ADB:Lotz, Wilhelm

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Artikel „Lotz, Wilhelm“ von Rudolf Bergau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 287–288, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lotz,_Wilhelm&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 04:51 Uhr UTC)
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Band 19 (1884), S. 287–288 (Quelle).
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Lotz: Wilhelm L., Architekt, Kunsthistoriker, wurde geb. am 26. Novbr. 1829 zu Cassel, als zweiter Sohn des damaligen Regierungsrathes L., welcher dann 1835 mit seiner Familie nach Hanau übersiedelte. Dort besuchte L. von 1841–46 das Gymnasium, hatte gleichzeitig auch Unterricht im Zeichnen auf der dortigen Kunstakademie und übte sich mit Vorliebe im Landschaftszeichnen nach der Natur. 1846–48 besuchte er dann die höhere Gewerbeschule zu Cassel, studirte mit Lust Mathematik und Naturkunde, besonders Chemie, daneben aber auch Geschichte und Aesthetik der Baukunst. 1848–50 studirte er auf der Universität Marburg, dann ein Jahr lang auf der Universität Berlin mit Eifer Mathematik und Naturwissenschaften in deren weitestem Umfange, besonders aber Chemie. Im J. 1851 bestand er in Cassel die Prüfung als Realschullehrer, war dann ein Jahr lang zur Probe Lehrer an der höheren Gewerbeschule daselbst, besuchte daneben aber den Unterricht des berühmten Architekten G. Ungewitter. Im Herbst 1852 bezog er, um sich in der Chemie weiter auszubilden, die Universität Heidelberg und wurde im folgenden Jahre Assistent am chemischen Laboratorium des Prof. Bunsen. Im J. 1854 wurde er zum Dr. promovirt. Da er unterdeß leidend geworden war und der Arzt ihm das Arbeiten in chemischen Laboratorien abgerathen hatte, wurde er 1856–57 Lehrer an der Gewerbeschule zu Bremen, studirte dann 1857–62 wieder Bauwissenschaften an der Gewerbeschule zu Cassel, wo ihn besondes die Vorträge Ungewitter’s anzogen, und unter dessen Leitung er sich auch im Projectiren von Bauwerken übte und 1862–63 auf dem Bureau Ungewitter’s Werkzeichnungen fertigte. Schon einige Jahre früher hatte er die Idee zu seinem großem Werke „Statistik der Deutschen Kunst“, welches 1862–63 in zwei Bänden erschien, gefaßt. Er bearbeitete es in verhältnißmäßig sehr kurzer Zeit. Es ist bewundernswerth wegen des großen Fleißes, mit welchem er eine kolossale Menge meist zuverlässiger Nachrichten in übersichtlichster Weise zusammengetragen hat, ist ein unentbehrliches Nachschlagebuch für Alle, welche sich mit der Kunstgeschichte des Mittelalters beschäftigen und hat den Namen seines Verfassers schnell populär gemacht. Daneben publicirte er auch einige kleinere kunstgeschichtliche Untersuchungen. Nach Vollendung dieser großen Arbeit war er 1863–64 Bauführer des Architekten Hotzen in Hannover bei dem Restaurationsbau der alten Kirche zu Bücken bei Hoya und wurde dann Gehülfe an der Universitätsbibliothek zu Marburg, als welcher er bald auch den Auftrag zur Anfertigung des Entwurfs zu einem neuen Gymnasialgebäude für Marburg erhielt, welches er dann 1865–67 auch ausführte, daneben auch einige kleinere Bauarbeiten leitete. Darauf bearbeitete er in Gemeinschaft mit Prof. v. Dehn-Rothfelser das Inventar der „Baudenkmäler [288] im Regierungsbezirke Cassel“, welches 1870 auf Kosten des preußischen Cultusministeriums gedruckt wurde. Etwas später, 1873–76, bearbeitete er auch das Inventar der „Baudenkmäler im Regierungsbezirk Wiesbaden“. Unterdeß hatte er im J. 1871 noch seine Prüfung als preußischer Baumeister bestanden und war 1872 als Professor für Architektur und Secretär an der Kunstakademie nach Düsseldorf übergesiedelt, woselbst er eine seiner angemessene und ihn befriedigende Thätigkeit hatte. Doch erfreute er sich derselben nicht lange, sondern starb plötzlich am 27. Juli 1879 zu Düsseldorf, als er eben mit der Bearbeitung einer zweiten Auflage seiner „Statistik der Deutschen Kunst“, dafür er seit Jahren Nachträge gesammelt hatte und welche nun in vier Bänden erscheinen sollte, beschäftigt war. – L. war seit dem August 1872 mit einer Tochter des Obermedicinalraths Dr. Mangold zu Cassel verheirathet.

Deutsche Bauzeitung, 1879, Nr. 81.