ADB:Sydow, Friedrich von

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Artikel „Sydow, Friedrich von“ von Max Mendheim in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 280–281, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sydow,_Friedrich_von&oldid=- (Version vom 6. Dezember 2019, 11:42 Uhr UTC)
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Sydow: Friedrich v. S., Dichter und Schriftsteller, wurde am 23. Mai 1780 in Langensalza als Sohn des damaligen Obersten v. S. und seiner Gemahlin, der jüngsten Tochter des sächsischen Generallieutenants und Kriegspräsidenten v. Zeutzsch, geboren. Als der Vater, ohne Vermögen zu hinterlassen, nach kaum einem Jahre starb, zog sich die Mutter mit ihren Kindern, Friedrich und dessen älterer Schwester, nach dem Städtchen Thum bei Annaberg zurück, wo Friedrich nun durch Privatunterricht herangebildet wurde, bis er an seinem Confirmationstage als dreizehnjähriger Knabe in das kurfürstlich sächsische Infanterieregiment Prinz Maximilian trat. 1798 wurde S., der sich auch beim Regimente durch Selbststudium und Privatstunden weitergebildet und inzwischen in verschiedenen Orten des Erzgebirges garnisonirt hatte, zum Officier ernannt und kam nun nach Dresden. 1806 wurde er einem neugebildeten Grenadierbataillon zuertheilt, mit dem er auch an der Schlacht bei Jena theilnahm, kam dann, als Napoleon den Sachsen im December 1806 Frieden gewährt hatte, als Platzcommandant nach Reichenbach im Voigtlande und wurde im Juli 1808 als Adjutant wieder in sein Grenadierbataillon zurückversetzt, um mit demselben nach Warschau zu gehen, das mit dem neugegründeten Herzogthum Warschau an den König von Sachsen gekommen war. In Glogau, wohin das Bataillon im Februar 1809 verlegt wurde, erhielt S. die Ernennung zum Premierlieutenant des Regimentes Prinz Maximilian, das sich bereits auf dem Marsche befand, um an dem neuen Feldzuge Frankreichs gegen Oesterreich theilzunehmen. Jedoch auf dem Wege nach Wittenberg wurde S. von einem feindlichen Commando überfallen, gefangen genommen und nach Leipzig geführt. Von dort unter der Bedingung, nur nach Auswechslung wieder gegen Oesterreich zu kämpfen, in Freiheit gesetzt, ging er nach Dresden, wo die Bedingung erfüllt und er einem Ersatzbataillone zuertheilt wurde, das jedoch des bald erfolgten Friedensschlusses wegen in Dresden stationirt blieb. Hier vermählte sich S. nun auch mit Wilhelmine v. Criegern (s. unten S. 282), deren Vater ihm allerdings nur unter der Bedingung, die militärische Laufbahn aufzugeben, seine Einwilligung zugesagt hatte. So erbat S. denn im Sommer 1811 von Freiberg aus, wohin er inzwischen als Adjutant versetzt worden war, seine Entlassung, die ihm auch gewährt wurde. Als jedoch 1812 von neuem der Krieg ausbrach, sah er sich genöthigt, mit seiner Civilstellung in Freiberg wenigstens die eines dortigen Etappencommandanten zu verbinden, in der er so außerordentliche Umsicht bewies, daß er, als der Krieg sich auch nach Sachsen zog, zum Delegirten der Provinz ernannt, mit dem Marsch- und Quartierwesen, sowie mit den Spann- und Lieferungsgeschäften betraut [281] wurde. Auch hier zeigte er bei vielen Gelegenheiten große Entschlossenheit und militärische Umsicht. Nach dem Uebertritt der Sachsen zu den Verbündeten meldete sich auch S. wieder zu den Rüstungen gegen Frankreich und wurde mit der Bildung und Einübung eines Landwehrbataillons beauftragt, das im Frühling 1814 als Reservebataillon nach Dresden bestimmt wurde. Nach dem Frieden wurde er als Landwehrchef nach Schneeberg versetzt, faßte jedoch hier den Entschluß, in preußische Dienste überzutreten und wurde nun dem 1. thüringer Landwehrregiment zuertheilt, mit dem er nach Magdeburg kam, dann aber 1816 als Capitän 1. Classe zum 31. Linienregiment nach Erfurt versetzt. Hier war er nun thätig, bis ihm im J. 1828 ein Fußleiden die Nothwendigkeit auferlegte, seinen Abschied zu nehmen, der ihm auch mit Pension und der Ernennung zum Major bewilligt wurde. S. blieb mit seiner Familie zunächst noch zwei Jahre in Erfurt, siedelte aber dann, als die drei ältesten Söhne aus dem elterlichen Hause kamen, mit der Gattin und drei jüngeren Kindern nach Sondershausen über. Hier widmete er nun, neben vielfachen gesellschaftlichen Pflichten und städtischen Aemtern, seine Hauptarbeitskraft der litterarischen Thätigkeit, die er bereits seit seinem ersten Abgange von der militärischen Laufbahn mit Glück und Eifer verfolgt hatte. Er übernahm die Redaction des Sondershausener Unterhaltungsblattes, schrieb Romane und Erzählungen, die zumeist eine einfache, klare Darstellungsgabe verrathen und dabei doch spannend genug gehalten sind, um die Aufmerksamkeit des Lesers bis zum Schlusse wach zu halten, wie: „Alfred von Seltow“ (1811); „Fantasien geschäftsfreier Stunden“ (1813); „Erzählungen und Gemälde“ (1823); „Der berüchtigte Wildschütz des sächsischen Erzgebirges Karl Stülpner“ (1832); „Der Grandmusketier“ (1834) u. a., und wußte sich auch durch Gedichte und Dramen in einfachen, meist glatten Versen Anerkennung zu erringen, wie: „Freimaurerlieder“ (1815); das Drama „Die Fürstenbraut“ (1822), das freilich, wie er auch selbst bekennt, „mehr die poetische Darstellung eines historischen Familiengemäldes, als eine kunstgerechte, in allen ihren Fugen den Forderungen der Bühne entsprechende Leistung“ ist, wozu ihm eine Begebenheit aus dem Geschlechte seiner Mutter den Vorwurf lieferte; ferner die Gedichtsammlung „Poetische Zwischenspiele in der Prosa des Lebens“ (1834); das Trauerspiel „Woldemar oder der Sturm auf Villarosa“ (1834) u. a. Eine große Anzahl seiner späteren Schriften sind den gesellschaftlichen Umgangsformen und der leichten häuslichen Belehrung gewidmet, wie: „Der Mann von Welt“ (1834); „Das Buch der Toaste“ (1843); „Die Jungfrau“ (1836); „Geschenk für Verlobte und Neuvermählte“ (1843) u. a. S. starb an einem Nervenschlage am 10. Decbr. 1845; er hinterließ außer seiner Wittwe 3 Söhne und 2 Töchter. Von seinen Kindern haben sich mehrere später gleichfalls einen Namen gemacht.

Vgl. Asträa. Taschenbuch für Freimaurer, Jahrg. 1846. – Neuer Nekrolog der Deutschen, Jahrg. 1845, daselbst findet sich auch eine Aufzählung seiner Schriften; eine weniger vollständige, aber genauere gibt Goedeke’s Grundriß III, 620.