Altrabrig (Störzner)

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Textdaten
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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Altrabrig
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 16–18
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Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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3. Altrabrig.

Den Flurteil zwischen dem alten Schloßberge oberhalb der Schloßmühle zu Radeberg und der aus der Stadt nach Pulsnitz führenden Landstraße nannte man sonst „Altrabrig“, und noch heute wird diese Bezeichnung für jene Feldfläche von alten Leuten gebraucht. Wie die Sage berichtet, habe ehemals die Stadt Radeberg daselbst gestanden. Das Wort Altrabrig soll heißen: Altradeberg. Jedenfalls hat diese Sage auch ihre Berechtigung; denn in den Jahren 1810–1830 wurden auf Altrabrig wiederholt Grundmauern von Gebäuden entdeckt, und es ist gar nicht ausgeschlossen, daß man bei näherer Untersuchung auch heute solche auffinden würde. – Nicht umsonst wird die Höhe am rechten Röderufer oberhalb der Schloßmühle der Schloßberg genannt. In alten Zeiten stand hier oben die Burg von Radeberg. (Siehe Nr. 2) Diese, heute am östlichen Ende der Stadt gelegen, bildete damals die westliche Befestigung der Stadt, indem Radeberg östlich von der Burg sich ausdehnte. In einer alten Urkunde heißt es:

Petrus et Friczco habent in foedum Allodium in Radeberg, Item Ius patronatus Ecclesie parochialis ibidem, Item 1 ortum (hortum) et piscariam de Hezcilsberg usque in aldenradeberg. Das soll heißen: Peter und Fritz von Reckenitz haben zu einem Lehn ein Freigut in Radeberg. Desgleichen das Patronatsrecht der Pfarrkirche daselbst, desgleichen einen Garten und einen Fischteich von Hezcilsberg bis nach Altenradeberg. –

Durch den Inhalt dieser Urkunde wird die Sage von dem früheren Standorte Radebergs zur geschichtlichen Tatsache; denn die Urkunde nennt das alte Radeberg und gibt Andeutungen, daß der Ort einst die Höhen zwischen dem Schloßberge und der heutigen Pulsnitzerstraße einnahm. Sie berichtet, daß Peter und Fritz von Reckenitz einen Garten und einen Fischteich, „von Hezcilsperg bis nach aldenradeberg“ reichend, in Lehn hatten. Unter dem Hezcilsberg ist ohne Zweifel der Schafberg bei Wallroda gemeint, auf dem heute der vielbesuchte Felixturm steht. Hezcilsberg soll Höselberg, Haselberg bedeuten. Es erinnere dieser Name daran, daß einst auf dem Schafberge der Haselnußstrauch zu Hause gewesen wäre und die Höhe und die Anhänge [17] jenes Berges bedeckt habe. Diese Erklärung hat das Volk sich selbst zurecht gelegt und soll hier zur Vervollständigung mit angeführt worden sein. In der am nördlichen Fuße dieses Berges beginnenden Talschlucht erkennt man deutlich das Bett eines langen Teiches, welcher einst das Tal bis in die Nähe des Arnolddenkmales unfern der Hüttermühle ausfüllte und bis an das alte Radeberg sich ausdehnte. Noch hie und da bemerkt der aufmerksame Beobachter im Hüttertale einige Querdämme. Ob dieselben zu dem erwähnten Teiche gehörten, kann nicht bestimmt gesagt werden. Es wäre nicht ganz unmöglich, daß diese Querdämme aufgeworfen worden sind, um etwaige Fahrwege zu gewinnen. In jener Urkunde vom Jahre 1349 (Staatsarchiv zu Dresden, Cop. Nr. 24) ist die Rede von „Aldenradeberg“, woraus hervorgeht, daß es damals schon ein Neuradeberg gegeben haben muß. Darum wird durch die erwähnte Urkunde auch jene Sage berichtigt, nach der das alte Radeberg im Hussitenkriege 1430 zerstört und erst nach demselben auf dem jetzigen Standorte wieder aufgebaut worden sein soll. Der Mönch von Pirna, (ein Chronist mit Namen Mag. Joh. Lindner, der 1480–1530 im Dominikanerkloster zu Pirna lebte und ein „historisch-geographisches Sammelwerk“ verfaßte, das jetzt in der Leipziger Ratsbibliothek aufbewahrt wird, und dem wir die meisten Nachrichten über unsere engere Heimat aus frühester Zeit verdanken), berichtet allerdings, daß im Jahre 1430 die Hussiten unter Anführung des Procopius „slos und Radeberck“ bis auf den Grund niederbrannten. Doch nach jener Urkunde kann man annehmen, daß die alte Stadt bereits 1349 verschwunden war, da dieselbe von „aldenradeberg“ redet. Es muß darum Radeberg zur Zeit der Zerstörung durch die Hussiten bereits den heutigen Standort eingenommen haben.

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Alt-Radeberg: Das Schießhaus vom Jahre 1830.

Der um die Erforschung der Heimatgeschichte sehr verdiente Lehrer Praßer in Großröhrsdorf gibt in der von ihm verfaßten Chronik vom Jahre 1869 noch folgenden Beitrag:

[18] „Unterhalb der Kirche zu Kleinröhrsdorf läuft ein uralter Weg aus dem Dorfe heraus quer durch die Fluren und wird darum der Querweg geheißen, hört aber am Walde des Dorfbergs auf. Sollte dieser Weg nicht etwa von dem Dorfe aus nach jenem alten Radeberg geführt haben, der, nachdem diese Stadt wüste geworden war, verpflanzt und auf der Radeberger Seite geebnet worden ist? – Selbst in dem Falle, daß unter jenem Hezcilsperg die Höhe hinter dem roten Vorwerke (der heutige Spitzberg) und unter dem Fischteiche der Landwehrteich gemeint sei, was jedoch ganz unwahrscheinlich ist, wird das alte Radeberg auf den oben bezeichneten Platz versetzt, da dieser Teich unterhalb des Schießhauses ausgemündet hat.“ –

Auf welche Weise Altradeberg zur wüsten Mark wurde, das meldet freilich kein Buch und keine Überlieferung. Möglich ist es, daß solches geschah in den Kämpfen zwischen den Deutschen und Wenden, oder daß eine gewöhnliche Feuersbrunst das alte Radeberg in einen Aschehaufen verwandelte. Nur selten baute man in jenen Zeiten einen zerstörten Ort wieder an ein- und derselben Stelle auf. Daß Altrabrig aber sicherlich uralt besiedelt war, kann man wohl bestimmt sagen, wenn man daran denkt, daß der alte Schloßberg schon in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt wohnliche Stätten trug, wie durch gemachte Funde bewiesen wird. Seit Jahren hat freilich der Ackerpflug alles geebnet. Vielleicht stößt man aber noch einmal auf interessante Gegenstände, wenn Neuradeberg sich immer weiter ausdehnt und jene Feldflächen zu Baustellen gebraucht werden. Dann wird „Altrabrig“ von neuem sich erheben, von dem heute wenige nur noch den Namen kennen.