ADB:Ritz, Raphael

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Artikel „Ritz, Raphael“ von Gerold Meyer von Knonau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 53 (1907), S. 407, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ritz,_Raphael&oldid=- (Version vom 17. Oktober 2019, 20:53 Uhr UTC)
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Ritz: Raphael R., Maler, geboren zu Brieg im Wallis am 17. Januar 1829, † am 11. April 1894 in Sitten. Dem aus Niederwald, im Zehnten Goms, dem obersten Theile des Wallis, stammenden Zeichnungslehrer am Collegium zu Brieg, als zweiter Sohn geboren, verlebte R. in dem bescheidenen Zuschnitte des harmonischen Familienkreises eine glückliche Jugend und empfing vom Vater den ersten Unterricht im Zeichnen. Zu Sitten, wohin die Familie übersiedelte, wurde die Schulbildung abgeschlossen. Ein ernsthaftes Studium als Künstler begann in Düsseldorf, wo R. 1856 das Glück hatte, daß sein im Atelier des Professors Jordan gemaltes Bild: „Toilette am Sonntagmorgen“ vom Düsseldorfer Künstlerverein angekauft wurde. 1860 trat er aus dem Atelier aus, bethätigte sich selbständig, einige Zeit in der Heimath, seit 1865 nochmals in Düsseldorf, bis er dann definitiv sich in Sitten festsetzte, wo er sich auch 1873 mit einer Württembergerin, die er bei ihrem Aufenthalt im Wallis kennen gelernt, vermählte. R. schuf von da an in seiner Heimath eine lange Reihe von Gemälden, die seine Begabung für das Genre und für die Landschaft in gleicher Weise darlegen. Ihr eigenthümlich hoher Werth liegt in der warmen Erfassung des originell Heimathlichen des geliebten Geburtslandes. Ganz besonders war es das Dorf Savièse bei Sitten, wo er mit Vorliebe seine künstlerischen Anregungen suchte und fand. Bilder, wie seine „Predigt am Capellenfest der Einsiedelei Notre Dame de Longeborgne“ oder die „Sonntagsfeier am Sanetschpaß“ oder die „Ingenieure im Hochgebirge“ sind so eigenartig wahr und anziehend, daß eben nur R. sie geschaffen haben konnte. So gewann er Geltung und hohe Achtung in der engeren und weiteren Heimath und weit über ihre Grenzen hinaus. Als ein eifriger Besucher der Gebirgswelt, zunächst für seine künstlerische Arbeit, war er ein wohlgeübter Bergsteiger und als solcher ein Mitglied des schweizerischen Alpenclubs, in dessen Jahrbuch er selbst Abhandlungen gab. Wie er als Maler Architektur studirte und vortrefflich wiedergab, wurde er das competenteste Mitglied der kantonalen archäologischen Commission und ebenso in die schweizerische Commission für Erhaltung vaterländischer Kunstdenkmäler gewählt. Mit Vorliebe beschäftigte er sich auch mit Botanik und Mineralogie. Unscheinbar in seinem Aeußeren, bescheiden im Auftreten, fast furchtsam, war R. in seinem Denken und Fühlen, seinem Streben und Schaffen eine Persönlichkeit, die bei einer tieferen Erfassung seines Wesens, wie sie seinem Biographen gelang, von wirksamster Kraft sich darstellte.

Vgl. L. L. v. Roten, Das Leben des Raphael Ritz von Niederwald (Neujahrsblatt der zürcherischen Künstlergesellschaft auf das Jahr 1896).