ADB:Reinald II.

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Artikel „Reinald II.“ von Karl Theodor Wenzelburger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 725–726, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reinald_II.&oldid=- (Version vom 24. Januar 2022, 23:21 Uhr UTC)
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Reinald II. (Reynald), der „Schwarze“ (1326–1343), Sohn des Vorigen, einer der vortrefflichsten Fürsten in den Niederlanden während des ganzen Mittelalters, hatte sich noch zu Lebzeiten seines Vaters mit Sophie, Erbtochter von Franz Berthout in Mecheln vermählt und wiewohl dieses Geschlecht nur dem niederen Adel angehörte, so besaß es doch ungeheuren Reichthum, der dem Grafen trefflich zu statten kam, indem er großer Summen bedurfte, um die von seinem Vater verpfändeten Schlösser und Güter wieder einzulösen. Sophie starb aber schon 1329 mit Hinterlassung von zwei Töchtern, denen nach dem Erbvertrag, welchen R. mit der Berthout’schen Familie abgeschlossen hatte, auch für den Fall, daß aus einer späteren Ehe männliche Nachkommen vorhanden sein sollten, die alleinige Nachfolge in der Grafschaft zugesichert worden war. Seine Werbung um die Hand Eleonorens, der Schwester Eduard’s III. von England, hatte den gewünschten Erfolg; trotz des mit der Berthout’schen Familie abgeschlossenen Erbvertrages wußte er von Kaiser Ludwig dem Baier, den er auf seiner Römerfahrt begleitet hatte, die Zusicherung zu erhalten, daß die Kinder Eleonorens ihm im Besitz von Stadt und Burg Nymegen folgen sollten, der Bischof von Utrecht ertheilte für die Lehen, welche R. vom Stift besaß, dieselbe Zusage und bald darauf erklärte er, daß der älteste Sohn, oder die älteste Tochter, welche ihm Eleonore schenken würde, alle seine Herrschaften erben und zu seiner Nachfolge berufen werden sollten. Die Ehe mit der englischen Prinzessin wurde am 24. October 1331 vollzogen und die unausbleibliche Folge davon war, daß R. der eifrige Bundesgenosse seines Schwagers in dem Kriege gegen Frankreich wurde; er unterstützte denselben auch mit Mannschaften und Geld, Eduard III. bestellte ihn zu seinem Unterhändler mit den flandrischen Städten, deren Handelsinteresse ein freundschaftliches Verhältniß zu England verlangte, während der Graf von Flandern in den Reihen des französischen Heeres kämpfte. Da indessen der älteste Sohn des Herzogs von Jülich, Gerhard, sich mit der ältesten Tochter Reinald’s und Sophiens, Margaretha, und der bairische Pfalzgraf Rudolf einige Jahre später mit der zweiten Tochter Reinald’s vermählte[WS 1], so stand er auch zum bairischen Hause in sehr naher Beziehung, welche er trefflich auszunützen wußte, da Kaiser Ludwig der Baier auf dem Reichstag zu Frankfurt die bisherige Grafschaft Geldern zum Herzogthum erhob (März 1339), so daß R. und seine Nachfolger von nun an den Titel „Herzoge von Geldern und Grafen von Zutfen“ führten; zugleich wurde ihm das Erzamt eines „Oberbekleiders“ übertragen, indem er dem Kaiser bei der Krönung den Wappenrock umzuhängen hatte. Vorher schon war R. mit dem Herzog von Jülich zum Reichsvicar in Stadt und Stift Cambrai ernannt worden. Vom Kaiser, dem er erhebliche Summen vorgestreckt, erhielt er den Reichswald bei Nymegen als erbliche Besitzung und da verschiedene Edle ihre Besitzungen zu geldrischen Lehen machten, so stieg die Macht und das Ansehen Reinald’s außerordentlich, da ihm seine neue Würde ohnedieß das Recht auf Fahrten und Wege, sowie die Erhebung von Zöllen auf denselben, ferner die Befugniß, eigene Münzen zu schlagen, verliehen hatte. Sein Hauptverdienst liegt in der Hebung der Städte, die unter ihm rasch emporblühten und während bei seinem Regierungsantritt das Land, wo der Ackerbau fast nur von Unfreien betrieben wurde, auf ziemlich niedriger Stufe stand, hatte der Handel in den geldrischen Städten eine nicht geringe Blüte erreicht; denn schon im J. 1332 verlieh R. lombardischen Kaufleuten Privilegien. R. starb am 12. October 1343 mit Hinterlassung von zwei minderjährigen Söhnen[WS 2] aus seiner Ehe mit [726] Eleonore. Dieselbe scheint eine sehr unglückliche gewesen zu sein, da er seine Frau unter dem Vorwande, sie sei aussätzig, vernachlässigte. Bekannt ist die Prophezeiung der gekränkten Frau, die später in Erfüllung gehen sollte: als R. einst beim Gastmahl saß, soll sie mit ihren beiden Söhnen und in durchsichtigem Gewande plötzlich vor ihn getreten sein, ihm sein Unrecht vorgehalten und mit den Worten geschlossen haben: „Die Zeit wird kommen, daß die Gelder’schen unsere Scheidung mit heißen Thränen beweinen werden, wenn man keinen Fürsten unseres Blutes mehr haben wird!“ Er hinterließ eine große Schuldenlast, ebenso infolge der größeren Pracht, welche er nach seiner Erhebung zum Herzog entfalten mußte, wie wegen der Unterstützung, die er seinem Schwager im Kriege gegen Frankreich zu Theil werden ließ.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Diese Aussagen sind nicht korrekt: Margareta starb unverheiratet, Wilhelm II. (nicht sein Bruder Gerhard) war mit Reinalds Tochter Maria verheiratet, Pfalzgraf Rudolf war nicht mit einer von Reinalds Töchtern verheiratet.
  2. Reinald III. und Eduard