ADB:Rothenburg, Friedrich Rudolf Graf

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Artikel „Rothenburg, Friedrich Rudolf Graf“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 358–359, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rothenburg,_Friedrich_Rudolf_Graf&oldid=- (Version vom 27. Juni 2019, 00:40 Uhr UTC)
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Rothenburg: Friedrich Rudolf Graf R. (im amtlichen Verkehr seiner Zeit meist „Rottenbourg“ geschrieben), preußischer Generallieutenant, aus altem, reichbegütertem Geschlechte, am 5. September 1710 zu Polnisch-Nettkau bei Crossen an der Oder geboren, bezog, durch Hofmeister vorgebildet, sehr jung die Universität zu Frankfurt an der Oder, vollendete seine Erziehung zu Lüneville und trat durch Vermittelung eines im Dienste König Ludwig’s XV. von Frankreich stehenden Verwandten, des Generals Konrad Alexander v. Rothenburg, als Hauptmann des Infanterieregiments Rosen 1727 in französische Dienste. Diesen Verwandten begleitete er bei einer diplomatischen Sendung nach Spanien und nahm bei dieser Gelegenheit 1732 als Freiwilliger an einem Kriegszuge gegen die Ungläubigen in Afrika, und namentlich an einem Treffen bei Oran Theil, dessen Folge die Einnahme der Stadt durch die Spanier war. Nach Frankreich zurückgekehrt, ward er, um seine Laufbahn zu fördern, 1733 katholisch, machte als Generaladjutant des Herzogs von Berwick und, nachdem dieser gefallen war, des Marschalls Asfeld, die Feldzüge des polnischen Thronfolgekrieges am Rhein in den Jahren 1734 und 1735 mit, beerbte den obengenanten Verwandten und verheirathete sich mit einer Tochter des Generals Marquis de Parabère, kehrte aber, von Friedrich II., bald nach dessen Thronbesteigung, gerufen, in die Heimath zurück, und zog 1741 als Oberst, welchen Grad er auch in Frankreich bekleidet hatte, in den ersten schlesischen Krieg. Beim Anmarsch zur Schlacht bei Mollwitz am 10. April jenes Jahres führte er die Vorhut, aus 6 Schwadronen Dragoner und 3 Schwadronen Husaren bestehend. Sein geschicktes Benehmen, welches die Oesterreicher hinhielt, so daß der König Zeit gewann, seine Truppen zum Angriff zu ordnen, gab diesem eine gute Meinung von Rothenburgs Brauchbarkeit; zum Dank verlieh er ihm das aus der Hälfte der Schulenburgischen Dragoner neugebildete Dragonerregiment Nr. 3, am 31. Oct. ernannte er ihn zum Generalmajor. Bald gehörte der weltgewandte, feingebildete, sprachkundige R. zu Friedrich’s näherem Umgange, zu seinen Freunden. Als der König sich im Januar 1742 an den sächsischen Hof begab, sandte er ihn nach Dresden, wo er selbst am 19. Januar ankam, voraus und nahm ihn dann mit nach Mähren, wo er bei Olmütz seine Armee besuchte. Als der Krieg von neuem entbrannte, gebrauchte er ihn wieder als Soldaten. In der Schlacht bei Chotusitz am 17. Mai 1742 befehligte R. eine Brigade, aus seinen eigenen und Bayreuth-Dragonern gebildet; er war damit dem rechten Flügel des zweiten Treffens zugetheilt. Als des Reitergenerals Buddenbrock Erfolge gegen das feindliche erste Treffen durch das Nahen des zweiten österreichischen in Frage gestellt wurden, ging R. letzterem entgegen und warf es nach tapferem Widerstande; das Erscheinen neuer Gegner in seiner Flanke und in seinem Rücken machte freilich dem Vorgehen der Seinen ein Ende und setzte deren fernerer Theilnahme am Kampfe ein Ziel, aber die Schlacht ward gewonnen und seine Dragoner „hatten den großen Schimpf und Affront von Baumgarten und Mollwitz“, wo sie im Jahre zuvor des Königs großes Mißfallen auf sich gezogen hatten, getilgt. Rothenburg’s [359] persönlicher Thätigkeit im Sattel hatten für einige Zeit schwere Wunden, welche er erhalten hatte, Hindernisse bereitet. Der Lohn seiner Thaten war die Verleihung