ADB:Stern, Salomon

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Artikel „Stern, Salomon G.“ von Adolf Brüll in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 108–109, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stern,_Salomon&oldid=- (Version vom 22. Juli 2019, 06:01 Uhr UTC)
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Stern: Salomon G. St., geboren in Rechnitz, † in Wien am 20. Februar 1883. Seinen Namen arabisirend, nannte er sich hebräisch Ibn Kochab tob. Angeregt durch Rappoport und Zunz, die Begründer der modernen jüdischen Wissenschaft, wandte er sich mit Fleiß, Eifer und Verständniß der Erforschung der poetischen und wissenschaftlichen Litteratur des Mittelalters zu, die bis dahin [109] durch die einseitige Pflege des Talmud gänzlich in den Hintergrund gedrängt war. Gleich Leopold Duckés hat er Bibliotheken nach handschriftlichen Werken der spanisch-arabischen und anderer jüdischer Autoren des Mittelalters durchsucht, die Aufmerksamkeit der Forscher auf dieselben gelenkt und manch köstlichen Fund zu Tage gefördert. St. besaß eine ausgebreitete Kenntniß des von ihm bearbeiteten Litteraturgebietes und war viel auf litterarischen Reisen begriffen, bis er zuletzt in Wien seßhaft wurde, um an den hebräischen Buchdruckereien von Schmidt und della Torre als Corrector zu wirken. Er war ein stiller, bescheidener Mann, der der Aufklärung geneigt war, aber nicht den Muth hatte, gegen ihre Feinde aufzutreten. Er stand in regem wissenschaftlichen Briefwechsel mit Rappoport, Zunz, Luzatto u. A. Die israelitische Cultusgemeinde in Wien setzte dem armen Gelehrten, der sich und die Seinen nur kümmerlich ernährte, ein Jahresstipendium von 300 fl. ö. W. aus. St. edirte im J. 1833 in Prag: Abr. Ibn Esra’s „Jesod Mora“ (Principien des Judenthums) mit einem hebräischen Commentar, genannt „Liwjath Chen“. 1844 erschien von ihm in Preßburg: Sal. Ibn Parchon’s Grammatik nach einer hebräischen Handschrift. 1854 hat er den Commentar von Menachem ben Salomo aus Perpignan mit dem Beinamen Meïri zu den „Pirke Aboth“ (Sprüche der Väter) herausgegeben, in welchem die bekannte, äußerst wichtige, geschichtliche Einleitung, bis zum Jahre 1300 reichend, enthalten ist. Als Grundlage diente St. bei dieser Edition, der ein biographisch-litterarisches Vorwort beigegeben ist, die Ausgabe Salonichi 1821 von Chaj. Falagi. Seine Ausgabe des Parchon’schen Lexikons mit einer wissenschaftlichen Einleitung von Rappoport ist von bleibendem Werthe. Eine Abhandlung über das „Scheitel“ im ersten und zweiten Bande von Abr. Geiger’s alter Zeitschrift soll von ihm stammen. (Aus einem Briefe des Herrn Oberrabbiners Dr. M. Güdemann in Wien, der uns ausführliche Mittheilungen über St. zugehen zu lassen so freundlich war.) 1870 erschien von St. in Wien „Liber Responsionum“, gewidmet den Manen seiner am 14. August 1866 in Wien nach langem Leiden verstorbenen Tochter Anna. Im J. 1874 erschien von St. ein Katalog von 111 hebräischen Codices in 119 Bänden, welche die Großherzogin zu Parma, Marie Louise, als Ergänzung der de Rossi’schen Sammlung, angekauft hat.