ADB:Widenast, Johannes

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Artikel „Widenast, Johannes“ von Karl Steiff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 340–341, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Widenast,_Johannes&oldid=- (Version vom 19. Oktober 2019, 12:51 Uhr UTC)
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Widenast: Johannes W. (Vydenast), ein Deutscher in Perugia, dessen Name mit einigen der dortigen Erstlingsdrucke verknüpft erscheint und der von vielen Bibliographen, auch von den neuesten noch, für den Prototypographen dieser Stadt gehalten wird. Letzteres ist aber unrichtig. Von dem Patricier Braccio Baglioni berufen kamen schon 1471 zwei Deutsche, Peter von Köln und Johann von Bamberg, beide bisher unbekannt, nach Perugia und druckten in des Genannten Haus (bis 1475) mehrere Werke, die man bis jetzt mit Unrecht als Erzeugnisse von Widenast’s Presse betrachtet hat. Dann erscheint ein bisher gleichfalls unbekannt gewesener Johann von Augsburg, der Breviere druckt, und weiterhin Heinrich Clayn von Ulm mit seiner bekannten Editio princeps des Digestum vetus (1476). In dem Vorwort dieses Druckes nun wird zum ersten Mal J. W. „Sicamber“ erwähnt als derjenige, der im Verein mit dem deutschen Gelehrten (? „scolasticus“) Jakob Languenbeke, einem Sachsen, die Kosten der Herstellung bestritten habe. Kurze Zeit darauf finden wir W. als Arbeitgeber mehrerer deutscher Drucker, eines Stephan von Mainz, Johann Ambracht, Craffto u. A., die vorher in Foligno gearbeitet hatten und von da wol durch W. herberufen worden waren. Mit ihrer Hülfe druckte er des Corneo Lectura in sextum Codicis, ein Werk, dessen Schlußschrift eben ihn als Drucker nennt. Wenn er hier und sonst zugleich als Pedell der Universität erscheint, so ist dies wol nicht mit Vermiglioli dahin zu deuten, daß ihm um seiner Verdienste als Drucker willen jenes damals gesuchte Amt übertragen worden sei; vielmehr umgekehrt als Pedell fing er an, [341] sich mit dem Bücherdruck zu befassen, sichtlich aus Speculation und vielleicht ohne auch nur selbst die Kunst zu erlernen. Streitigkeiten, in die er mit seinen Gehülfen, insbesondere mit Stephan von Mainz, der ihn verklagte, gerieth, noch mehr aber wol die 1477 in Perugia wüthende Pest machten dem Unternehmen ein Ende und damit verschwindet auch W. aus der Geschichte des Buchdrucks. Ueber seine persönlichen Verhältnisse ist nur noch zu sagen, daß die oben angeführte Bezeichnung als Sicamber auf die Rheinlande als seine Heimath weist.

Vgl. Vermiglioli, Principj della stampa in Perugia. Perugia 1820. – Bonazzi, Storia di Perugia, Vol. I, Perugia 1875, p. 755–758. – Claudin, Origines de l’imprimerie à Albi en Languedoc etc. Paris 1880, p. 51 sq.Hain, Repert. bibliogr. (m. Burger’s Register).