ADB:Zumkley, Kaspar

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Artikel „Zumkley, Kaspar“ von Paul Bahlmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 479–481, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Zumkley,_Kaspar&oldid=- (Version vom 23. Mai 2019, 09:46 Uhr UTC)
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Zumkley: Kaspar Z. war am 20. October 1732 zu Münster i. W. geboren, erhielt daselbst auch den ersten wissenschaftlichen Unterricht und trat nach vollendetem philosophischen Cursus am 20. October 1749 in den Jesuitenorden. Der Minister v. Fürstenberg, der 1763 die Landesverwaltung übernommen, erkannte bald Zumkley’s außergewöhnliche Fähigkeiten und scheint ihn auch bei Abfassung seiner bekannten Schulordnung vom Jahre 1776 zu Rathe gezogen zu haben, da sich ein 1770 von ihm niedergeschriebener, freilich sehr dürftiger Entwurf noch im Gymnasialarchiv befindet. Fürstenberg hielt vor [480] allem den mathematischen Unterricht und vielfache mathematische Uebungen für höchst geeignet, die Schüler von den unteren Classen an für ein gründliches Denken zu üben und vorzubereiten. Da diese Wissenschaft aber von den Jesuiten, unter deren Leitung das Münsterische Gymnasium seit 1588 stand, nur in der philosophischen Classe, und selbst hier nur in sehr geringem Maße betrieben wurde, hielt es schwer, geeignete Lehrer derselben zu finden, so daß sich der vielbeschäftigte Staatsmann selbst mit ihrer Heranbildung befassen mußte; des talentvollen Z. nahm er sich besonders an und brachte ihn auch mit den berühmtesten Lehrern, zumal mit Kästner in Göttingen, in Verbindung. Schon nach einigen Jahren konnten Lehrer und Schüler die Rollen wechseln, nämlich Fürstenberg sich von Z. in verschiedenen Zweigen der mathematischen Wissenschaften unterweisen lassen. Letzterer übernahm mit Hülfe Fürstenberg’s die Vertheilung der mathematischen Disciplinen auf die einzelnen Classen und bot seinen Schülern seit 1772 verschiedene mathematische Lehrbücher und Aufgabensammlungen, die das Nothwendigste klar und bündig zusammenstellten. Nach Aufhebung des Ordens (1773) von seinem Gönner, der ihm auch den mathematischen Unterricht an der von ihm errichteten Militärakademie übertragen, zum Director des Gymnasiums ernannt, wußte er die Uebelstände, die bei der Einführung eines ganz neuen Lehrplanes unausbleiblich waren, mit weiser Mäßigung, die auch in der noch ungedruckten Hausordnung und den Dienstanweisungen für die Lehrer zu Tage tritt, zu beseitigen und den neuen Anordnungen zum Heile der Anstalt rasch Geltung zu verschaffen. Obgleich die Mathematik bis zum letzten Athemzuge Zumkley’s liebstes Studium geblieben, hat er doch auch die Behandlungsweise der Sprachen im Geiste der neuen Schulordnung durch die Herausgabe zweier lateinischen Grammatiken (1772 und 1773) und mehrerer deutschen und lateinischen Chrestomathien (1773–1777) erleichtert, welche seine große Litteraturkenntniß und gründliche Sprachgelehrsamkeit, wie seine reife Beurtheilungskraft und seinen geläuterten Geschmack bekunden. Das einzige poetische Erzeugniß, das von ihm selbst herrührt, ist eine lateinische Ode, die dem Kurfürsten Maximilian Friedrich 1774 im Namen des Gymnasiums überreicht wurde. Im Gebrauch seiner Muttersprache war Z., der ein vortreffliches Latein schrieb, gleich so vielen seiner gelehrten Zeitgenossen, wenig bewandert; seine Gedanken konnte er in freiem Vortrag nicht von sich geben und liebte es daher, vorgelegte Fragen schriftlich zu erörtern. Dagegen besaß er ein außerordentliches Gedächtniß: ganze Seiten, die er nur einmal gelesen, vermochte er noch nach Jahren Wort für Wort zu wiederholen. In einem im Deutschen Museum (1779, II, S. 479) erschienenen Briefe vom 13. October 1778 über die münsterischen Schulen wird ihm folgendes Lob gezollt: „Den ersten Platz unter den Lehrern hat und verdient ohne Zweifel der Director Zumkley, ein Mann, der mit einem ächten philosophisch-mathematischen Originalgenie den edelsten Charakter, ungemeine Tugend und Aufopferung des bloß eigenen Ruhms zum Besten der Allgemeinheit verbindet. Man sieht hier schwerlich einen aufgeklärten Mann zwischen 20 und 30 Jahren, der nicht seine erste Richtung diesem Manne und ursprünglich Fürstenbergen verdankte“. Trotzdem hat keine einzige Litteraturzeitung seiner gedacht, als der Tod am 17. November 1794 seiner Thätigkeit am Gymnasium und an der Universität, der er seit ihrer Gründung als ordentlicher Professor und Bibliothekar angehörte, ein Ende machte. Die von ihm hinterlassene Sammlung von Gelegenheitsgedichten, plattdeutschen Volksliedern, Todten- und Schauspielzetteln, drolligen Anekdoten, Schwänken, Schnurren und witzigen Einfällen, der er manche heitere Stunde verdankte, ist leider verloren gegangen.

[481] Vgl. J. Ch. Schlüter im Magazin f. Westfalen, Jahrg. 1798, S. 156 bis 163. – B. Sökeland, Umgestaltung des münsterschen Gymnasiums, Münster 1828, S. 39 ff. und 81–85. – E. Raßmann, Münsterländische Schriftsteller, Münster 1866, S. 386 f. – C. Sommervogel, Bibliothèque de la Comp. de Jésus, Tom. 8, Bruxelles 1898, Sp. 1536–38.