ADB:Scheither, Georg Heinrich Albrecht von

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Artikel „Scheither, Albrecht von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 729–731, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Scheither,_Georg_Heinrich_Albrecht_von&oldid=- (Version vom 29. Mai 2022, 04:53 Uhr UTC)
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Scheither: Georg Heinrich Albrecht v. S., kurfürstlich braunschweigisch-lüneburgischer Generalmajor, wurde am 18. December 1731 geboren. 1745 nahm ihn sein Vater, welcher damals Major im Infanterieregiment v. Maydell war, als Gefreiten-Corporal mit sich in den Feldzug am Rhein. Hier wurde er Fähnrich bei der Grenadier-Escadron zu Pferde, ging aber, als diese in das Land zurückkehrte, mit seinem Vater nach den Niederlanden und nahm hier weiter am Kriege theil, 1748 kehrte er heim. 1754 zum Lieutenant bei den Grenadieren zu Pferde befördert, befand er sich auf einer größeren Reise nach dem Süden, als der siebenjährige Krieg ihn in die Heimath zurückberief. Er kam zunächst als Adjutant zum Stabe des Oberbefehlshabers der verbündeten Truppen auf dem nordwestlichen Kriegsschauplatze, des Herzogs von Cumberland, [730] und hatte das Glück, auf einer weitausgehenden Streife in Tecklenburg mit 16 Reitern die ersten Gefangenen im Feldzuge, 1 Officier und 24 Mann, zu machen, dann wurde er mit Mannschaften aller Cavallerieregimenter zur Beobachtung nach dem Solling gesandt, von wo er mit einigen hundert Büchsenschützen zu der nach der Schlacht bei Hastenbeck im Bremenschen stehenden Armee stieß. S. war damals Capitän. Als Herzog Ferdinand von Braunschweig am 23. November 1757 das Commando übernahm, ernannte ihn dieser ebenfalls zu seinem Adjutanten, gestattete ihm aber gleich darauf, ein Corps leichter Truppen für die Unternehmungen des kleinen Krieges zu werben. Es war dies das nach ihm benannte „Scheither-Corps“, welches sich neben den Luckner’schen Husaren und dem Jägercorps des Generals v. Freytag einen bei Freund und Feind hochgeachteten Namen gemacht hat. Dasselbe bestand zuerst aus einer Schwadron, einer Jäger- und einer Grenadiercompagnie und zählte 421 Köpfe, 1759 wurde es auf 620 Mann vermehrt, welche in vier Compagnien zu Pferde und eine Grenadier– und Jägercompagnie gegliedert waren, 1762 war es 900 Köpfe stark und bestand aus vier Compagnien zu Pferde, zwei Grenadiercompagnien und einem Trupp gelernter Jäger. Am 14. Mai 1758 traf S. mit seinem Corps in der Stärke von 360 Mann in Münster ein, Herzog Ferdinand war im Begriff den Rhein zu überschreiten. S. erhielt den Auftrag, durch einen Scheinangriff die Aufmerksamkeit des Feindes von dem wirklichen Uebergangspunkte abzuziehen und löste die ihm gestellte Aufgabe geschickt und glücklich, indem er in der Nacht zum 30. Mai bei Ruhrort überging, das am jenseitigen Ufer liegende Dorf Homberg nahm, vier Kanonen erbeutete, 94 Gefangene machte etc.; einen anderen glücklichen Streich führte er am 6. September 1758 aus, indem er mit der Cavallerie seines Corps zwischen Drosten und Wesel durch die Lippe schwamm, einen feindlichen Transport wegnahm und Couriere aufhob, welche Träger wichtiger Papiere waren. In den letzten Tagen des Jahres 1759 machte er von Dülmen in Westfalen aus einen kühnen Zug über den Rhein tief in das vom Feinde besetzte Gebiet, von dem er, ohne selbst Verluste zu leiden, ebenfalls reiche Beute zurückbrachte. Am 25. Januar 1760 wurde er zum Major befördert. Das Glück, welches S. bei den genannten und vielen anderen Gelegenheiten begünstigt hatte, verließ ihn am 22. August 1760, wo er in einem Vorhutgefechte gegen überlegene Kräfte in der Nähe von Zierenberg im Hessischen verwundet in Gefangenschaft gerieth. Er muß aber bald ausgewechselt sein, denn schon am 18. Februar 1761 nahm er das Schloß Battenberg mit stürmender Hand. Nach Friedensschluß wurde sein Corps aufgelöst und er selbst dadurch, im kräftigsten Mannesalter stehend, zu langjähriger Unthätigkeit verdammt. Ein durch seinen Schwager, den preußischen Minister v. d. Horst, vermitteltes Anerbieten preußischen Dienstes, in welchem er ein Husarenregiment erhalten sollte, lehnte er ab. 1775 übernahm er für England 4000 Mann zu werben, welche in Nordamerika fechten sollten; da er Ende des Jahres erst 150 beisammen hatte, zerschlug sich die Sache (8. Beiheft zum Militär-Wochenblatt, Berlin 1884, S. 341). In der Erwartung wieder verwendet zu werden beschäftigte er sich wissenschaftlich; 1780 erschienen von ihm in Frankfurt a. M. ohne Nennung seines Namens „Fragmente und militärische Betrachtungen über die Einrichtung des Kriegswesens in mittleren Staaten“, auch soll er viel handschriftliches Material zu einer hannoverschen Truppengeschichte gesammelt haben. Seit 1777 Oberst, ward er im November 1787 endlich zum Commandeur des 4. Cavallerieregiments ernannt, starb aber nach längerer Krankheit schon am 25. Juli 1789 in seiner Garnison Harburg. Der im siebenjährigen Kriege mehrfach genannte General Johann Heinrich v. S. war sein Vater, derselbe starb als Generallieutenaut und Chef des 1. Infanterieregiments am 3. Juli 1781 zu Münden. – Eine auf einer Mittheilung [731] Scheither’s an einen Dritten beruhende Erzählung (vgl. „Neues vaterländisches Archiv“, Hannover 1829, 2. Bd. S. 96), daß er, als Herzog Ferdinand sich im November 1757 auf der Reise zum Heere befand, ihn durch rechtzeitige Warnung vor Gefangennahme durch die ihm auflauernden Franzosen gerettet habe, findet sich weder in den übrigen hier angeführten Quellen noch in Berichten von Zeitgenossen über jene Reise. Uebrigens pflegte der Herzog den Meldungen und Berichten Scheither’s unbedingten Glauben nicht zu schenken.

Annalen der braunschweig-lüneburgischen Kurlande, 4. Jahrgang, 1. Stück, Hannover 1790. – Neue militärische Zeitung, Marburg 1789, 32. Stück. – L. v. Sichart, Gesch. d. königl. hannoverschen Armee, 3. Bd., Hannover 1870.