ADB:Ratzeburg, Julius Theodor Christian

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Artikel „Ratzeburg, Julius Theodor Christian“ von Wilhelm Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 371–372, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ratzeburg,_Julius_Theodor_Christian&oldid=- (Version vom 13. Juli 2019, 22:11 Uhr UTC)
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Band 27 (1888), S. 371–372 (Quelle).
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Ratzeburg: Julius Theodor Christian R., Begründer der wissenschaftlichen Forstentomologie, wurde geboren am 16. Februar 1801 zu Berlin. Obgleich er schon im neunten Lebensjahre seinen Vater, welcher Professor der Botanik an der Thierarzneischule war, verlor, hatte er von diesem doch schon manche Pflanze kennen gelernt, und war dadurch die Liebe zur Botanik in ihm geweckt. Dieselbe wurde noch mehr entwickelt durch den vortrefflichen Unterricht, welchen er auf dem Collegium Fridericianum zu Königsberg von J. G. Bujak erhielt. Familienverhältnisse zwangen ihn jedoch, die Anstalt vor der Reifeprüfung zu verlassen und in eine Apotheke als Lehrling einzutreten. Bald jedoch erkannte R., daß er auf diese Weise nur in einen Theil der Naturwissenschaften und auch in diesen nur in beschränktem Maße eingeführt wurde, und daher bezog er die Universität, um Medicin und Naturwissenschaften zu studiren. Nachdem er das Maturitätsexamen nachgeholt hatte, promovirte er 1825. Zum Thema seiner Dissertation hatte er gewählt: „Animadversiones ad Peloriarum indolem spectantes.“ 1828 habilitirte sich R. bei der Universität als Privatdozent und veröffentlichte im folgenden Jahre in Verbindung mit Brandt seine ausgezeichnete „Medicinische Zoologie“, welche eine Menge werthvoller Beobachtungen und Untersuchungen enthält und noch jetzt unerreicht dasteht. Als 1830 die Forstakademie von Berlin nach Neustadt-Eberswalde verlegt wurde, nahm er den Ruf als Professor der gesammten Naturwissenschaften an derselben an. In dieser Stellung veröffentlichte er seine bahnbrechenden Arbeiten über die Forstentomologie: „Die Forstinsekten oder Abbildungen und Beschreibungen der in den Wäldern Preußens und der Nachbarstaaten als schädlich oder nützlich bekannt gewordenen Insekten“. 3 Theile 1839–1844, „Die Waldverderber und ihre Feinde“ 1842, „Die Ichneumonen der Forstinsekten“ 1844 und „Die Waldverderbniß durch Insektenfraß“ 1866–68. Diese Werke bilden die Grundlage, auf welcher sich die wissenschaftliche Forstentomologie gegenwärtig weiterentwickelt. Von botanischen Werken sind zu erwähnen: „Abbildungen und Beschreibungen von Deutschlands Giftpflanzen“ 1838; in Verbindung mit Brandt setzte er die Arzneipflanzen von Hayne fort und veröffentlichte schließlich: „Die Standortgewächse und Unkräuter Deutschlands und der Schweiz“ 1859. Ebenso bedeutend wie als Forscher und Schriftsteller ist R. als Lehrer. Von weit und breit kamen die jungen Fotstmänner nach Neustadt-Eberswalde, [372] um seine Vorträge zu hören. Im Jahre 1869 trat R. mit dem Titel Geheimer Regierungsrath nach 40jähriger Lehrthätigkeit in den Ruhestand und zog nach Berlin. In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte er sich mit der Herausgabe eines forstwirthschaftlichen Schriftstellerlexikons, dessen Vollendung er jedoch nicht mehr erlebte. Dasselbe wurde 1874 von Dr. Paul Ascherson herausgegeben. In demselben findet sich auch seine Selbstbiographie. G. starb nach kurzem Krankenlager am 24. October 1871. Seine bedeutenden Sammlungen aus allen Reichen der Natur bilden den Kern der akademischen Sammlungen in Neustadt-Eberswalde.