ADB:Siebel, Carl

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Artikel „Siebel, Karl“ von Rochus von Liliencron in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 166–167, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Siebel,_Carl&oldid=- (Version vom 21. August 2019, 01:13 Uhr UTC)
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Siebel: Karl S., Dichter, als Sohn eines Kaufherrn in Barmen am 13. Januar 1836 geboren, † am 9. Mai 1868. Schon auf der Barmer Stadtschule schloß er enge Freundschaft mit Emil Rittershaus und mit beiden schloß Hugo Oelbermann den „Wupperbund“ zu jugendlich poetischem Treiben. Der ältere Litteraturkreis des Wupperthals, welcher sich hauptsächlich um Fr. Roeber zusammenschloß, ward bald auf diese jungen Männer aufmerksam, welche schon [167] damals mit Gedichten auch an die Oeffentlichkeit traten. In den 50er Jahren gehörte S. auch als thätiges und geschätztes Mitglied dem „Sonntagskränzchen“ des Roeber’schen Hauses an, wie er sich gleichfalls unter den Dichtern des „Albums aus dem Wupperthale“ findet, welches Rich. Seel 1854 herausgab. Auch mit den litterarischen Kreisen von Elberfeld und Düsseldorf hielt man lebendige geistige Gemeinschaft. 1850 trat S., nachdem er inzwischen die hohe Schule in Rheydt besucht hatte, in das Geschäft seines Vaters ein, obgleich er wenig Neigung für den Kaufmannsstand empfand. Auch ein Aufenthalt in England von 1856–60 söhnte ihn mit seinem Beruf keineswegs aus. Seine Dichtungen bildeten dagegen während dieser ganzen Zeit sein vornehmstes Interesse. Nach Barmen zurückgekehrt, verheirathete er sich dort mit Reinhilde v. Hurter aus Elberfeld und sah sich dadurch doppelt genöthigt wieder in das väterliche Geschäft einzutreten.

1854 hatte er unter dem Pseudonym Emil Thilva das epische Gedicht Tannhäuser herausgegeben, welches von der Kritik recht freundlich aufgenommen ward und 1858 in zweiter Auflage vermehrt um die Dichtung „Ein Sohn der Zeit“ gedruckt ward. Größeren Anklang noch fand ein erster Band „Gedichte“, welcher 1856 vor seiner Abreise nach England erschien und in kurzer Zeit drei Auflagen erlebte. Weniger glücklich fiel die epische Erzählung „Jesus von Nazareth“ (1856) aus. Verfehlter noch ist der Roman „Religion und Liebe“ (1860). Mit Freude aber begrüßte man den mit Recht geschätzten Lyriker wieder in den „Arabesken“ (1861) und besonders in der „Lyrik“ (1866), obwohl sich in dieser letzten Sammlung zum Theil sehr schöner Gedichte, ein trüber Zug von Müdigkeit und Ermattung kundgibt. Es war nicht allein der Zwiespalt seines Lebensganges, der ihn niederdrückte: ein verhängnißvolles Brustleiden hatte ihn gepackt. Auch ein zweimaliger Aufenthalt auf Madeira 1866 und 1867 brachte keine Rettung mehr; bald nach der Heimkehr im J. 1868 erlag er. – Die Wupperthaler bezeichnen ihn nicht mit Unrecht als ihren Romantiker. Es paart sich in seinen Dichtungen Gedankentiefe mit glühender, in den Jugenddichtungen manchmal überschwenglicher Empfindung; dennoch weiß er daneben auch schlichten Volkston oft in glücklicher Weise zu treffen. Seine Lieder sind sehr musikalisch, deswegen auch viel in Musik gesetzt worden, u. a. von Karl Reinecke, der damals als Musikdirector in Barmen lebte und zu den Freunden des Roeber’schen Hauses gehörte. Zu Siebel’s anmuthigsten Dichtungen zählen im ersten Band der Gedichte die „Bilder aus dem Leben“.

Herzog, Die neuere Litteratur im Wupperthal. 1888. S. 35 ff.