Alte Feinde

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Ada Christen
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Alte Feinde
Untertitel:
aus: Aus der Asche. Neue Gedichte. Seite 25–28
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Hoffmann & Campe
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Hamburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Aus Maois Privatbibliothek digitalisiert durch ngiyaw-eBooks
Djvu auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[25]

 Alte Feinde.

 I.

Wie mit einem einz’gen Schlag
Ist die Welt um mich verwandelt,
Lächelnd knixet Tag um Tag,
Was mich einst so schlecht behandelt.

5
Heute reichet mir die Hand,

Was einst Schmähungen gesendet,
Heute naht im Festgewand,
Was sich einst von mir gewendet.
Euer Haß war die Gewalt,

10
Die mich einst hinausgetrieben –

Aber unbewegt und kalt
Läßt mich heute Euer Lieben!

[26]
 II.

Ei, wie mächtig und bezwingend
Dünkt Euch fast ein einzig Wort,

15
Glaubt Ihr wohl, es nehme plötzlich

Jahrelanges Elend fort?
Ei, versucht des Wortes Allmacht
An dem Meer, das wild empört,
Sturmgepeitscht so düster grollet,

20
Ob es Euer Wort beschwört.

Und Ihr wähnt, das Herz, das wilde,
Das die Bitterkeit gestählt,
Macht ein mildes Wort vergessen,
Wie Ihr es gepeitscht – gequält?!

[27]
 III.

25
Wie so kleinlich, wie erbärmlich

Beugt Ihr Euch vor meiner Macht,
Vor den Herzblut-Purpurfetzen,
Vor der Dornenkrone Pracht.
O, ich hör’s, aus Eurem Lobe

30
Zuckt der alte Spott, die Schmach,

Denn Ihr könnt es nimmer glauben,
Daß ich meine Ketten brach;
Ich zerbrach sie doch! O glaubet,
Meine Selbstverachtung schwand,

35
Als ich Euch so feig, so hündisch,

So verachtungswürdig fand.

[28]
 IV.

Wohl könnt Ihr mäkeln jetzt an Wort und That,
Könnt mich verdammen, seht, es rührt mich nimmer;
Ich hasche nicht nach Eurem feilen Rath

40
Und morscher Tugend fahlen Moderschimmer!

Ich trachte nimmermehr nach Eurer Lieb’,
Ich werde liebearm und einsam schreiten,
Doch jene Waffe, die einst fort mich trieb,
Sie wird nun stumpf von meinem Panzer gleiten.

45
O, ich war elend! – jeder böse Zug

In Euren kalten Larven mahnt mich wieder,
Wie Jeder von Euch tückisch nach mir schlug,
In mir vernichtet meine reinsten Lieder!