ADB:Poser, Heinrich von

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Artikel „Poser und Großnedlitz, Heinrich von“ von Friedrich Ratzel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 456–458, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Poser,_Heinrich_von&oldid=- (Version vom 26. Juni 2019, 20:45 Uhr UTC)
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Poser: Heinrich v. P. und Großnedlitz, Orientreisender, geboren am 19. August 1599 auf Eisdorf, † zu Breslau am 13. September 1661. Der Vater Ernst v. P., welcher die Herrschaften Eisdorf und Falkenberg besaß, starb frühe, die Mutter aus dem Geschlechte derer v. Keltsch aus dem Hause Rühmberg, sorgte für die Erziehung des Sohnes in Schweidnitz und Breslau und sandte ihn auf die Universität Marburg. Am 20. August 1620 trat er eine Reise über Venedig nach dem Orient an, welche ihn am 14. November nach Constantinopel brachte, welche Stadt er bereits am 20. Januar 1621 im Geleite eines zurückkehrenden persischen Gesandten wieder verließ. Die Reise galt damals für tollkühn und die in Constantinopel lebenden Europäer suchten ihn von derselben abzuhalten. Der britische Gesandte John Eyre sagte ihm: „Ich wünsche ihm, der in Persien, wo er nichts zu thun und zu hoffen hat, gehen will, eine glückliche Reise, glaub aber nicht, daß er sie haben werde.“ P. ließ sich nicht umstimmen, sondern trat die mitten im Winter nicht sehr angenehme Reise über die beschneiten Ausläufer des Olymp nach Amasia und Erzerum, wo er armenisch zu lernen begann, an, überschritt am 31. März die türkische Grenze, besuchte die zahlreichen Reste christlicher Kirchen um Onigala, fand freundlichste Bewirthung und Aufnahme bei dem Chan von Iravan, verweilte in Täbris, [457] und traf am 14. Juni in Ispahan ein, nachdem er dem Schah noch vor der Stadt vorgestellt worden. Er befreundete sich mit einigen Europäern (ein Freund Poser’s, Albrecht v. Schilling, verweilte schon länger am persischen Hof, was wohl mit ein Grund der Reise Poser’s gewesen war), besonders mit P. de Loval, der später eine vielgelesene Reisebeschreibung herausgab, und begann die Erlernung der persischen Sprache und trat am 18. Juli in Gesellschaft eines Claudio Bourne die Weiterreise nach Indien an. Am letzten Tage dieses Monats wurde Jezd erreicht, in der ersten Augustwoche der Wüstenstrich nach Chorassan zu überschritten und über Fera und Grista (Girrischk) am 21. Sept. Kandahar erreicht. Auf der Weiterreise litt P. heftig am Wechselfieber, von welchem er nicht früher genas, als bis er bei Alachan ins Industhal herabgestiegen war und seine Reise über Multan fortgesetzt hatte. Am 23. November erreichte er Lahor und vier Wochen später Agra, wo Europäer und Armenier, die in Diensten des Großmoguls standen, besonders aber der holländische Resident W. Houten dem Reisenden, der seine Mittel nahezu erschöpft hatte, hilfreich begegneten. Mit Augustin Hiriart aus Bordeaux, Ingenieur des Großmogul, besuchte er dessen Kriegslager und gewann Zutritt zu dem Herrscher, von dessen Lebensweise er eine anziehende, wenn auch, wie alle seine Berichte, viel zu kurze Schilderung entwirft. Ende Januar kam er über Agra nach Lahor zurück, wo er bis zum 28. Mai verweilte, um über Dehli am 17. Juni nach Agra zurückzukehren. Am 2. Juli verließ er diese Stadt wieder und zog durch Malva über Mando, das ihm ebenso wie Sungier Anlaß zu Excursen über zeitgenössische Geschichte indischer Herrscher gibt, Perampur, das von europäischen Kaufleuten damals viel besuchte Mangipatam am Ganges, nach Dopalpur, wo er einige Zeit krank lag, von da nach Fisiapur, wo er mehr als einen Monat Gast des Kriegsmannes Georg Krieger aus Dresden war. Er