ADB:Röding, Johann Heinrich

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Artikel „Röding, Johann Heinrich“ von Otto Beneke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 32, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:R%C3%B6ding,_Johann_Heinrich&oldid=- (Version vom 21. Januar 2020, 20:45 Uhr UTC)
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Röding: Johann Heinrich R. (Schulmann und Schriftsteller in Hamburg), geb. daselbst am 20. Novbr. 1732 aus einer Mittelstandsfamilie. Er war kein auf Universitäten, Gymnasien und Seminarien gebildeter, und doch als Volksschullehrer und Pädagog zu seiner Zeit der tüchtigsten einer. Anfangs Dorfpräceptor im Altenlande, dann in Dithmarschen, wurde er 1763 zum Lehrer der Kirchenschule zu St. Jacobi in Hamburg berufen, in welchem bescheidenen Amte er lebenslang verblieb, und durch seinen praktischen Unterricht, wie durch seine zahlreichen Jugendschriften in Prosa wie in Versen, sich so verdient machte, daß ihm das Prädicat eines „treufleißigen Schulmeisters“ nicht entgehen konnte. Seit 1770 ließ er eine erstaunliche Menge Schriften drucken, theils einzelne Gelegenheitscarmina (auch in plattdeutscher Sprache), theils buchweise als „vermischte Gedichte“ oder als „Auswahl“ aus seinem unerschöpflichen Vorrath. In Prosa schrieb er Andachtsbücher, vielbändige Zeitschriften für die Jugend u. s. w. Mehrere seiner geistlichen Gesänge sind in Anthologien aufgenommen. Sogar tugendhafte Kinderspiele und moralische Räthsel schuf der rastlose Mann. Als er 1777 zum Mitgliede einer anhaltischen litterarischen Gesellschaft ernannt war, beglückwünschte ihn die dichterische Karschin mit einem Carmen, in welchem sie erklärt: wenn ihre eigenen Dichtungen längst verklungen wären, würden seine noch fortleben. Die letzte „Auswahl“ erschien kurz vor seinem Tode; er starb am 27. December 1800. – Ein ihm geltender Nachruf enthält die anerkennenden Worte: er war ein fruchtbarer vielgelesener Schriftsteller und wirkte segensreich, besonders im Mittelstande. – Die moderne Kritik, die so gern historische Größen in mythische Personen verwandelt (z. B. Wilh. Tell), benagt auch gern die mageren Lorbeerreiser unser litterarischen Halbgötterchen. Und wie sie z. B. das Beste der von ihm selbst componirten Lieder des genialen Vaganten Schnoor „Vom hoh’n Olymp herab“, ihm abgesprochen und des armen Hamburger Nachtwächters Eggers’ einst viel gesungenes Kunstwerk „Was ist der Mensch, halb Thier halb Engel“, einem Altonaischen Namensvetter zugeeignet hat, so ist ihr Forschergeist auch zu dem Schluß gelangt, daß unseres alten Röding’s vaterstädtisches Nationallied „Auf Hamburgs Wohlergehn“ (Mel. God save the king), welches in allen älteren hiesigen Liederbüchern für Schule und Haus mit seinem Namen signirt ist, – keineswegs von ihm gedichtet sei! Aber, wenn auch der Sang vom Engelthier längst verhallt ist, so bescheren akademische Commersbücher doch noch immer dem Bruder Studio „Freude und Jugendtraum vom hoh’n Olymp herab mit der Unterschrift ‚Schnoor‘“, und der biedere Althamburger singt noch heute bei jeder festlichen Gelegenheit sein patriotisches „Auf Hamburgs Wohlergehn“ und schwört darauf, daß Vater R. zu St. Jacobi der Verfasser.

Uebrigens s. m. Thieß, Hamburger Gelehrten-Lexikon, Bd. 2, S. 13 bis 140. – Hamb. Schriftsteller-Lexikon, Bd. 6, S. 326, 327.