ADB:Ravenstein, Friedrich August

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Artikel „Ravenstein, Friedrich August“ von Friedrich Ratzel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 68–69, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ravenstein,_Friedrich_August&oldid=- (Version vom 27. Juni 2019, 06:47 Uhr UTC)
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Ravenstein *): Friedrich August R., Kartograph und Topograph, wurde geboren am 4. December 1809 zu Frankfurt als Sohn eines kleinen städtischen Beamten, widmete sich dem Buchhandel und fand früh (1831) nach kurzer Wanderschaft eine seiner Neigung zu topographischen und kartographischen Studien und Darstellungen einigermaßen entsprechende Stellung an der Thurn und Taxis’schen Oberpostdirection in Frankfurt a. M. Dieselbe ließ ihm Zeit zu eigenen, topographischen Aufnahmen, auf welche er eine größere Reihe von Karten der Umgegend von Frankfurt a. M. und der nahen Rheingegenden, besonders aber das große Relief der Rheinlande (1 : 30000) gründete, welches jetzt in Poppelsdorf sich befindet. 1841 gab R. diese Stellung auf, um ganz der Kartographie und der Leitung der von ihm 1833 begründeten Turngemeinde in seiner Heimathstadt sich zu widmen. Seit 1831 war das kartographische Institut, welches jetzt in der Hand seines Sohnes sich befindet, aus kleinen Anfängen aufgeblüht. Neuigkeiten, wie ein plastischer Schulatlas, welcher der Papierprägung Bahn brach (1839), ein geprägtes Relief des Niederwaldes aus derselben Zeit, geprägte Reliefkarten von Württemberg und Hessen, Vorlegeblätter für kartographischen Unterricht (1836), und eine große Anzahl von Post- und Umgebungskarten gingen aus demselben hervor. In den 50er Jahren folgte auf das vortreffliche Relief der Grafschaft Schaumburg in 1 : 12000 die Reihe von Plänen und Karten von Frankfurt a. M. und Umgebung, welche aus eigenen Aufnahmen Ravenstein’s hervorgingen. Auch der Taunus- und Rheinpanoramen sei nicht vergessen. Der Rundblick von der Goethe-Ruhe ist wahrscheinlich das letzte eigene Werk des Kartographen, der 1865 seine kartographische Anstalt an Ludwig R., seinen Sohn, übergeben hatte, nachdem er selbst noch in den letzten Jahren seiner bezüglichen Thätigkeit der Papen’schen Höhenschichtenkarte von Mitteleuropa und dem an deren Herstellung geknüpften Gedanken einer Bundes-Plankammer eifrige Theilnahme geschenkt hatte. Auch an die Mitanregung des Vereins für Geographie und Statistik zu Frankfurt a. M., des Taunusclubs, der Gründung des Feldberghauses sei erinnert. Körperliche Uebungen und Fußwanderungen – R. gehörte zu den regsamsten Förderern der Turnerei, hat eine Reihe turnerischer Schriften herausgegeben und durchwanderte Europa vom Nordcap bis zum Aetna – verschafften dem kräftigen [69] Manne ein frisches Alter, aus welchem er am 31. Juli 1881 abgerufen wurde. Ravenstein’s Leben war ein vielseitig, regsam thätiges. In der Geschichte der deutschen Kartographie werden seine eigenen Aufnahmen und seine großen Reliefs stets zu nennen sein. Die Turnerei verdankt ihm Ausbreitung und Reformen. Als Reiseschilderer trat er in der „Didaskalia“ u. a. auf. Im öffentlichen Leben seiner Vaterstadt ist er im Sinne des politischen und religiösen Freisinns – er trat 1846 der deutsch-katholischen Gemeinde bei –, der Volksbildung, der freien Behandlung öffentlicher Interessen, thätig gewesen.

Aufzeichnungen der Familie. – Biogr. Skizze in der deutschen Turnzeitung 1882, Nr. 1, 3, 5, 7.

[68] *) Zu Bd. XXVII, S. 471.