Aachener Stadtrechnungen aus dem XIV. Jahrhundert/Landfriedensbund Zerstoerung des Raubschlosses

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Autor: Josef Laurent
Titel: Landfriedensbund, Zerstörung des Raubschlosses Grypenkoeven
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aus: Aachener Stadtrechnungen aus dem XIV. Jahrhundert. S. 47–51
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Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: P. Kaatzer’s Verlag
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Erscheinungsort: Aachen
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[47]

Landfriedensbund, Zerstörung des Raubschlosses Grypenloeven.

Als um die Mitte des 14. Jahrhunderts, wie eine alte Urkunde sagt: „es übel stand im Lande und viel Unfug verübt und täglich auf der Straße und im Lande dem Kaufmanne, den Pilgern, Pfaffen, Rittern und andern einheimischen und fremden Leuten Gewalt angethan wurde durch Gefängniß, Raub, Mord und Brand, heimlich und öffentlich, und der Unfug und die Gewaltthätigkeit sich von Tag zu Tag mehrte, „so schlossen im J. 1351 Wilhelm, Erzbischof von Köln und Erzkanzler jenseits der Alpen, – Johann, Herzog von Lothringen, Limburg und Brabant nebst seinem Sohne Godart, – der Magistrat der Stadt Köln und der Magistrat von Aachen auf 10 Jahre lang ein Bündniß[1], Gott zu Ehren und um des gemeinen Besten willen das Land und die Straßen gegen alle Gewaltthätigkeit zu schützen, die Räuber und Mörder zu strafen, ihre und ihrer Helfer Schlösser und Häuser zu belagern und niederzureißen. Zur Ausführung des Beschlusses stellte der Erzbischof von Köln zum täglichen Schutze 50 gewaffnete Ritter und Knechte zu Pferde, und auf Verlangen zu Reisen und Belagerungen deren 250 nebst 50 Schützen, der Herzog von Brabant mit seinem Sohne die gleiche Anzahl, die Stadt Köln für den gewöhnlichen Bedarf 25 berittene freie Leute, und zu Reisen und Belagerungen 150 Reiter und 50 Schützen, die Stadt Aachen 20 Mann zu Pferde zum täglichen Bedarf, und zu Reisen und Belagerungen 100 Gewaffnete zu Pferde und 100 Schützen. Ueber das jedesmalige Bedürfniß hatten zwölf Geschworene, deren jeder Verbündete drei sandte, durch Stimmenmehrheit zu entscheiden. Das Bündniß sollte Geltung haben für alle Gegenden zwischen Maas und Rhein, nämlich von Andernach bis zur Nette, von da zum Laacher See, Nurberg (Nurburg, Bürgermeisterei Kelberg), Münster in der Eifel, Bütgenbach, zum Dorfe Monfort, Scharratz, von da an die Maas bis Eycht, über Blodorp, Ude, Benbrügge, Brauwenbroich, Isheim nach Xanten und von da den Rhein hinauf bis wieder nach Andernach und zur Nette, sowohl zu Wasser als zu Lande. Die Geschworenen des Erzbischofs von Köln waren: Ludwig Heer von Randenroide, Johann Heer zu Saffenberg und Heinrich von Syntzich, Herr von Arendail; vom Herzoge von Brabant wurden als solche ernannt:

