ADB:Zetzsche, Karl Eduard

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Zetzsche, Karl Eduard“ von Wilhelm Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 119–121, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Zetzsche,_Karl_Eduard&oldid=- (Version vom 15. Oktober 2019, 06:50 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Zetl, Paul
Nächster>>>
Zeune, August
Band 45 (1900), S. 119–121 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Karl Eduard Zetzsche in der Wikipedia
GND-Nummer 101343957
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|45|119|121|Zetzsche, Karl Eduard|Wilhelm Heß|ADB:Zetzsche, Karl Eduard}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=101343957}}    

Zetzsche: Karl Eduard Z. wurde am 11. März 1830 in Altenburg geboren. Sein Vater war Pächter des Rittergutes Polhof, welches innerhalb der Stadt liegt. Seinen ersten Unterricht empfing er in der Bürgerschule und bezog Ostern 1843 das Gymnasium in seiner Vaterstadt, an welchem sein Onkel Professor Gottlob Zetzsche Lehrer der alten Sprachen war. Hier zeichnete er sich in jeder Weise aus. Namentlich interessirte er sich für Mathematik und Physik und überreichte als Abiturient dem Director eine freiwillige größere Arbeit: „Versuch einer Parallelentheorie“, welche im Osterprogramm des Gymnasiums 1851 S. 13 erwähnt ist. Die Reifeprüfung bestand er mit Auszeichnung und erhielt als Anerkennung einen der beiden Siegelringe der Lingke’schen Stiftung. Ostern 1851 bezog er die damalige polytechnische Schule in Dresden. Hier zeichnete er sich so hervorragend aus, daß ihm 1853 ein Belobungsschreiben, 1854 die bronzene und 1855 die silberne Preismedaille zuerkannt wurde und er, nachdem er die Abgangsprüfung mit Auszeichnung bestanden hatte, ein Studienstipendium [120] von 100 Thalern und ein doppeltes Reisestipendium von 200 Thalern erhielt. Er verwandte dieses Stipendium, um in Wien noch Vorlesungen an der polytechnischen Schule und an der Universität zu hören. Namentlich nahm er dort an einem theoretisch-praktischen Cursus über Telegraphie theil. Hierdurch wurde sein Interesse an der Telegraphie in solchem Grade erweckt, daß er beschloß, sich diesem Specialfache ganz zu widmen und, nachdem er die vorgeschriebene Prüfung mit Auszeichnung bestanden hatte, trat er am 1. Juni 1856 als Telegraphenofficial in den österreichischen Staatsdienst. Im Herbste 1856 wurde er in gleicher Eigenschaft nach Padua und 1858 nach Triest versetzt. Während seines Aufenthaltes in Padua erhielt er von der Universität Jena auf Grund seiner Dissertation: „Vim electricam nasci ex oscillationibus“ die Doctorwürde. Im Herbste 1858 erhielt er einen Ruf als Hülfslehrer für Mathematik und Physik an die höhere Gewerbeschule in Chemnitz, welchem er am 1. October Folge leistete. Am 9. März 1863 erfolgte seine feste Anstellung als ordentlicher Lehrer und 1866 wurde er zum Professor ernannt. Entscheidend für sein späteres Leben war der Besuch der Wiener Weltausstellung, bei welcher Gelegenheit er einen Bericht in der internationalen Ausstellungszeitung: „Die historische Abtheilung der deutschen Telegraphenausstellung zu Wien 1873“ verfaßte, welcher ihn in weiten Kreisen bekannt machte. Während seiner Lehrthätigkeit in Chemnitz verfaßte Z. eine Reihe von anerkennenswerthen Arbeiten, zunächst mathematische Lehrbücher: „Die Elemente der ebenen Trigonometrie“ (Altenburg 1861); „Leitfaden für den Unterricht in der ebenen und räumlichen Geometrie“ (Chemnitz 1870); „Katechismus der ebenen und räumlichen Geometrie“ (Leipzig 1871); ferner verschiedene Werke über Telegraphie: „Der Kopiertelegraph, die Typendrucktelegraphen und die Doppeltelegraphen“ (Leipzig 1865); „Die elektrischen Telegraphen in ihrer gegenwärtigen Einrichtung und Bedeutung“ (Zwickau 1869); „Kurzer Abriß der Geschichte der elektrischen Telegraphie“ (Berlin 1874); „Die Entwicklung der automatischen Telegraphie“ (Berlin 1875). Außerdem erschienen noch zahlreiche kleinere Abhandlungen in den verschiedensten Zeitschriften. Als am Polytechnikum in Dresden eine außerordentliche Professur für Telegraphie errichtet wurde, wurde Z. für dieselbe ausersehen. Er folgte dem Rufe und zog am 1. April 1876 nach Dresden. Im folgenden Jahre erschien der erste Band seines Hauptwerkes: „Handbuch der elektrischen Telegraphie“, welches er unter Mitwirkung anderer Gelehrter veröffentlichte. Dasselbe zeichnet sich durch seine Vollständigkeit höchst vortheilhaft aus und er hat sich durch Herausgabe desselben ein außerordentliches Verdienst erworben. Unter seiner Mitwirkung wurde der elektrotechnische Verein in Berlin gegründet und übernahm er die Redaction der Zeitschrift dieses Vereins. Aber nicht lange sollte seine Wirksamkeit in Dresden dauern. 1880 erhielt er einen Ruf als Docent der Telegraphie an die Telegraphenschule des Reichspostamts. Er nahm seine Entlassung aus sächsischen Diensten und siedelte nach Berlin über, wo er am 1. October 1881 sein neues Amt antrat, mit dem bald darauf die Stellung eines kaiserlichen Telegraphen-Ingenieurs im Reichspostamte verbunden wurde. Aber die Ueberhäufung mit Arbeiten, deren Erledigung er sich mit peinlicher Gewissenhaftigkeit unterzog, überstieg bald seine Kräfte. 1886 sah er sich infolge seiner stark angegriffenen Gesundheit genöthigt, die Redaction der „Elektrotechnischen Zeitschrift“ niederzulegen und im Herbste 1887 um seine Pensionirung nachzusuchen. Er zog nach Dresden und durch die Ruhe besserte sich seine Gesundheit, so daß er seine umfangreiche litterarische Thätigkeit wieder aufnehmen und namentlich den letzten Band seines Hauptwerkes im Manuscript vollenden konnte. Im December 1898 erkrankte er an der Influenza und starb nach schweren Leiden an den Folgen derselben [121] am 18. April 1894. Z. hinterließ aus seiner Ehe mit Amalie Specht aus Dresden zwei Söhne und eine Tochter.

Dr. Max Voretzsch, Zur Erinnerung an Prof. Dr. Karl Eduard Z., Altenburg 1894.