ADB:Wassenberg, Eberhard

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Artikel „Wassenberg, Eberhard“ von Karl Mayr-Deisinger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 233–234, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wassenberg,_Eberhard&oldid=- (Version vom 20. Mai 2019, 01:45 Uhr UTC)
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Wassenberg: Eberhard W. Von seinen Lebensumständen ist wenig bekannt. Am Schlusse seiner Beschreibung der Stadt Emerich („Embrica“) gibt er selbst einige dürftige Daten. Danach ist er am 9. November 1610 geboren und hatte im J. 1667 nach seiner Meinung eine ehrenvolle Laufbahn hinter sich als Bibliothekar und lateinischer Secretär Kaiser Ferdinand’s III., Philipp’s IV. von Spanien und des Königs Ladislaus von Polen. Letzterer, mit dem er wohl durch Vermittelung der Königin Caecilia Renata, einer österreichischen Erzherzogin, in Beziehung trat, verlieh ihm den Titel eines Hofhistoriographen. Als solcher gab er im J. 1643 die gesta Vladislai IV., Poloniae regis heraus. Am bekanntesten wurde sein Name durch sein zuerst 1637 erschienenes und dem Bamberger Bischof Franz Hetzfeld gewidmetes Buch „Commentariorum de bello inter imperatores Ferdinandos II. et III. et eorum hostes gesto liber singularis“. Als Geschichtsquelle sind die Commentare von sehr geringem Werth; ihre Vorlagen sind ausschließlich Druckwerke. Von Interesse unter den zahlreichen Auflagen und Fortsetzungen, die bald unter dem Titel „Florus Germanicus“ und auch in deutscher und holländischer Uebersetzung erschienen, ist lediglich die Amsterdamer Ausgabe von 1647 mit Anmerkungen des Grafen Fürstenberg. Der Standpunkt des Verfassers ist ausgeprägt anticalvinistisch und katholisch: zur Behauptung der geraubten Kirchengüter schlossen die Calvinisten einen Bund und beabsichtigten die Katholiken aus Deutschland zu vertreiben. Zu diesem Zwecke suchten sie einen Krieg zu erregen, zum ersten Male bei Gelegenheit des österreichischen Hausstreites, dann des böhmischen Aufstandes. Die ungemeine Beliebtheit der Commentare bei den Zeitgenossen beruhte wesentlich darauf, daß W. nicht ungeschickt und zuweilen sehr lebhaft erzählend die Ereignisse des Krieges in einem schlanken lesbaren Quartband zusammenfaßte, der zuweilen sogar bei einigen Verlegern zu einem zierlichen Sedezbändchen mit Elzevierlettern sich verkleinerte. Die vollständigste Aufzählung seiner Schriften befindet [234] sich an der gen. Stelle der „Embrica“. Doch fehlen dort zwei Flugschriften, die zu dem Kreise der zornigen Schriften jener Zeit gegen das Uebergewicht Frankreichs gehören. Die deutsch und lateinisch erschienene „Französische Goldgrube“ hat der von patriotischer Wärme erfüllte Verfasser an den Regensburger Reichstag gerichtet; er führt aus, die kriegerische Macht Frankreichs beruhe auf der wirthschaftlichen Ueberlegenheit; „durch unsere Trägheit blüht Frankreich“. Er wettert gegen die französischen Moden, die das Geld aus dem Lande ziehen, schlägt vor, französische Waaren in Deutschland durch ein Mercantilsystem, französisches Salz, Wein und Branntwein in den nördlichen Gegenden durch Verkehrserleichterungen, besonders durch einen Kanalbau zu verdrängen, der die Verbindung zwischen Donau- und Odergebiet herstellt. In der Schrift „Marbodicus redivivus“ preist er die Tugenden der alten Deutschen und analysirt Ludwig XIV. nach der Schilderung des Velleius Paterculus als neuen Marbod. Schließlich tritt er für die Ernennung des Kurfürsten von Brandenburg zum Generalissimus ein, mit dem ein neuer Arminius erstehen würde. Wann und wo W. starb, ist unbekannt.

Die Schriften Wassenberg’s, Zedler’s Universallexikon. – Zwiedineck-Südenhorst, Die öffentl. Meinung in Deutschland im Zeitalter Ludwig XIV.