ADB:Krefft, Gerhard

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Artikel „Krefft, Gerhard“ von Paul Zimmermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 373–374, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Krefft,_Gerhard&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 18:33 Uhr UTC)
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Krefft: Johann Gerhard Louis K., Naturforscher, † 1881, wurde als Sohn eines Conditors Karl Wilh. Ferd. K., der aus Mecklenburg stammte und sich mit einer braunschweigischen Bürgerstochter, Joh. Christiane Bischoff, verheirathet hatte, am 17. Februar 1830 zu Braunschweig geboren, wo er die Bürgerschule und das Realgymnasium besuchte. Da er große Anlage zum Zeichnen von Thieren besaß, so wäre er gern Maler geworden, doch wurde er, 15 Jahre alt, zum Kaufmann bestimmt und zu den Gebrüdern Wrede in Halberstadt in die Lehre gegeben. Hier blieb er fünf Jahre. Dann veranlaßte ihn die Aussicht, Soldat werden zu müssen, im Sommer 1851 nach Amerika auszuwandern. Als Schreiber und Zeichner erwarb er sich in New-York so viel Geld, daß er nach Australien reisen konnte. Im November 1852 kam er in Melbourne an, wo er dem Strome der Goldsucher folgte und bis 1857 in den Goldfeldern thätig war. Im folgenden Jahre nahm er an einer Sammelexpedition in das Innere des Landes theil, zu der er von der Regierung in Victoria aufgefordert worden war. Er hatte dabei so guten Erfolg, daß ihn Professor Mac Coy, der Director des Regierungsmuseums in Melbourne, sogleich zu seinem Assistenten ernannte. Bald darauf kehrte er über England, wo er mit verschiedenen Zoologen in Verbindung trat, nach Deutschland zurück. Da er jedoch hier keine ihm zusagende Beschäftigung finden konnte, so ging er schon 1859 wieder ins Ausland. Zunächst nach Südafrika, dann wieder nach Australien. Hier wurde er auf Empfehlung seiner Londoner Gönner Secretär bei Dr. Pittard, dem Director des Museums zu Sydney, und bewährte er sich hier so, daß er nach Pittard’s Tode 1861 [374] zum Curator des Australian Museum ernannt wurde. In dieser Stellung entfaltete er neben seinen Amtsgeschäften eine ausgedehnte wissenschaftliche Thätigkeit. Sie bezog sich zunächst auf die Schlangenfauna der Umgegend von Sydney, dann überhaupt auf australische Reptilien, auf Säugethiere, Vögel, Fische u. a. Auch der Erforschung der Höhlen des Landes widmete er mit Erfolg seine Arbeit. Auf weiten Reisen sammelte er, großentheils selbst, das Material für seine Studien. Sehr bekannt wurde er in wissenschaftlichen Kreisen namentlich durch die Bearbeitung einer Panzerwelsart, die er aus dem Wide-Bay-District in Queensland erhalten hatte und unter dem Namen Ceratodus Forsteri Krefft 1870 in die Wissenschaft einführte. Zahlreichen Anstalten in Europa, auch denen seiner Heimath, sandte er werthvolle naturwissenschaftliche Gegenstände. Von den verschiedensten Stellen sind ihm deutliche Zeichen der Anerkennung für seine verdienstvollen Leistungen zugegangen; v. Heuglin nannte nach ihm ein langes Vorgebirge von Barento-Island bei Spitzbergen „Krefft-Berg“; er war Ehrendoctor und correspondirendes Mitglied vieler Vereine und Gesellschaften. Um so mehr ist es zu bedauern, daß er an der Stelle seines Wirkens die Anerkennung, die ihm gebührte, nicht gefunden hat, daß ihm hier sein Mühen mit offenbarem Undanke gelohnt ist. Im J. 1874 kam er mit den Trustees des Museums in Zwistigkeiten, die sich bald so verschärften, daß er mit Gewalt aus der Wohnung, die er im Museum innehatte, entfernt wurde. Obwol er auf dem Wege der Klage an verschiedenen Stellen, bei dem Gerichte, der Regierung und dem Parlamente Recht bekam, so konnte er doch nicht zu seinem Rechte kommen. Darüber auf das tiefste verstimmt, ist der sonst so heitere, von idealem Streben beseelte Mann am 19. Februar 1881 in Wooloomooloo, einem Vororte von Sydney, gestorben. Er hinterließ eine Wittwe und zwei im Kindesalter stehende Söhne.

Vgl. Fr. Grabowsky im Braunschw. Magazin 1896, Nr. 5, S. 36 bis 40, wo auch die meist in englischer Sprache verfaßten Arbeiten Krefft’s von 1858–79 verzeichnet sind.