des Schwarzen Adlerordens, eine für einen Generalmajor ganz ungewöhnliche Auszeichnung. Seine Wunden machten dem Könige ernstliche Sorge, sie waren diesem aber auch Veranlassung, ihn zu Anfang des Jahres 1744 an den Hof von Versailles zu senden, als es galt, sich Frankreichs für den drohenden Kampf mit Preußens zu neuem thatkräftigem Vorgehen sich vereinigenden Feinden zu versichern und das französische Cabinet zu wirksamer Hülfeleistung im Felde zu bestimmen. König Friedrich traute seinem ordentlichen Gesandten, dem Marquis de Chambrier, einem alten Herrn, nicht zu, daß er das Werk zu Stande bringen würde; er beschloß mit dem Auftrage einen besonderen Bevollmächtigten zu betrauen. Seine Wahl fiel auf R. Am 20. Februar empfing dieser das Reisegeld, um nach Paris zu gehen, wo seine Gemahlin sich aufhielt; sein Eifer und seine Gewandtheit, verbunden mit einflußreichen Verbindungen, welche er in maßgebenden Kreisen hatte, bewirkten, daß seine Sendung über Erwarten gelang; am 4. Juni schloß er mit dem Herzoge von Richelieu das Bündniß ab, dessen Frucht der zweite schlesische Krieg war. Der König gestand, daß seine Hoffnungen übertroffen worden seien. Als der Krieg ausbrach, zog R. mit in das Böhmerland; als dieses Ende 1744 geräumt werden mußte, erhielt er den Auftrag, den Abzug der Garnison von Prag zu decken; General v. Einsiedel, welcher dieselbe befehligte, verlor den Kopf; daß der Auftrag trotzdem glücklich ausgeführt wurde, war wesentlich Rothenburg’s Verdienst. Dann ging er zum Könige nach Berlin und später mit diesem nach Breslau; am 18. März 1745 wurde er mit einem Patent vom 20. Juni 1745 zum Generallieutenant befördert. Am 4. Juni focht er bei Hohenfriedberg, wo er 25 Schwadronen auf dem rechten Flügel befehligte; an der Schlacht bei Soor am 30. September konnte er, heftig erkrankt, einen thätigen Antheil nicht nehmen; er ließ sich in einer Sänfte hinaustragen; die Stützen derselben wurden zerschossen; er mußte ein Pferd besteigen und blieb auf dem Kampfplatze bis der Sieg entschieden war. Hergestellt folgte er mit Winterfeld dem Herzog Karl von Lothringen nach Böhmen; nach der Schlacht von Kesselsdorf berief der König ihn zu sich nach Dresden, nahm ihn dann mit nach Berlin und im Sommer 1746 nach Pyrmont. Aber so hoch er in des Königs Gunst stand, welcher französische Verse an ihn richtete und vielfach an dem Krankenlager saß, auf welches Rothenburg’s wenig feste Gesundheit (Koliken und Gicht) diesen häufig warf, so geringer Beliebtheit erfreute dieser sich sonst. Der englische Gesandte Lawrence schreibt am 26. Januar 1745: „Graf R. wird hier von allen tödtlich gehaßt; man zeiht ihn der Ränke und der Verläumdung und der Verkleinerung Anderer“. Auch der König ließ ihm bei aller Freundschaft und Zuneigung nichts hingehen; so wies er einen Versuch Rothenburg’s, seinem Adjutanten auf Kosten Anderer zu einer Beförderung zu verhelfen, sowie Rothenburg’s nicht gerechtfertigte Verwendung für die katholische Gemeinde in Berlin, mit Entschiedenheit zurück. Sein Tod berührte den König tief und schmerzlich; als derselbe am 29. December 1751 zu Berlin eingetreten war, lebte Friedrich mehrere Tage ganz abgeschlossen; „er hatte einen zweiten Cäsarion verloren“. R. starb kinderlos: er ward in der Hedwigskirche, deren Bau er eifrigst gefördert hatte, begraben; sein Name findet sich unter denen der Paladine des Königs auf dem Denkmale unter den Linden in Berlin.

Dr. C. F. Pauli, Leben großer Helden des gegenwärtigen Krieges, 4. Th., Halle 1759. – Dr. J. D. E. Preuß, Friedrich der Große und seine Freunde, Berlin 1838. – J. G. Droysen, Geschichte der preußischen Politik, 5. Th., 1. Bd., Leipzig 1874. – C. v. Hagen, Geschichte des Neumärkischen Dragoner-Regiments Nr. 3, Berlin 1885.