setzte dann seinen Weg über Ibrahimpur ins Karnatik fort, berührte Haiderabad und feierte Weihnachten im Hause des holländischen Residenten van Offel in Massulipatam. Am 9. Januar 1623 ging er auf einem holländischen Schiffe in See, fuhr an der Malabarküste entlang, stieg in Tegenapatau ans Land und durchzog das Karnatik über Daraseripeta, Danger und Negapatam, worauf er am 17. März wieder in Massulipatam ankam, wo er sich für die Heimreise vorbereitete, auf welcher er Golkonda und Surate, und auf einem Ausfluge von hier aus Cambaja berührte. Am 12. November traf er in Surate mit seinem aus dem glückseligen Arabien zurückkehrenden Freunde Albrecht v. Schilling zusammen, mit welchem er sich auf einem holländischen Schiffe am 15. November nach Ormus einschiffte, das am 18. December erreicht ward. Auf dem Wege nach Ispahan wurden die Reisenden in Lar beschuldigt, ohne Zölle und Erlaubniß Edelsteine ausgeführt zu haben. P. kehrte unter Bedeckung nach dem Hafenplatz Tumeron zurück, durfte dann seinen Weg fortsetzen und erreichte über Schiras, Persepolis, Kumschah am 4. Juni Ispahan. Durch Darlehen holländischer Kaufleute in Ispahan und Aleppo wurde ihm die Reise durch Babylonien über Aleppo nach Venedig und in die Heimath möglich gemacht, die er Ende 1625 erreicht haben dürfte. Drei Jahre darauf verehelichte er sich mit verwittweten Katharina v. Hoff auf Obereck und erhöhte den Glanz seiner Hochzeit durch die Taufe eines aus dem Karnatik mitgebrachten jungen Indiers. Er verehelichte sich nach dem Tode dieser Gemahlin zum zweiten Male mit Elisabeth v. Lest. Die Fürstenthümer Jauer und Schweidnitz beriefen ihn zu ihrem Landesbestelleten, als welcher er in den trüben Zeiten des dreißigjährigen Krieges sich Verdienste um seine Heimath erwarb. Er liegt in der Kirche zu St. Elisabeth in Breslau begraben. – P. scheint seine Reise ausschließlich aus Wissenstrieb durchgeführt zu haben, wobei nur zu bedauern bleibt, daß seine Vorbildung in manchen Stücken offenbar [458] nicht genügend war, um ihn die vielen neuen Dinge, die er sah und hörte, tiefer erfassen und genauer darstellen zu lassen. Seine lebhafte Empfindung, welche sich in dem Stile der Aufzeichnungen, in der religiösen Innigkeit und besonders auch in dem, häufiger als man es in dieser Zeit gewohnt, zum Ausdruck gelangenden Naturgefühle ausdrückt, genügt nicht ganz, um die oft recht einförmig sich aneinander reihenden Tagebuchaufzeichnungen anziehender und lehrreicher zu gestalten. Selbst etwas eingehendere Schilderungen, wie sie von Ormus, Persepolis u. a. gegeben werden, sind noch immer flüchtig. Man erkennt, daß das Reisetagebuch ursprünglich nicht zur Herausgabe bestimmt war. Dasselbe erschien, aus den lateinischen Aufzeichnungen verdeutscht, 1675 zu Jena unter dem Titel: „Der beeden Königl. Erb-Fürstenthümer Schweidnitz und Jauer in Schlesien hochverordneten Landes Bestelltens des Hoch Edelgebohrnen Herren Heinrich von Poser und Groß-Nedlitz Lebens- und Todes Geschichte, Worinnen das Tagebuch seiner Reise von Constantinopel aus durch die Bulgarey, Armenien, Persien und Indien aus Licht gestellet von dessen dankbahren Sohne Heinrich von P. und Groß Nedlitz auf Tschechen, Nieder Körnitz, Obereck, gedachter Fürstenthümer Königlichem Manne und Ober-Steuer-Einnehmer, sonst dem Geprüften.“ Der Verdeutscher und Herausgeber ist ein gelehrter Diener des Hauses der v. P., welcher sich „B. G. Vor Schweidnitz den 10. April 1675“ unterzeichnet. Er hat sich offenbar wesentlich an den ihm vorliegenden lateinischen Text gehalten und 9 Seiten nützlicher Anmerkungen am Schluß hinzugefügt, übrigens in der Uebertragung manche Böcke geschossen und unnöthige Kürzungen vorgenommen.