[48] Johann von Wiflet Herr von Blairsvelt, Johann von Loen Herr von Aigrymont und Reinart von Schoinauwen Herr zu Schoinvorst; Köln sandte die Heeren: Johann Overstoiltz in Viltzengraven Schöffen und Ritter, Costin von Lysenkirghin Schöffen und Costin von Lysenkirchen Graf von Ayrsburch; Aachen wählte die Herren: Christian Lewe, Sander von Surfe, beide Schöffen, und Johann Corus. Alle schwuren „zu den Heiligen“, den ersten eines jeden Monats regelmäßig und außerdem, so oft es Noth thäte oder einer der Verbündeten es verlangte, zusammenzukommen und zwar immer abwechselnd zuerst in Köln, dann in Aachen, darauf in Lechenich und zuletzt in Kerpen, falls die Geschworenen nicht um des Besten willen sich an einem anderen Orte zwischen Köln und Aachen zu versammeln für gut fänden, und was sie einstimmig oder mehrstimmig beschlössen, sollte ausgeführt werden. Es würde ermüden, alle folgenden nach dem damaligen Geschäftsstyl sehr weitläufigen und nach allen Seiten verklausulirten, in der wohlerhaltenen Urkunde vorkommenden Bestimmungen des Bündnisses aufzuzählen, wir wollen nur noch bemerken, daß in einer die Erweiterung des Bundes durch Beitritt neuer Mitglieder offen gehalten wurde. Von dieser Bestimmung machte zuerst Gebrauch Johann von Valkenburg, Heer von Born und von Sittart, der im folgenden Jahre 1352 am 3. Februar dem Bunde beitrat. Dann ließ sich 1354 den 28. April auf Begehren Kaiser Karls IV. „umb leifden und umb beden willen uns lieven genedigen heirren her Karls Roemschen kuninxs,“ Diederich Graf von Loen, Heer zu Heinsberg und zu Blankenberg, in den Bund aufnehmen[2] und gelobte „mit gueden truwen“, wenn die Verbündeten die Burg und Veste zu Grypenkoeven belagern wollten, werde er 300 bewaffnete Ritter und Knechte dazu senden, und die beiden Häuser, welche die Belagerer vor der Burg aufschlagen würden, jedes mit 30 Mann zu Pferde und 30 Schützen besetzen helfen; auch werde er von seinen Landleuten 1000 Mann mit Schüppen und Spaten zum Graben und Zäunen und zu anderer Arbeit schicken, und wenn es ihnen gelänge, das Schloß zu gewinnen, sollten sie es gesamter Hand abbrechen und „fleichten“, dem Boden gleich machen, die aber auf dem Hause von Griepenkoeven gefangen würden, sollten ohne Zögerung abgeurtheilt [49] werden. Nach Mayers Chronik S. 327, der hier, wie leider nur zu häufig, seine Quellen nicht angibt, hausten damals auf genanntem Raubschlosse die Gebrüder Ritter Goßwin und Arnold von Cevel nebst Otto von Dryele. Wo das Schloß gelegen war, wußte Meyer nicht, wir erfahren es aber aus der von dem verdienten Geschichtsforscher Dr. Eckertz, dem Sekretär des hist. Ver. für den Niederrhein, in „fontes adhuc inediti rerum Rhenanarum“ mitgetheilten Chronik der Stadt Erkelenz[3]) S. 107, wo es heißt: „Item de lapidibus Castri Gripenhoven diruti facta et extructa est porta pontis oppidi de Erckelentz anno D. 1355.“ (Aus den Steinen des zerstörten Schlosses Gripenhoven wurde das Brückenthor der Stadt Erkelenz erbaut im J. n. H. 1355.) „Item dat vurß. Slott wart anno 1353 gewonnen und nedergeworpen durch den Landfreden, daer inne waren verbonden der Bischop van Coln, der Hertoch van Brabant, der Hertoch van Guilich und van Gelxe, der Greve van Cleve, die stat van Collen und die stat van Aachen, und want (da) die stat van Erckelentz groten schaden van dem Slott gelieten hadde van den roveren, die sych daer op enthielten, darumb woirden der Stat die steine van demselben nedeworpen (niedergeworfenen) Slott gegeven und geschenckt, dar mit der Toirn (Thurm) der Brugporten inwendig der Stat gelegen gemaecht und opgebouwet is.“

