ADB:Moufang, Christoph

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Artikel „Moufang, Christoph“ von Friedrich Lauchert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), S. 486–488, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Moufang,_Christoph&oldid=2512455 (Version vom 23. Oktober 2018, 05:55 Uhr UTC)
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Moufang: Franz Christoph Ignaz M., katholischer Theologe, geboren am 17. Februar 1817 zu Mainz, † am 27. Februar 1890 ebendaselbst. M. besuchte von Herbst 1826–1829 das bischöfliche Gymnasium in Mainz, nach dessen Aufhebung 1829–1834 das Staatsgymnasium, studirte von Herbst 1834–1837 in Bonn, dann noch ein Jahr in München Theologie, machte gegen Ende 1838 in Gießen die vorgeschriebenen theologischen Examina, trat dann in das Clericalseminar zu Mainz ein und wurde am 19. December 1839 zum Priester geweiht. Seine erste Anstellung erhielt er hierauf als Caplan in Seligenstadt a. M., wo damals sein Oheim Adam Franz Lennig, der spätere Mainzer Generalvicar und Domdecan, Pfarrer war. Am 20. December [487] 1843 wurde er Pfarrverwalter zu Bensheim an der Bergstraße, am 27. März 1845 Pfarrverwalter zu St. Quintin in Mainz, im August 1845 Religionslehrer am Gymnasium in Mainz. Bei der Wiedereröffnung des Mainzer Seminars 1851 ernannte ihn Bischof v. Ketteler zum Regens desselben und zum Professor der Moral und Pastoral; am 6. November 1854 wurde er zugleich Domcapitular, am 2. December Geistlicher Rath und Mitglied des Ordinariats. 1864 verlieh ihm die theologische Facultät zu Würzburg die theologische Doctorwürde honoris causa. Im November 1868 wurde er zu den Vorbereitungen des Concils nach Rom berufen und der kirchenpolitischen Commission zugetheilt. Nach Bischof v. Ketteler’s Tod 1877 wählte ihn das Domcapikel zum Capitelsvicar und Bisthumsverweser. Am 16. April 1886 wurde er päpstlicher Hausprälat. Nach der Wiederbesetzung des bischöflichen Stuhles (Haffner) und der Wiedereröffnung des seit 1877 geschlossenen Seminars übernahm er am 25. October 1887 wieder dessen Leitung als Regens.

Schon seit den ersten Jahren nach seiner Berufung nach Mainz betheiligte sich M. als hervorragendes Mitglied des Kreises, der sich um die bedeutende und energische Persönlichkeit Lennig’s sammelte, eifrig an allen Bestrebungen zur Hebung der kirchlichen und socialen Verhältnisse. Er wirkte thätig mit im kirchlichen Vereinsleben, besonders im St. Vincenz- und Elisabeth-Verein und bei der Gründung des Pius-Vereins. Mit der Geschichte der Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands ist sein Name wie der seines Collegen Heinrich untrennbar verbunden; er gehörte fast 40 Jahre lang zu den führenden Persönlichkeiten und hervorragendsten Rednern auf denselben. Er übte auch eine vieljährige parlamentarische Thätigkeit aus. Als Vertreter des Bischofs in der hessischen ersten Kammer trat er wiederholt in den kirchenpolitischen und socialpolitischen Verhandlungen bedeutsam hervor. Seit 1871 bis zu seinem Tode war er mit kurzer Unterbrechung Mitglied des Reichstags, als Mitglied des Centrums besonders als Socialpolitiker geschätzt.

Im Gebiete litterarischen Wirkens ist vor allem Moufang’s Thätigkeit für den „Katholik“ zu erwähnen, den er mit Heinrich von 1851 bis zu seinem Tode redigirte; seit 1859 erhielt derselbe durch diese Herausgeber seine seither beibehaltene Ausgestaltung. Auf wissenschaftlichem Gebiete hat sich M. besonders durch seine Arbeiten zur Geschichte der älteren katholischen Katechismen verdient gemacht: „Die Mainzer Katechismen von Erfindung der Buchdruckerkunst bis zum Ende des 18. Jahrhunderts“ (Mainz 1878; vorher im Katholik 1877, I, S. 613–634; II, S. 66–89, 159–184, 255–281, 369–388; Nachträge dazu im Katholik 1878, II, S. 309–314 und 1882, I, S. 427 bis 433); „Katholische Katechismen des 16. Jahrhunderts in deutscher Sprache. Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen“ (Mainz 1881). Dazu gehört noch: „Abt Lambert v. Balven und sein catechismus ecclesiae 1550“ (Katholik 1880, II, S. 646–659). Von seinen zahlreichen kleineren Arbeiten seien noch genannt: „Der Informativ-Proceß. Eine kirchenrechtliche Erörterung“ (Mainz 1850); „Die katholischen Pfarrschulen in der Stadt Mainz“ (Mainz 1863); „Das Verbot der Ehen zwischen nahen Verwandten“ (Mainz 1863; auch im Katholik 1863, I, S. 143–160); „Die Handwerkerfrage. Rede, gehalten in der ersten Kammer der Stände zu Darmstadt“ (Mainz 1864); „Die Kirche und die Versammlung katholischer Gelehrten. Eine Erwiderung der Schrift des Dr. Michelis, Kirche oder Partei“ (Mainz 1864); „Cardinal Wiseman und seine Verdienste um die Wissenschaft und die Kirche“ (Mainz 1865); „Carl August, Cardinal von Reisach“ (Katholik 1870, I, S. 129–150); „Actenstücke, betreffend die Jesuiten in Deutschland. Gesammelt und mit Erläuterungen [488] versehen“ (Mainz 1872); „Die Pflege des Kirchengesanges in der Erzdiöcese Mainz“ (Katholik 1884, II, S. 406–417). Sein Gebetbuch „Officium divinum“ (zuerst Mainz 1851) erschien bis 1905 in 19. Auflage.

Brück, Dr. Christoph Moufang; Katholik 1890, I, S. 481–493; II, S. 1–25.