ADB:Wagner, Friedrich (osterländischer Historiker)

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Artikel „Wagner, Friedrich“ von Paul Mitzschke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 54 (1908), S. 781–782, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wagner,_Friedrich_(osterl%C3%A4ndischer_Historiker)&oldid=- (Version vom 30. März 2020, 23:53 Uhr UTC)
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Wagner: August Friedrich Karl W., osterländischer Geschichtsforscher, geboren am 9. December 1792 in Altenburg, † ebenda am 4. März 1859. Sein Vater, Johann Friedrich August W., wirkte als herzoglich sachsen-altenburgischer Obersteuerrath in Altenburg, und Friedrich W. war das einzige Kind aus dessen erster Ehe mit Chr. Fr. L. Pabst. Nachdem er das Friedrichsgymnasium seiner Geburtsstadt besucht, studirte W. seit 1813 Jura und Cameralia in Heidelberg und Jena und trat darauf bei der herzoglichen Staatsregierung in Altenburg als Beamter der Finanzverwaltung ein, deren Staffeln er bis zum Geheimen Regierungs- und Finanzrath erstieg. Als in Altenburg 1839 die „Geschichts- und Alterthumsforschende Gesellschaft des Osterlandes“ begründet wurde, gehörte W. mit zu den Stiftern und widmete sich von da ab bis zu seinem Lebensende unermüdlich den Bestrebungen dieser Vereinigung. Alle Bände der „Mittheilungen“ der Gesellschaft bis zu seinem Tod enthalten viele Beiträge von ihm. Die Vorstandsämter der Gesellschaft bekleidete er der Reihe nach, bis er im November 1858, wenige Monate vor seinem Tode, die Würde des ersten Vorsitzenden erhielt. Bei Eröffnung seines Testamentes fand sich, daß er seine bedeutende Sammlung von geschichtlichen, statistischen und geographischen Büchern, Schriften, Kupferstichen, Lithographien, Karten u. s. w. der Geschichtsforschenden Gesellschaft vermacht hatte. Die Gesellschaft veranstaltete am 16. März 1859 eine besondere Gedächtnißfeier zu [782] Ehren des Verstorbenen und ließ sein Bildniß vervielfältigen und vertheilen. Die werthvollste und verdienstlichste Sammlung Wagner’s aber, 28 handschriftliche Foliobände mit Urkundenabschriften und Regesten zur Geschichte des Herzogthums Sachsen-Altenburg umfassend, wurde durch seine Wittwe, eine feingebildete und kunstsinnige Dame, an die herzogliche Landesregierung verkauft und von dieser unter der Bezeichnung „Wagner’sche Collectaneen“ der herzoglichen Bibliothek in Altenburg einverleibt, wo sie eine reiche, und leicht zugängliche Fundgrube für die osterländische Geschichtsforschung bilden. Der Stoff ist von W. hauptsächlich aus den verschiedenen Archiven des Herzogthums Sachsen-Altenburg, aus dem königlichen Hauptstaatsarchiv zu Dresden, einigen andern Archiven und gedruckten Büchern zusammengetragen. Die Vollständigkeit dieser Sammlung für die Gegenwart wird freilich vielfach überschätzt, denn in dem halben Jahrhundert seit Wagner’s Tode sind mehrere einschlägige Archive, besonders das Sachsen-Ernestinische Gesammtarchiv zu Weimar, in ihrer Ordnung, Uebersichtlichkeit und Nutzbarkeit so vorwärts geschritten, daß für die Wissenschaft eine ganz beträchtliche Menge von osterländischen Urkunden zugänglich geworden ist, deren Vorhandensein W. noch nicht kannte. Die volle Brauchbarkeit seiner Collectaneen ist erst herbeigeführt worden durch ein ausführliches alphabetisches Namensregister in vier handschriftlichen Bänden, angefertigt von dem weimarischen Archivdirector Dr. Burkhardt. Das Original dieses Registers befindet sich bei den Collectaneen in der Bibliothek zu Altenburg, eine Abschrift im Archiv der Geschichts- und Alterthumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes. Im December 1892 hielt die Gesellschaft zu Wagner’s hundertjährigem Geburtstag eine Festversammlung, in der Professor Dr. M. Voretzsch über Wagner’s Leben und Wirken redete.

Briefliche Nachrichten von der Familie. – E. Hase in den Mittheilungen der Geschichts- und Alterthumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes V, 214 f., 216 f. – E. C. Löbe, Altenburgica (Altenburg 1878), S. 9. – M. Geyer, Verzeichniß der Handschriften in dem Archive der Gesellschaft (Erstes Ergänzungsheft zu den „Mittheilungen“ u. s. w. Altenburg 1901), S. 122.