ADB:Neubeck, Valerius Wilhelm

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Artikel „Neubeck, Valerius Wilhelm“ von Adolf Schimmelpfennig in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 470–471, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Neubeck,_Valerius_Wilhelm&oldid=- (Version vom 22. Oktober 2019, 01:50 Uhr UTC)
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Neubeck: Valerius Wilhelm N., königl. Hofrath und Kreisphysicus in Steinau a. O., war der einzige Sohn des Hofapothekers Wilhelm Friedrich N. zu Arnstadt im Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen und am 21. Jan. 1765 geboren. Mit einer gründlichen classischen Bildung ausgestattet, die er sich auf dem Lyceum seiner Vaterstadt erworben, kam er 1783 in das Haus wohlhabender kinderloser Verwandter in Liegnitz; hier besuchte er noch zwei Jahre das Gymnasium, ging 1785 nach Göttingen, um Medicin zu studiren, und 1787 nach Jena, wo er am 4. Octbr. 1788 auf Grund seiner Dissertation: „De lavatione frigida, magno sanitatis praesidio“ zum Doctor der Medicin promovirt wurde. Nach kurzem Aufenthalt in seiner Vaterstadt ließ er sich auf den Wunsch seiner Verwandten in Liegnitz als praktischer Arzt nieder, wurde ihnen aber schon 1793 durch seine Beförderung zum Physicus des Steinauer Kreises, welcher die Verlegung seines Wohnsitzes nach Steinau forderte, wieder entführt. In Steinau vollendete er sein dem Minister Grafen von Hoym gewidmetes Lehrgedicht „Die Gesundbrunnen. Ein Gedicht in vier Gesängen“. Es erschien mit dem Pindar’schen Motto: ἄριστον μὲν ὕδωρ, 1795 in Commission bei Joh. Fr. Korn dem Aelteren in Breslau auf Subscription. Der erste Gesang handelt von der Entstehung der Heilquellen, im zweiten werden die Gesundbrunnen Deutschlands aufgezählt und in ihrer Heilkraft gewürdigt, der dritte gibt Regeln beim Gebrauche der Quellen und der vierte enthält Rathschläge [471] zur Stärkung und Erhaltung der Gesundheit. Schon bei seinem Abgange von der Schule 1785 hatte N. ein größeres Gedicht „Die Zerstörung der Erde nach dem Gericht“ mit einer warmen Widmung an seinen „verehrungswürdigen Freund und ehemaligen Lehrer“ Subconrector Franke in Arnstadt als Manuscript für Freunde drucken lassen und 1792 „Gedichte“, Erstes Bändchen, auf Subscription herausgegeben. In Form und Inhalt unbedeutend, sind beide über den Kreis der Freunde und Subscribenten des Autors hinaus nicht bekannt geworden. Aber auch Neubeck’s „Gesundbrunnen“ blieben durch zwei Jahre unbeachtet, bis A. W. v. Schlegel in der Jenaer Allgemeinen Litteraturzeitung 1797 auf diese in ihrer Art einzige Balneologie hinwies und ihr durch seine glänzende Recension derselben die gebührende Anerkennung verschaffte. N. fand jetzt einen Verleger. Göschen in Leipzig veranstaltete 1798 eine Prachtausgabe derselben in Folio mit Kupfern und 1809 eine zweite vermehrte und verbesserte Ausgabe in Quart. Wie Virgil, dessen Georgica N. als Vorlage für seine Gesundbrunnen benutzte, – ihnen ist nicht blos die Form, der Hexameter, den N. nicht ohne Gewandtheit handhabt, sondern auch die Methode der Behandlung des Stoffes und so manche Einzelnheit entlehnt, – war N. nicht ein Natur-, sondern ein Kunstdichter, der den Mangel an poetischer Schöpfungskraft durch Gelehrsamkeit und sorgfältige Ausarbeitung ersetzen muß. Zu solchem Produciren gehört viel Zeit und da diese später dem durch Amt und Beruf vollauf in Anspruch genommenen Arzte fehlte, so ist das Gedicht, welches N. einen Namen machte, auch das einzige geblieben, welches er uns hinterlassen hat. Seine dichterische Thätigkeit ist mit dem Jahre 1795 abgeschlossen. Nach dieser Zeit sind nur noch einige medicinische Aufsätze in Hufeland’s Journal für praktische Heilkunde von ihm erschienen, die ihn als denkenden Arzt erkennen lassen. In Anerkennung seiner Verdienste um die öffentliche Gesundheitspflege wurde ihm 1822 der Charakter als Hofrath verliehen, doch nöthigte ihn die unaufhaltsame Abnahme seiner Sehkraft, 1823 die Entbindung von den Physicatsgeschäften nachzusuchen. Bei dem großen Brande, welcher 1834 binnen wenig Stunden Steinau in Asche legte, wurde auch sein Haus, ein großer Theil seiner Habe und besonders auch seine bedeutende und werthvolle Bibliothek ein Raub der Flammen. Infolge dieses Unglücks zog er zu seinem Schwiegersohne, Kreisphysicus Dr. Rau, nach Waldenburg, in dessen Hause er am 20. Septbr. 1850 gestorben ist.

Nowack, Schlesisches Schriftstellerlexikon, Heft 2, 1838.