ADB:Schorus, Antonius van

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Artikel „Schorus, Antonius van“ von Johannes Bolte in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 387–388, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schorus,_Antonius_van&oldid=- (Version vom 8. Dezember 2019, 00:16 Uhr UTC)
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Schorus: Antonius S. oder van Schore, Philolog des 16. Jahrhunderts. Um 1525 zu Hoogstraten geboren, wurde er auf der Straßburger Akademie ein eifriger Schüler des Joh. Sturm. Seinem Vorbilde folgend warf er sich auch in Heidelberg, wo er sich am 16. October 1546 immatriculiren ließ, besonders auf das Studium des ciceronianischen Stiles und verfaßte mehrere Hülfsbücher für den lateinischen Unterricht, die viele Auflagen erlebten: 1) „Ratio discendae docendaeque linguae latinae“. Argentorati 1549. 1557. 1561. 1571. 1596 u. ö. Einzelnen Briefen Cicero’s sind lateinische und deutsche Erläuterungen, sowie daraus entnommene Uebersetzungsaufgaben (Extemporalien) angehängt; 2) „Dialogus de ratione populariter tractandarum quaestionum“. Eine lateinische Rhetorik, meist mit Nr. 3 vereinigt; 3) „Phrases linguae latinae“. Basil. 1550. Col. 1548. 1573. 1578 u. ö.; 4) „Thesaurus Ciceronianus linguae latinae cum praefat. J. Sturmii“. Argent. 1580. 1586, zuerst anonym als „Apparatus verborum linguae lat. Ciceronianus“. Arg. 1551 erschienen. Eine fleißige Arbeit, die neben dem älteren Lexicon Ciceronianum des Italieners Nizolius ihre Selbständigkeit behauptet. – Verhängnißvoll wurde für den sattelfesten Grammaticus ein dichterischer Versuch, den er als Lehrer am Heidelberger Gymnasium am Dreikönigstage 1550 mit seinen Zöglingen darstellte. In dieser prosaischen dramatischen Satire auf alle Stände, die sich in einer bisher nicht beachteten Wiener Handschrift (Cod. 8983) erhalten hat, führte er Eusebia (oder Religio) vor, welche in ärmlichem Gewande auf Erden vergeblich Herberge sucht: die Mönche im Kloster wollen nur von hübschen Weibern wissen, der Bischof meint, sie stifte in der Kirche nur Unruhe, die Fürsten sitzen beim Gelage und [388] verlangen nicht nach himmlischem Glück, die Gelehrten weisen sie hart ab, ebenso die Kaufleute, die Handwerker und auch die Weiber. Matt zieht Eusebia in die Wüste zu den Elenden und Verlassenen zurück, nachdem sie jenen Gottes Strafe verheißen. Die Armen aber (Christophorus, Philostaurus und Alethes) preisen sich im 6. Acte glücklich, ihre Mutter wieder bei sich zu haben. Die unverhohlene protestantische Tendenz dieses Stückes erregte Aufsehen, Karl V. machte in Worms dem pfälzischen Kurfürsten Vorwürfe, und S. flüchtete sich nach der Schweiz. Er starb 1552 in Lausanne.

A. van der Aa, Bibliographisch Woordenboek der Nederlanden XVII, 422. – Pökel, Philolog. Schriftstellerlexikon 1882, S. 249. – Töpke, Die Matrikel der Univ. Heidelberg I, 595. – Hub. Thomas Leodius, Annales Friderici II. elect. Palatini, 1624, p. 268 b.