ADB:Stieglitz, Christian Ludwig

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Artikel „Stieglitz, Christian Ludwig“ von Franz Schnorr von Carolsfeld in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 176–177, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stieglitz,_Christian_Ludwig&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 06:27 Uhr UTC)
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Stieglitz: Christian Ludwig St., Kunstforscher, geboren in Leipzig am 12. December 1756 als Sohn und Enkel zweier gleichnamiger dortiger Rechtsgelehrter, † ebenda am 17. Juli 1836, zeigte schon während der Zeit seiner akademischen Studien, die er 1773 begann und in seiner Vaterstadt betrieb, wie er auf der dortigen Thomasschule auch den vorbereitenden gelehrten Unterricht empfangen hatte, eine bedeutende Vielseitigkeit der Begabung. Er widmete sich der Rechtswissenschaft zwar als seinem Lebensberufe, gab jedoch nicht nur damals, sondern auch in seinen nachfolgenden Lebensjahren einer Neigung für die schönen Wissenschaften in so ausgedehnter Weise nach, daß er sich zu einem gründlichen Kenner der Geschichte und Archäologie der Baukunst ausbildete und als solcher sich durch zahlreiche und umfängliche Werke bethätigte: „Encyklopädie der Baukunst der Alten“ (5 Bde., 1792–1798), „Baukunst der Alten“ (1796), „Archäologie der Baukunst der Griechen und Römer“ (2 Bde., 1801), „Ueber altdeutsche Baukunst“ (1820), „Geschichte der Baukunst vom frühesten Alterthum bis in die neuern Zeiten“ (1827; 2. Aufl. 1836) u. s. w. Eine so umfängliche schriftstellerische Thätigkeit entfaltete er, obschon er 1792 in das Leipziger Rathscollegium gewählt worden war und 1801 zum Stadtrichter, 1804 zum Baumeister, 1823 zum Proconsul ernannt wurde. Der künstlerische Sinn, der bei dieser schriftstellerischen Thätigkeit die treibende Kraft war, äußerte sich auch in dichterischen Versuchen, wie den anonym erschienenen „Erzählungen aus den Ritterzeiten“ (1787) und dem Gedichte „Wartburg“ (1801), von welchem letzteren [177] er in einem ungedruckten Briefe sagt, er sei durch das Große, durch das Interessante der alten Burg so hingezogen worden, daß er dichten mußte; der erste Eindruck habe seiner Phantasie einen solchen Schwung gegeben, daß er sogleich das ganze Gedicht in Gedanken entworfen habe. Neben jenem künstlerischen Sinn kommt aber in seinen kunstgeschichtlichen Arbeiten auch der Ernst wissenschaftlicher Forschung durch eindringende Beschäftigung mit den alten Schriftstellern und besonders dadurch zur Geltung, daß er die Münzen als Quelle kunstgeschichtlicher Belehrung heranzog; und bei dem Fleiße, der ihn sein langes Leben hindurch begleitete, war ihm vergönnt ein seine Studien als Ganzes abschließendes wissenschaftliches Ziel insofern zu erreichen, als er mit Arbeiten über die Baukunst der vorclassischen Jahrhunderte und des classischen Alterthums begann, dann solche über das Mittelalter folgen ließ, beiderlei Arbeiten in einer allgemeinen Geschichte der Baukunst zusammenfaßte und endlich eine Revision seiner eigenen Lehren in dem Werke: „Beiträge zur Geschichte der Ausbildung der Baukunst“ (2 Bde., 1834) gleichsam als Schlußstein hinzufügen konnte. Zur Feier seines fünfzigjährigen Doctorjubiläums gab ein gleichnamiger Sohn des Vaters Dissertation „De causis cur in Germania jus feudale Germanicum neglectum et jus feudale Longobardicum receptum sit“ aufs neue heraus (Lpz. 1834). Seine nachgelassene Bibliothek wurde 1837 in Halle versteigert; der Auctionskatalog umfaßt 499 Octavseiten. Eine von ihm zusammengebrachte Sammlung alter griechischer Münzen findet sich gleichfalls in einem gedruckten Catalogus numorum veterum Graecorum quos ad artis historiam illustrandam colligebat olim et notis suis illustrabat Christ. Ludov. Stieglitz (1837) verzeichnet und sollte nach seinem Tode ebenfalls verkauft werden.

Originalbriefe von Stieglitz an C. A. Böttiger im Besitz der Dresdener Bibliothek. – Karl August Espe, Dr. Christian Ludwig Stieglitz, Leipzig 1836.