ADB:Oost, Jakob van

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Artikel „Oost, Jacob van, sen.“ von Joseph Eduard Wessely in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 363–364, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Oost,_Jakob_van&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 08:34 Uhr UTC)
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Oost: Jacob van O. sen., Historienmaler, geb. in Brügge um 1600, kommt am 19. Januar 1619 in der Malergilde seiner Vaterstadt als Lehrling seines Bruders Franz vor. Zum Meister wurde er 1621 ernannt. Nach der Gewohnheit seiner Landsleute jener Zeit besuchte er Italien und nahm sich vorzugsweise Han. Carracci zum Vorbild, den er in seinen Werken mit großem Glück nachahmte. Im J. 1630 kehrte er nach Brügge zurück und malte jetzt fleißig, da er viele Aufträge erhielt. Er schilderte Historien, malte Altarbilder und Bildnisse, die seinen Namen berühmt machten. Im J. 1633 hat man ihn zum Oberhaupt der Schildergilde erwählt. Zu seinen Hauptwerken gehören: „Abnahme vom Kreuze“ in der Jesuitenkirche in Brügge, „Das Vorlesen des Todesurtheils vor Gericht im Gerichtssaale“ ebenda vom J. 1659; in der Salvatorkirche „Die Taufe Christi“, sehr umfangreich und schön; ein Altarbild mit dem heiligen Hubertus, zwei Gemälde, auf deren einem Engel der Madonna die Leidenswerkzeuge vorzeigen, während auf dem anderen Christus von seiner Mutter vor seinem Leiden Abschied nimmt. „Christus am Kreuz mit Maria, Johannes und Magdalena“ war das erste Bild, das er nach seiner Rückkehr aus Italien gemalt hatte, es befindet sich in der Conventskirche der schwarzen Schwestern. Neun Bilder führte er für die Abtei von St. Trou aus. Eins davon stellt die heilige Gertrude dar und diese ist das Porträt seiner Tochter, die in diesem Kloster Nonne war. Ein anderes zeigt uns den Chor des Klosters mit einem schönen Porticus, der den Eingang zu einem Tempel bildet. Dieser ist mit einem Vorhang versehen, den ein junger Mann (das Bildniß seines Sohnes) öffnet und uns einen Blick in das Innere des Tempels gewährt, wo die Sendung des heiligen Geistes dargestellt ist. Sich selbst hat er in einem der Apostel porträtirt. Das Gemälde ist vorzüglich in Zeichnung, Architektur und Farbenharmonie. Auch Ypern besitzt ein Werk von ihm, es stellt die verschiedenen Nationen dar, welche das Sacrament anbeten. Der Meister war bis zu seinem 1671 erfolgten Tode thätig und wir haben nur einige seiner Werke angeführt. Mehrere andere erwähnt Descamps. O. hatte in seiner Jugend manches nach Rubens und van Dyck copirt und auch diese Copien werden geschätzt und in den Kirchen von Brügge aufbewahrt.

Jacob van O. jun., des Vorigen Sohn und Schüler, geb. in Brügge im J. 1637. Als er sich zum Künstler ausgebildet hatte, machte er seine italienische Kunstreise. Er nahm den Weg über Paris und dieses nahm ihn so ein, daß er zwei Jahre lang hier Station hielt und dann erst nach Rom sich begab, wo er die Antike und die alten Meister gleich fleißig studirte. Nach mehreren Jahren kehrte er als ausgebildeter Künstler in seine Vaterstadt zurück, die ihn aber nicht zu fesseln vermochte. Seine Sehnsucht war nach Paris gerichtet. Er machte sich deshalb auf den Weg dahin, blieb aber in Lille sitzen, wo ihn mehrere Künstler, seine Freunde aus Italien, festhielten. Er malte viele Bildnisse, die so gefielen, daß sich die Angesehensten der Stadt von ihm malen ließen. Damit war seine Reise nach Paris unterbrochen worden, und als er in Lille ein Mädchen, Marie Bourgeois, ehelichte, war die Sehnsucht nach Paris erloschen. Er blieb und malte in Lille 41 Jahre, da starb seine Frau und er kehrte als Wittwer nach Brügge zurück, wo er am 29. December 1713 im Alter von [364] 76 Jahren starb. Er malte im Geschmack seines Vaters, doch ist sein Faltenwurf breiter, seine Compositionen weisen nicht so zahlreiche Figuren auf wie die seines Vaters; dagegen ist alles wohl durchdacht, die Figuren gut gezeichnet, das Colorit angenehm. In Brügge sind nicht viele seiner Werke zu finden. Zu erwähnen wäre „Der Tod der heiligen Jungfrau“ (Salvatorkirche), „Bekehrung des heiligen Hubertus“, „Triumph Christi über Zeit und Tod“. In den Kirchen von Lille dagegen finden sich viele Altarbilder von seiner Hand. Ein Hauptwerk ist „Die Marter der heiligen Barbara“ (in der Stephanskirche). Weiter sind zu nennen eine Transfiguration, eine Erweckung des Lazarus, sechs Bilder bei den Carmelitern, die in einer Folge Scenen aus dem Leben des heiligen Johannes a Cruce darstellen. In den Familien werden sich noch viele Bildnisse befinden, welche der Meister sehr fleißig auszuführen wußte und die sehr geschätzt waren.

S. Descamps, La vie des Peintres, II, 54 und III, 55. – Immerzeel.