ADB:Segner, Johann Andreas von

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Artikel „Segner, Johann Andreas von“ von Karl Ernst Hermann Krause in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 609–610, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Segner,_Johann_Andreas_von&oldid=- (Version vom 20. August 2019, 03:29 Uhr UTC)
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Segner: Johann Andreas v. S., geb. am 9. October 1704 in Preßburg, studirte zuerst an ungarischen Hochschulen und dann in den Jahren 1725 bis 1730 in Jena, woselbst er im letztgenannten Jahre die medicinische Doctorwürde erlangte. S. wirkte hierauf nur kurze Zeit als praktischer Arzt in Preßburg und als Stadtphysicus in Debrezin. Da ihm aber die Studentenzeit in Jena besondre Neigung für die Mathematik und Naturwissenschaften eingeflößt hatte, (in Jena hatte er bereits 1725 eine Dissertation über die Harriotti’sche Regel herausgegeben) so legte er seine Stelle in Debrezin nieder und kehrte 1732 nach Jena zurück, um sich dort den Magistergrad zu erwerben und Vorlesungen zu halten. 1733 erhielt er eine außerordentliche Professur in der philosophischen Facultät. 1735 folgte er einem Rufe an die neugestiftete Universität in Göttingen als Professor der Naturlehre und Mathematik. Zugleich wurde er auch Mitglied der medicinischen Facultät und hielt medicinische Vorlesungen. In Göttingen verblieb S. zwanzig Jahre, bis er mit dem Charakter als Geheimrath und mit dem preußischen Adelsdiplom als Professor der Naturlehre und Mathematik nach Halle berufen wurde. In dieser Stellung verblieb S. bis zu seinem am 5. October 1777 erfolgenden Ableben.

S. war als Schriftsteller sehr fruchtbar und zwar auf den beiden Gebieten, in denen er als Lehrer thätig war. Die medicinischen Schriften, die überhaupt die weniger bedeutenden waren, hören um die Zeit der Berufung nach Halle auf. Dagegen sind von ihm mathematische, astronomische und physikalische Abhandlungen und umfassendere Werke bis zu seinem Tode herausgegeben worden. Ohne grade als selbstständiger Forscher hervorragendes geleistet zu haben, erwarb [610] sich doch S. durch seine Arbeiten ein geachtetes Ansehen. So ist seine Einleitung in die Naturlehre, welche zu Göttingen in drei Auflagen, von 1746 bis 1770, erschien, als ein für die damalige Zeit sehr gutes Handbuch der Physik zu bezeichnen, und für die Ausbreitung der Wissenschaft förderlich gewesen. Seine bedeutendsten eigenen Arbeiten liegen auf dem Gebiete der Hydraulik, sie sind in einer großen Zahl von Programmen, die in Göttingen und in Halle veröffentlicht wurden, enthalten. Am bekanntesten ist das Programm geworden, in welchem er das von ihm erfundene und nach ihm benannte Wasserrad, welches kaum in irgend einer Sammlung physikalischer Apparate fehlen dürfte, beschreibt. In seinen hydraulischen Untersuchungen schloß er sich an Daniel Bernoulli an, welcher zuerst die Theorie auf das Princip der Erhaltung der lebendigen Kraft gründete. Das Segner’sche Wasserrad war eine Anwendung der von Johann Bernoulli aufgestellten Theorie von der Reaction ausfließender Flüssigkeiten. Der unscheinbare Apparat ist dadurch bemerkenswerth, weil sich aus ihm die wichtigste hydraulische Kraftmaschine, die Turbine, entwickelt hat. Die zahlreichen sonstigen physikalischen Arbeiten Segner’s haben jetzt nur noch ein historisches Interesse. Zu erwähnen ist vielleicht noch, daß S. wohl der Erste gewesen ist, welcher die Dauer des Lichteindruckes im Auge ziffermäßig zu bestimmen suchte; er bestimmt sie auf 30 Tertien oder eine halbe Secunde. Ferner hat S. die von Thomas Young ausgesprochene Ansicht, daß die Größe der Tropfenbildung mit der Größe der Capillaranziehung zusammenhänge, experimentell für Wasser und Weingeist geprüft und bestätigt gefunden.

Ein vollständiges Verzeichniß von S.’s Schriften findet sich bei Meusel, XIII, 44 ff.