In dieser Angabe finden wir unter den Verbündeten auch den Herzog von Jülich und den Grafen von Cleve, dagegen wird des Grafen von Loen nicht erwähnt. Urkundlich schloß aber der Herzog von Jülich erst im J. 1364 mit dem Herzog Wenzeslaus von Brabant und der Stadt Aachen ein Bündniß zur Aufrechterhaltung des Landfriedens, und der Graf von Cleve gehörte auch dann dem Bunde noch nicht an, wie aus einem Schreiben desselben an die genannten drei Verbündeten hervorgeht. S. Beil. Nr. IV. In dem Bruchstück unserer Stadtrechnung des Jahres 1353 kommt die Stelle vor: „It. Clos Stergin misso Coloniam quum Gripichoven debebat circumvallari“, (Clos Stergin nach Köln gesandt, als Gripichoven belagert werden sollte). Erstlich sagt [50] die Rechnung quum debebat, als das Schloß belagert werden sollte, dann aber beginnt sie mit dem 1. Juni 1353 und schließt mit dem letzten Mai 1354. Kann nicht der Verfasser der Erkelenzer Chronik, der, wie Herr. Dr. Eckertz nachweist l. c. S. 148 ff., im 16. Jahrhundert schrieb, einer ähnlichen Geschichtsquelle gefolgt sein? Hätten wir die erwähnte Urkunde über den Beitritt des Grafen von Loen zum Landfriedensbunde eben zur Zerstörung des Schlosses Gripichoven oder Grypenkoeven nicht, so würden wir aus unserer Rechnung, da sie nicht nach Monaten abgetheilt ist, auch nicht ersehen können, ob die Zerstörung des Raubschlosses 1353 oder 1354 stattfand. Jedenfalls ist die Beitrittsurkunde (S. Beilage Nr. III), welche mit den Worten schließt: „Gegeven in deme jaire uns heiren doe man schreyf druytzeinhundert in deme veir und vunfzichsteine jaire, des maindaichs vur Philippi & Jacobi der heyligen Apostelen“ hier maßgebend. Das Schloß kam nach mehrwöchentlicher Belagerung durch Kapitulation in die Hände der Verbündeten und wurde geschleift; die Besatzung erhielt, nachdem sie Urfehde geschworen und Schadenersatz zugesichert hatte, freien Abzug.

Statt des verstorbenen Herzogs Johann von Brabant und seines Sohnes Godart trat im Jahre 1355 Wenzeslaus, Herzog von Luxemburg, Lothringen, Brabant, Limburg und Markgraf des h. röm. Reichs dem Bündnisse bei, (v. Lacomb. III. S. 399 Anm.) Noch vor Ablauf der festgesetzten Frist beschlossen die vier Verbündeten im J. 1358 „des sundagis na andach drutzeynmissen,“ d. h. Sonntag nach Dreikönigen, also am 7. Januar, daß sie „von disme dage voirt ouch na den jairtzalen des vurschreven verbuntz alwege truwelichen ind vestlichen by eynander bliven seulen ungescheyden mit einre gantzer getruwer helpen.“ (v. Lacomb. III., 576.)

Im Jahre 1364 wurde von dem Herzog von Brabant Wenzeslaus, dem Bruder Karls IV., seiner Frau Johanna, dem Herzog Wilhelm von Jülich und der Stadt Aachen der Landfriedensbund in derselben Weise auf fünf Jahre erneuert. Nur ernannte diesmal jeder Verbündete sechs Geschworene, und zwar die Stadt Aachen die Schöffen: Christian Lewe, Sanders von Soersen, Arnolt von dem Berge, Jakob Colin „in dem marte“, Arnolt Wilden und Cuno von dem Eychhorn, von welchen jedesmal drei den monatlichen Landtag abwechselnd zu Tricht (Mastricht), Aachen und Düren zu besuchen hatte. Im folgenden Jahre traten der [51] Erzbischof Engelbrecht von Köln, die Stadt Köln und mehrere Ritter dem Bunde bei.

Abermals wird der Bund erneuert und auf 5 Jahre verlängert im Jahre 1369 „sant Gallen Tag“ den 16. Oktober von den Herzogen von Brabant und von Jülich und den Städten Köln und Aachen und allen Mitverbündeten. Demselben schließen sich einen Monat nachher nicht weniger als 65 Limburgische Edelleute an, die alle ihre Siegel in braunem Wachs „sunderlingen und sementlingen (sammt und sonders) an desen Brief gehangen“; von diesen Siegeln sind die meisten an der in unserm Archiv vorhandenen Pergamenturkunde noch wohl erhalten, 14 aber abgerissen.


  1. cf. Lacomblet Urk. III. Nr. 496
  2. v. Beil. Nr. III.
  3. Erkelenz wurde von Otto dem Großen im Jahre 966 unserm Marienstifte geschenkt, „welchem in Folge dieser Schenkung Grund und Boden des Erkelenzer Gebiets angehörte und welches nunmehr daselbst die Grundherrschaft und zwar bis zum Jahre 1794 ausübte.“ Eckertz I. c. S. 137.