ADB:Neumayr von Ramsla, Johann Wilhelm

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Artikel „Neumayr v. Ramsla, Johann Wilhelm“ von Friedrich Ratzel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 542–543, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Neumayr_von_Ramsla,_Johann_Wilhelm&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 21:12 Uhr UTC)
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Neumayr: Johann Wilhelm N. v. Ramsla (schreibt sich auch Neumair), ein gelehrter sächsischer Edelmann, geb. 1570, welcher 1597 Spanien und Frankreich bereiste, 1613–1614 den Herzog Johann Ernst von Sachsen-Weimar auf einer Reise durch Frankreich, England und die Niederlande begleitete und eine Beschreibung derselben 1620 herausgab. Die Beschreibung früherer Reisen Neumayr’s durch Italien und Spanien gab 1622 dessen Vetter Hans Kilian heraus. Wenn auch einen großen Raum in der ersten Beschreibung die Erzählung der fürstlichen Empfänge, Besuche und Gastereien und in der zweiten das Touristische einnimmt, so hat doch auch manche werthvolle Notiz darin Platz gefunden und Beckmann’s abfälliges Urtheil über diese Schriften Neumayr’s ist nicht gerechtfertigt. Jedenfalls hat N. ein sorgsames Tagebuch geführt und besaß genug Bildung, um das Wissenswerthe, das die Reise bot, mit Verständniß, wenn auch nicht immer mit der größten Genauigkeit, aufzuzeichnen. Das Werk ist schon wegen seiner vollständigen Routen- und Städtebeschreibungen eine willkommene Ergänzung der Itinera jener Zeit. Außerdem sind die Bauwerke und Kunstsammlungen von Venedig, Florenz, Rom und anderen Städten ziemlich eingehend beschrieben, merkwürdige Inschriften und historische Notizen, letztere theilweise aus der der Reise nächst vorangehenden Zeit, wie z. B. über die Wahl des Marino Grimani zum Dogen, mitgetheilt. Selbst von deutschen Städten, wie Augsburg, ist einiges Wissenswerthe gesagt. Ohne Werth sind einige beigegebene Kupfertafeln und Kärtchen. Eine zweite Ausgabe der Beschreibung der Reise des weimarischen Prinzen hat Mag. J. G. Pagendarm aus Lübeck 1734 zu Jena veranstaltet. Dieselbe ist an wenigen Stellen verbessert, an mehreren verstümmelt. N. veröffentlichte auch mehrere Schriften staatswissenschaftlichen und politischen Inhaltes, die seiner Gelehrsamkeit und seinem Urtheile ein gutes Zeugniß ausstellen. Meistentheils legte er dabei italienische Vorbilder zu Grunde, denen vorzüglich sein „Bellum Cypricum“ (1621) und „Erinnerungen und Regeln vom Kriegswesen“ (1630) entnommen sind. In einem späteren Werke nennt er selbst Cinuzzi’s „La vera militar disciplina“ und Rocia’s „Discorsi di Guerra“ als Werke, die er für besonders löblich halte. Brancatiis Discorsi über Jul. Cäsars „De bello gallico“ legte er einem Werke „Militärische Regeln und Erinnerungen“ zu Grunde, welches er 1637 seinem oben genannten Vetter Hans Kilian N. widmete, der damals, nachdem er in französischen und braunschweigischen Diensten gestanden, zusammen mit zwei Brüdern, Jobst und Marx, unter Herzog Bernhard im Felde stand. Letzteren beiden hatte er 1630 jenes oben genannte kriegswissenschaftliche Werkchen gewidmet. Ein vierter Bruder war 1628 im französischen Kriegsdienste vor [543] La Rochelle geblieben. Der dreißigjährige Krieg gab N. auch die Anregung zu einigen staatswissenschaftlichen Schriften. Dem Fürsten Ludwig zu Anhalt eignete er „Verbündnisse und Ligen in Kriegszeit“ (1624) zu. „Vom Aufstand der Unteren wider ihre Regenten“ (1633) zeigt den Antheil, den N. auf protestantischer Seite an den Zeitereignissen genommen und ist der Königin Christine sowie ihren Räthen zugeeignet. Dieser Krieg suchte ihn selber schwer heim. In beweglicher Weise erzählt er, wie er im December 1640 zum zehnten Mal ausgeplündert worden, „daß ich, leider, bei meinem Leben mich nicht wiederum erholen kann und nunmehr in meinem 70jährigen Alter Armuth und Mangel leide“. Diese Erzählung folgt als Anhang dem Werke „Vom Krieg. Sonderbarer Tractat oder Handlung“ (1641). N. scheint nach 1644 gestorben zu sein, denn in diesem Jahre erschien eine zweite (Titel=?) Ausgabe des eben genannten Buches und nach dieser Zeit sind keine Schriften mehr von ihm verzeichnet. N. war ein gelehrter Mann von geradem, unabhängigem Sinn und aufgeklärtem Geist. Er besaß eine besondere Vorliebe für die italienische Litteratur und zählt zu den hervorragenden Dolmetschern der kriegs- und staatswissenschaftlichen Leistungen derselben auf der Wende des 16. und 17. Jahrhunderts. Nicht alle seine Schriften wurden gedruckt, wie man aus einer Bemerkung seines Vetters Johann Kilian N. ersieht, daß die welschländische Reise Theil eines „Iter Europaeum“ sei. Im Vergleich mit der von N. beschriebenen Prinzenreise zeigt jene ein tieferes Interesse für Länder und Völker, welches N. auf seinen Reisen leitete.

Quellen: Spärliche Notizen in Jöcher. – Einige autobiographische Angaben in den verschiedenen Werken.