ADB:Tresckow, Udo von

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Artikel „Tresckow, Udo von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 575–576, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Tresckow,_Udo_von&oldid=- (Version vom 23. Mai 2019, 23:51 Uhr UTC)
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Tresckow: Hans Ludwig Udo v. T., königlich preußischer General der Infanterie, am 7. April 1808 zu Jerichow in der Provinz Sachsen geboren, trat am 26. November 1824 bei der 4. Jägerabtheilung in den Heeresdienst, ward am 15. September 1829 Officier und am 1. August 1856, nachdem er am 14. Juni des nämlichen Jahres Major im 13. Infanterieregimente geworden war, zur Uebernahme des Commandos des Herzoglich Sachsen-Altenburgischen Truppencontingents commandirt. Es war ein Füsilierregiment (2 Bataillone zu 4 Compagnien), der Herzog hatte damals eine Militärconvention mit Preußen abgeschlossen, das Militär sollte auf preußischen Fuß gesetzt werden. Nachdem T. diese Aufgabe gelöst und am 17. März 1863 zum Oberst befördert worden war, kehrte er am 3. Juli 1864 als Commandeur des 5. Westfälischen Infanterieregiments Nr. 53 in den Dienst seines engeren Heimathlandes zurück. Das Regiment befand sich auf dem Schauplatze des Krieges gegen Dänemark, die Feindseligkeiten waren aber beendet und Lorbeeren zu ernten war dem Oberst v. T. erst vergönnt als er die ihm unterstellte Truppe zwei Jahre später gegen Preußens süddeutsche Gegner in das Feld führte. Er nahm in der Brigade Kummer der Division Goeben unter General Vogel v. Falckenstein am Feldzuge der Mainarmee theil, focht am 4. Juli 1866 bei Dermbach, am 10. bei Kissingen, am 14. bei Aschaffenburg und ward dann für die Dauer des mobilen Verhältnisses zum Commandeur der combinirten Gardeinfanteriebrigade beim II. Reservearmeecorps ernannt, welches unter den Befehlen des Großherzogs Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin stand. Mit diesem rückte er nochmals in Baiern ein. Nach Friedensschluß ward er zum General und Commandeur der neugebildeten 33. Infanteriebrigade ernannt, deren Stabsquartier sich in Kiel befand. Bei Ausbruch des Krieges von 1870–1871, dessen Geschichte ihn, solange er Generalmajor war, als Tresckow I., nach seiner am 18. Januar 1871 erfolgten Ernennung zum Generallieutenant als Tresckow II. bezeichnet, trat er an die Spitze der 1. Landwehrdivision, welche zunächst einen Theil des Belagerungscorps vor Straßburg bildete und dann als 1. Reservedivision mit dem Corps Werder auf dem südöstlichen Kriegsschauplatze thätig war. Tresckow’s Name ist mit Allem eng verknüpft, was mit dem Angriffe auf Belfort und mit dem Falle der Festung in Verbindung steht. Am 18. October 1870 war er zum Commandeur des Belagerungscorps ernannt. Es ward ihm bald klar, daß weder eine Einschließung noch eine Beschießung des Ortes zum Ziele führen würde. Die Besatzung und die Einwohnerschaft waren mit Vorräthen so reich versehen, daß sie den Hunger nicht zu fürchten brauchten, und gegen das feindliche Feuer sicherte die Besatzung das Vorhandensein einer genügenden Menge von gedeckten Unterkunftsräumen. Es konnte sich nur um Beobachtung oder um Belagerung handeln. Die oberste Heeresleitung entschied sich für die letztere Wahl. Der Angriff begann mit einer vorbereitenden Beschießung. T. standen für die Lösung seiner Aufgabe anfangs 20 Bataillone, 4 Batterien Feldartillerie und 50 Belagerungsgeschütze nebst [576] Pionieren und einigen Cavallerieschwadronen zur Verfügung, Mitte December betrug die Zahl der Gewehre 150 000, die der Festungsartillericompagnien 26, an Pioniercompagnien waren 6 zur Stelle. Am 2. December hatte der Batteriebau begonnen, alsbald nahm das Bombardement seinen Anfang, am 14. schlug ein Angriff auf das Dorf Danjoutin fehl, in der Nacht zum 9. Januar 1871 führte ein erneuter Versuch, dasselbe zu nehmen, zum Ziele. Während der Schlacht an der Lisaine nahm die Belagerung von Belfort ihren ruhigen Fortgang. Als dort die Entscheidung gefallen war, wurde in der Nacht zum 22. das Fort Pérouse genommen und dann der Bau von Parallelen gegen die Forts Perches begonnen, ein Angriff auf dieselben am 26. ward vom Feinde abgeschlagen, erst am 8. Februar gelang ihre Wegnahme. Als auf den übrigen Theilen des Kriegsschauplatzes die Waffen bereits ruhten, dauerte der Kampf um Belfort fort. Am 13. Februar standen 97 Geschütze bereit, ein vernichtendes Feuer auf den Platz zu eröffnen. Da führten die Verhandlungen, zu denen T. am 12. ermächtigt war, zum Abschlusse einer Capitulation. Schon am 13. trat eine vorläufige Waffenruhe ein und am 16. ward jene von T. und dem Oberst Denfert-Rochereau unterzeichnet. Am 18. zog die Garnison mit allen Kriegsehren, die dem tapferen Gegner gebühren, ab. Die Stadt bot ein Bild der Verwüstung dar. Das Belagerungscorps hatte 88 Officiere und 2049 Mann an Todten und Verwundeten eingebüßt, der Verlust des Feindes, dessen sehr unterschätzte Stärke 372 Officiere, 17 333 Mann betragen hatte, belief sich auf 32 Officiere und 4713 Mann.

General v. T., welcher außer dem Eisernen Kreuze 1. Classe den Orden pour le mérite erhalten hatte, ward am 23. Mai 1871 zum Commandeur der 2. Division in Danzig ernannt, trat am 12. Mai 1875 mit dem Charakter als General der Infanterie in den Ruhestand, zog sich nach Altenburg zurück und starb dort am 19. Januar 1885.

Richter, Geschichte des 5. Westfälischen Infanterieregiments Nr. 53, Berlin 1885. – E. Knorr, Der Feldzug des Jahres 1866 in West- und Süddeutschland, Hamburg 1867–1870. – A. Castenholz, Die Belagerung von Belfort, Berlin 1875–1878.