ADB:Mensdorff-Pouilly, Alexander Graf von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Mensdorff-Pouilly, Alexander Graf“ von Franz Philipp von Sommaruga in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 365–366, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mensdorff-Pouilly,_Alexander_Graf_von&oldid=- (Version vom 22. Mai 2019, 01:12 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Menno Simons
Band 21 (1885), S. 365–366 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Alexander von Mensdorff-Pouilly in der Wikipedia
GND-Nummer 116885564
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|21|365|366|Mensdorff-Pouilly, Alexander Graf|Franz Philipp von Sommaruga|ADB:Mensdorff-Pouilly, Alexander Graf von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116885564}}    

Mensdorff-Pouilly: Alexander Graf M.-P., geb. zu Coburg am 4. Aug. 1813, ein Sohn des Generales der Cavallerie Emanuel Grafen M. aus dessen Ehe mit Sophie Herzogin von Sachsen-Coburg und durch diese mit dem englischen Königshause verwandt, trat frühzeitig in österreichische Militärdienste, in denen er, ohne Unterbrechung bei verschiedenen Cavallerieregimentern dienend, rasch die höheren Chargen erklomm. Im November 1849 zum Adjutanten des Kaisers ernannt, erbat er sich die Erlaubniß, in dieser Anstellung den gegen die ungarischen Rebellen eröffneten Feldzug mitmachen zu dürfen. In der darauf folgenden Wintercampagne gab er wiederholte Beweise eines glänzenden ritterlichen Muthes und erwarb sich durch einen kühnen und von bedeutendem Erfolge gekrönten Cavallerieangriff auf die Insurgenten in der Schlacht bei Komorn das Maria-Theresien-Kreuz. Nach Niederwerfung des ungarischen Aufstandes wurde M.-P. zum Generalmajor befördert und in den nächstfolgenden Friedensjahren zu mehrfachen diplomatischen Sendungen, 1850–1852 Bundescommissär in Holstein, zuletzt als Gesandter bei dem russischen Hofe verwendet. Bei dem Beginne der orientalischen Verwicklung trat er jedoch zu seinem militärischen Berufe zurück, wurde commandirender General im Banate, begleitete im J. 1856 den Erzherzog Ferdinand Max, nachmaligen Kaiser von Mexiko nach Paris, wurde in Folge des Octoberdiploms kaiserlicher Commmissär für die serbische Wojwodschaft und im J. 1862 Statthalter und commandirender General in Galizien. Nach dem Rücktritte des Grafen Rechberg wurde M. mit kais. Handschreiben vom 27. Octbr. 1864 als Minister des Aeußeren in das Ministerium Schmerling berufen und verblieb auf diesem Posten bis zur Berufung Beust’s, welche wenige Monate nach dem Ende des unglücklichen Krieges mit Preußen und nach dem von ihm [366] noch abgeschlossenen Präliminarfrieden von Nikolsburg erfolgte. In dieser letzteren Stellung, die allerdings durch die vorangegangenen politischen Mißgriffe des Grafen Rechberg und durch die auf gewaltsame Lösung des Knotens hin gerichtete Tendenz Bismarck’s zu einer sehr mißlichen sich gestaltet hatte, ließ M. ganz und gar jene Energie und Entschlossenheit vermissen, die man sich von dem muthigen Reitergeneral versprechen zu dürfen glaubte, und bot das Bild eines Mannes, der stets nach den schwankenden Tendenzen in den Hofkreisen lavirend, seine politische Färbung bis zur Unkenntlichkeit aufgab. Als ein entschiedener Anhänger der Verfassungspartei in das Ministerium Schmerling eingetreten, verblieb er in demselben auch nach dessen Fall. Er widerrieth die vom nachgefolgten Ministerpräsidenten Grafen Belcredi ins Werk gesetzte Sistirung der Verfassung, er war ein Gegner des Doppelkrieges gegen Preußen und Italien, dessen Gefahren er bei der Aussichtslosigkeit einer Allianz mit einer der anderen Großmächte ganz richtig erkannte, er war gegen die Abtretung von Venetien an den Kaiser der Franzosen, und blieb, ungeachtet er in all diesen Fragen ohne Unterstützung war, nichtsdestoweniger im Amte. Die persönlichen Verhältnisse Mensdorff-Pouilly’s, sein Reichthum, seine bis an den Königshof von Großbritannien sich anlehnende aristokratische Stellung schließen den Gedanken, als hätte Eigennutz oder Ehrsucht den Grafen M.-P. an sein Portefeuille gefesselt, ganz und gar aus. Der Grund zu dieser gänzlichen Selbstentäußerung seiner persönlichen Ueberzeugung kann daher nur in seiner übertriebemn Deferenz gegen den Hof, zum Theil auch in dem Einflusses seiner Gattin, der Erbtochter des dem kaiserlichen Hofe blind ergebenen fürstlichen Hauses Dietrichstein gesucht werden. Nach seinem Rücktritte von der Leitung des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, zog sich M.-P. zunächst ins Privatleben zurück, und erlebte, im Uebrigen im Herrenhause treu zur Verfassungspartei haltend, noch die Auszeichnung, daß nach dem Hinscheiden des letzten Dietrichstein, der Name und Fürstentitel dieses Geschlechtes mit allerh. Diplom vom 20. März 1869 auf ihn und seine eheliche Descendenz übertragen wurde. In Folge seines Wunsches um Wiederverwendung im Militärdienst, wurde ihm im J. 1870 die Ernennung zum commandirenden General in Agram zu Theil, in welcher Stellung er jedoch nur kurze Zeit verblieb, indem er noch in demselben Jahre, und zwar gegen seinen Wunsch, zum Statthalter und Oberstcommandirenden in Böhmen nach Prag berufen wurde. Ehe er jedoch noch auf die Ordnung der dortigen sehr gespannten Zustände einen Einfluß gewinnen konnte, wurde M., der bei seinem überaus liebenswürdigen und freundlichen Wesen, das er in allen seinen Stellungen und gegen Jedermann bewährte, im Leben kaum einen persönlichen Gegner gehabt hatte, in Folge eines acuten Leidens am 14. Febr. 1871 durch den Tod dahingerafft. Er starb mit Hinterlassung von zwei Söhnen und zwei Töchtern.

Vgl. Wurzbach, Biographisches Lexikon, 17. Bd., S. 360 ff.