren Zeit. Außerdem sind von ihm einige lateinische Reden und Gedichte und nach seinem Tode Lehrbücher der Rhetorik („Rudimenta rhetorica“, Bremen 1652) und der Logik („Rudimenta logicae Peripateticae“, Lübeck 1669 u. ö.) im Druck erschienen. Eine handschriftlich von ihm hinterlassene Abhandlung über die römische Verfassungsgeschichte befand sich in der Bibliothek von Marquard Gudius.

Oratio funebris qua memoriam … J. Kirchmanni … 4 Nonas Maji anno 1643 celebravit Jacobus Stolterfothus, in M. Henning Witten’s Memoriae philosophorum, oratorum, poetarum, historicorum et philologorum … Decas IV (Frankfurt 1677), S. 516 ff. – Briefe zahlreicher Gelehrter an Kirchmann sind gedruckt in der Sammlung: Marquardi Gudii et doctorum virorum ad eum epistolae. Quibus accedunt ex bibliotheca Gudiana clarissimorum et doctissimorum virorum qui superiore et nostro saeculo floruerunt et Claudii Sarravii senatoris Parisiensis epistolae ex eadem bibliotheca auctiores. Curante Petro Burmanno. Editio ultima prioribus correctior. Hagae Comitum 1714.