ADB:Standonck, Johann

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Artikel „Standonck, Johann“ von Jacob Cornelis van Slee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 330–331, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Standonck,_Johann&oldid=- (Version vom 14. Dezember 2019, 21:59 Uhr UTC)
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Standonck *): Johann St., bedeutender Pädagog im 15. Jahrhundert, ein Schneiderssohn aus Mecheln, der in seiner Jugend einen schweren Kampf wider Armuth und Noth zu führen hatte, während er mit unerschütterlicher Beharrlichkeit nach Kenntnissen und Wissenschaft strebte. Er zog nach den Niederlanden, wo er zu Gouda an der Fraterschule gratis Unterricht erhielt, und setzte nachher im Fraterhause zu Cammerich seine Studien fort. Von dort aus kam er nach Paris und fand in der Abtei von St. Genoveva eine freundliche Aufnahme, indem er die ihm von den Mönchen erwiesene Gastfreiheit durch mancherlei häusliche Dienstleistungen vergalt. Es heißt, daß er manchmal bei Mondschein mit seinen Büchern in den Glockenthurm hinaufstieg, wenn ihm zum Lesen die Kerze fehlte. Mit großer Anstrengung studirte er an der Pariser Universität, erhielt nach mehreren Jahren dort eine Professorstelle und wurde sogar 1485 zum Rector dieser Hochschule ernannt. Als solcher trat er auch an die Spitze des Collegiums Montaigu, welches im 14. Jahrhundert von einem Erzbischof von Rouen gestiftet, aber ganz verfallen war. Dieses Collegium wußte er wieder herzustellen, indem er zwölf Bursen für bedürftige Studenten damit verband, und eine außerordentlich strenge Disciplin einführte. Es ward sprüchwörtlich, daß es im Collegium Montaigu „schwere Arbeit, vielfältiges Fasten, magere Kost und strenge Zucht“ gab, und es hieß von dieser Stiftung: „Mons acutus, ingenium acutum, dentes acuti.“ Erasmus, welcher einige Zeit in diesem Collegium verweilte, geißelte auf derbe Weise diese fast unmenschliche Härte, durch die seine Gesundheit fortdauernd zu leiden hatte. Aus dieser Stiftung und ihrem Geiste der Strenge ging später Ignatius Loyola hervor. Als St. um 1493 den französischen König Ludwig XII., welcher seine Gattin Johanna verstoßen, und Anna, Herzogin von Bretagne geheirathet hatte, deswegen heftig tadelte, wurde er mit Ausweisung bestraft und kehrte nach seinem Vaterlande zurück. Dort visitirte er die Schuleinrichtungen zu Cammerich, Mecheln, Löwen und Gent, führte überall eine Reform, nach [331] dem Muster des Collegiums Montaigu ein, und entbot für den Unterricht einige Männer aus der Fraterschule zu Deventer. In allen diesen Städten, sowie auch zu Paris, als er dorthin zurückgekehrt war, stiftete er Collegia Standonckiana für unvermögende Schüler. St. starb als Rector der Pariser Universität am 7. Februar 1504.

Bulaeus, Hist. univers. Parisiens. V, p. 900. – Delprat, Broedersch. van G. Groote bl. 125. 180. – Acquoy, Kloster von Windesheim II, bl. 356, Nr. 1 und besonders Altmeyer, les précurseurs de la Reforme aux Pays-Bas I, p. 146–148.

[330] *) Zu Bd. XXXV, S. 439.