ADB:Oettinger, Ludwig

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Oettinger, Ludwig“ von Moritz Cantor in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 568–569, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Oettinger,_Ludwig&oldid=- (Version vom 5. Dezember 2019, 19:47 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Oettl, Georg von
Band 24 (1887), S. 568–569 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Ludwig Oettinger in der Wikipedia
GND-Nummer 11710969X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|24|568|569|Oettinger, Ludwig|Moritz Cantor|ADB:Oettinger, Ludwig}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=11710969X}}    

Oettinger: Ludwig Oe., Mathematiker, geb. am 7. Mai 1797 in Edelfingen, einem an der Tauber gelegenen Dorfe, † am 10. Octbr. 1869 zu Freiburg im Breisgau. Auf dem Karlsruher Lyceum vorgebildet bezog O. die Universität Heidelberg, um dort Theologie, Philologie und Philosophie zu studiren. 1817 machte er ein theologisches Examen und wurde für kurze Zeit Pfarrer in Mundingen. Bald wandte er sich jedoch dem Lehrfache zu. Er wurde der Reihe nach Lehrer am Pädagogium zu Lörrach 1818, Director des Pädagogiums zu Durlach 1820, Professor am Gymnasium zu Heidelberg 1822 und daneben Privatdocent an der dortigen Universität 1831, endlich ordentlicher Professor der Mathematik an der Universität Freiburg 1836. O. gehörte seiner Entwicklung nach der combinatorischen Schule an, zu deren geistvolleren und kenntnißreicheren Gliedern er gezählt werden muß. Seine Hauptverdienste erwarb er sich daher in Schriften, welche dem combinatorischen Gebiete angehören. Wir nennen die „Lehre von den Combinationen nach einem neuen System bearbeitet und erweitert“, 1837, die „Theorie der Lotterieanlehen nebst einer Methode, den Werth eines Capitals bei verschiedenem Zinsfuße und dem hieraus sich ergebenden Curs zu bestimmen mit Rücksicht auf großherzogl. badische Staatsanlehen“, 1843, die „Anleitung zu finanziellen, politischen und juridischen Rechnungen“, 1845, als Werke, die noch keineswegs veraltet und mit großem Nutzen angewandt werden können, um sich die betreffenden, insbesondere höheren Finanzbeamten nöthigen Kenntnisse zu erwerben. Anwendungen der Combinatorik auf Gegenstände der Analysis wie die „Forschungen in dem Gebiete der höheren Analysis mit den Resultaten und ihrer Anwendung“ 1831, wie eine Art Summen- und Differenzenrechnung, welche unter dem Titel „Aufstufung der einfachen Functionen“ Bd. XI bis XVI des Crelle’schen Journals, wie die „Untersuchungen über die analytischen Facultäten“, Bd XXXIII, XXXV, XXXVIII, XLIV der gleichen Zeitschrift und Aehnliches darf man dagegen nur mit Vorsicht lesen, da die Benutzung unendlicher Reihen[WS 1] sowie manche Grenzübergänge als leichtfertiger bezeichnet werden müssen, als der Mathematiker sie sich gestatten darf. Den Nachweis dafür hat Weierstraß in seiner Facultätenabhandlung (Crelle LI) geführt. O. hat in einer Abhandlung die Vorstellungen der alten Griechen und Römer über die Erde als Himmelskörper 1850 und in der Bearbeitung [569] verschiedener Artikel für Pauly’s Realencyklopädie der classischen Alterthumswissenschaft auch gezeigt, daß ihm Interesse für die Geschichte seiner Wissenschaft innewohnte.

Poggendorff, Biogr.-litter. Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften, Bd. II, S. 313–314. – v. Weech, Badische Biographien, Bd. II, S. 114 (unterzeichnet J. Lüroth).


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Reih-n