ADB:Wangenheim, Georg August von

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Artikel „Wangenheim, Georg August von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 149–151, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wangenheim,_Georg_August_von&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 17:09 Uhr UTC)
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Wangenheim: Georg August v. W., kurfürstlich braunschweig-lüneburgischer General der Infanterie, geboren am 9. November 1706, trat 1722 [150] als Fähndrich in landgräflich hessen-casselsche Dienste, in denen er 1731 dem Infanterieregimente Prinz Friedrich angehörte, vertauschte dieselben im nächstfolgenden Jahre mit den kurfürstlich braunschweig-lüneburgischen, in welchen er am 13. September 1732 als Stabscapitän bei der Fußgarde zu Hannover angestellt wurde, wohnte 1734 unter Prinz Eugen als Volontär dem Feldzuge am Rhein bei und nahm mit seinem Regimente 1743 am Main und von 1744 bis 1748 in Brabant am österreichischen Erbfolgekriege theil. Am 12. October 1741 war er zum Major befördert, in der Schlacht bei Laffeld am 2. Juli 1747 befehligte er das Regiment, welches hier 300 Mann verlor, im März 1751 ward er zum Oberst und Commandeur des mit dem Stabe in Hoya stehenden 14. Infanterieregiments (eigentlich nur ein Bataillon) ernannt. Mit diesem gehörte er 1755/56 zu den zum Schutze gegen eine französische Landung nach England gesandten hannoverschen Truppen und befehligte es am 26. Juli 1757 in der verlorenen Schlacht von Hastenbeck. Im nämlichen Jahre ward er zum Generalmajor befördert. Als solchem waren ihm in der Ordre de Bataille, welche Herzog Ferdinand von Braunschweig, als er das Commando übernahm, erließ, drei Infanterieregimenter in der Heeresabtheilung des Generals v. Spörcken (s. A. D. B. XXXV, 267) unterstellt; als aber der Herzog im Beginne des Jahres 1758 gegen den Rhein aufbrach, ertheilte er W. den Auftrag mit 6 Bataillonen, 6 Schwadronen und 10 Geschützen am 18. Februar von Bremervörde aus gegen die Wümme vorzugehen und Rotenburg sowie Ottersberg zu nehmen. Die Besatzung des Forts von Rotenburg ergab sich am 20. nach siebenstündiger Beschießung, die von Ottersberg zog freiwillig ab, ebenso die von Bremen, zu dessen Einnahme W. mitwirken sollte. Dann erhielt dieser den Befehl Minden auf dem rechten Weserufer einzuschließen, während die Stadt auf dem linken von anderen Truppen angegriffen werden würde. Am 16. März streckte die Garnison das Gewehr, ohne daß Wangenheim’s „Division“ zum Fechten gekommen wäre. Bei des Herzogs Uebergange über den Rhein erhielt dieser den Befehl mit 4 Bataillonen und 4 Schwadronen auf dem rechten Flügel Scheinbewegungen zu machen um des Feindes Aufmerksamkeit abzulenken. Er brach dazu am 28. aus seinem Lager bei Dorsten auf, ging, nachdem das Unternehmen gelungen war, bei Essenberg selbst über den Fluß und war zur Stelle als der Herzog am 23. Juni die Franzosen bei Crefeld angriff, in Wangenheim’s Zelte gab er in der vorangehenden Nacht seine Befehle an die Generale aus. In dem Berichte, welchen er an König Georg II. erstattete, sagt er, daß dem Erbprinzen, dessen Energie, Tapferkeit und Klugheit über alles Lob erhaben gewesen seien, und der Unerschrockenheit, mit welcher W. die erhaltenen Befehle ausgeführt habe, am meisten der Erfolg des Tages zu danken sei; König Friedrich II. gegenüber lobt er Wangenheim’s Tüchtigkeit, Eifer und Tapferkeit. Entschlossen, den erfochtenen Sieg nach Kräften auszubeuten, entsandte er W. schon in der Frühe des 24. um sich Düsseldorfs zu bemächtigen. Am 27. erschien dieser vor der Stadt, schloß sie auf beiden Ufern des Rheins ein und ließ sie, da die Besatzung die Uebergabe verweigerte, in Brand schießen. Es folgte nun ein Waffenstillstand, welcher am 7. Juli durch eine Capitulation beendet wurde.

In der am 1. August 1759 gelieferten siegreichen Schlacht bei Minden befehligte W. ein abgesondertes Corps von 12 300 Mann (15 Bataillone, 19 Schwadronen), welches im Lager von Todtenhausen auf dem äußersten linken Flügel stand. Nach den Absichten der französischen Heeresleitung sollte der Herzog von Broglie gegen dieses den ersten Stoß führen. W. ward vollständig überrascht, da aber der Angriff nicht mit dem befohlenen Nachdrucke ausgeführt wurde, so hatte das Versäumniß keine weiteren Folgen. Bessere Dienste leistete er im Herbst des nämlichen Jahres, in welchem er zum Generallieutenant befördert [151] wurde, bei mancherlei Unternehmungen in Hessen und des Herzogs besondere Anerkennung ward den Truppen ertheilt, welchen er die von W. unter großer Mühsal und Gefahr am 7. Januar 1760 ausgeführte Verproviantirung von Dillenburg aufgetragen hatte. Am 19. September, aber wurde dieser mit 5 Bataillonen, 9 Schwadronen, 9 Parkgeschützen und leichten Truppen in einer vorgeschobenen Stellung bei Löwenhagen in der Nähe von Dransfeld stehend, von Broglie am hellen Tage überfallen und zu einem verlustreichen Rückzuge genöthigt. Bei dem Vorstoße nach Süden, durch welchen im Februar 1761 die Winterruhe der Franzosen gestört wurde, befehligte W. eine der beiden Colonnen, in welche Spörcken seine Heeresabtheilung gegliedert hatte, darauf den Cordon an der unteren Diemel zum Schutze der von den eigenen Truppen bezogenen Ruhequartiere und bei Wiederbeginn der Feindseligkeiten 5500 Mann im Lager von Rüthen. Zu hervorragender Thätigkeit kam er in diesem Jahre nicht; ein in Gemeinschaft mit dem hessischen General v. Wutgenau ausgeführter Versuch, zwei französische Abtheilungen in der Gegend von Stadtberge am 5. August womöglich gefangen zu nehmen, glückte nicht. Im Feldzuge 1762 stand er unter Lord Granby, welcher am 24. Juni das Treffen bei Wilhelmsthal entschied. Zum Schluße des Krieges machte ihm Freytag (s. A. D. B. VII, 374) den Vorwurf, daß er in ein am 27. August bei Alsfeld geliefertes Gefecht nicht eingegriffen habe. Sonst würde „vom feindlichen Corps nicht viel echappirt sein.“

Wangenheim’s letzte nennenswerthe militärische Thätigkeit bestand in der Leitung einer größeren Truppenübung, welche in der Zeit vom 16. bis zum 26. September 1779 in der Nähe der Festung Hameln, zu deren Commandanten er ernannt war, abgehalten wurde. Im J. 1777 war er zum General der Infanterie ernannt worden. Am 24. September 1780 ist er zu Hannover gestorben.

L. von Sichart, Geschichte der Königlich Hannoverschen Armee, 3. Band, 1. und 2. Abtheilung, Hannover 1870. – Beiträge zu einer Familiengeschichte der Freiherren von Wangenheim, zusammengestellt von F. H. A. von Wangenheim. Als Manuscript gedruckt. Göttingen 1874.