Auf dem Ring in Nachod

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Titel: Auf dem Ring in Nachod
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aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 565, 568
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Blätter und Blüthen. Erinnerungen vom Kriegsschauplatze.
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[565]
Die Gartenlaube (1866) b 565.jpg

Ring und Schloß von Nachod am 28. Juni 1866.
Nach der Natur gezeichnet von D. Rechlin Sohn.

[568] Auf dem Ring in Nachod. (Mit Abbildung.) Der gegenwärtige Krieg hat einer Reihe sonst ziemlich obscurer Städte und Städtchen des nordöstlichen Böhmens zu europäischem, einzelnen selbst zu Weltrufe verholfen, – einem Rufe freilich, der mit einem Uebermaße von Noth und Jammer erkauft worden ist, das voraussichtlich noch in Jahren nicht völlig verschmerzt sein wird. Zu diesen neuen Berühmtheiten zählt auch die kleine Bezirksstadt Nachod, unweit der schlesischen Grenze, in deren nächster Umgebung in der letzten Juniwoche unser Specialartist einem der ersten bedeutenden Treffen im jüngsten großen Kampfe beiwohnte.

„Schon lagen,“ schreibt er uns, „alle Häuser des Ortes voll von Verwundeten, auch die Kirche war zum Lazarethe umgewandelt worden und noch rollten unablässig Wagen auf Wagen mit meist Schwerblessirten ein. Das Aechzen und Stöhnen der Unglücklichen, das Stampfen und Wiehern der Pferde, das Lärmen und Schreien der Fuhrleute, die Commandorufe der Officiere hörten die ganze Nacht nicht auf und ließen mich auf dem elenden Lager, das ich mit vieler Mühe endlich aufgefunden hatte, kein Auge schließen. Mit dem frühesten Morgen des 28. Juni verließ ich darum mein dürftiges Obdach und ging hinunter auf die Straße. Nach einer kurzen Wanderung kam ich auf den Markt oder Ring, wie man in Böhmen und Schlesien spricht. Es ist ein hübscher, weiter Platz, malerisch, wie in vielen dieser böhmischen Städte, links mit der stattlichen Kirche, im Hintergrunde von dem pittoresken, ehemals Wallenstein’schen Schlosse überragt, rundum von alten, interessanten Giebelhäusern hinter schönen Baumgruppen eingefaßt, ein Platz, der einen in friedlichen Tagen anheimeln könnte. Welche Schmerzensscenen stellte er mir aber jetzt vor Augen! Vor wenigen Minuten war ein neuer Transport von Verwundeten angelangt; eben wurde ein, wie es schien, schon Sterbender langsam vom Wagen heruntergehoben, ein Anderer hielt selbst den Stumpf des rechten Armes und sah sich mit Blicken voll unsäglicher Pein nach Hülfe und Erleichterung um; auf der Erde lag ein Dritter, dem gerade ein neuer Verband um den zerschossenen Arm gelegt werden sollte, während Gruppen von leichter verwundeten Oesterreichern das Gefährt umstanden oder sich matt und müde auf das Pflaster und um das Christusbild niedergesetzt hatten, welches rechts vor der alten Linde sich erhebt. Dazwischen sprengten Officiere und Ordonnanzen über den Ring, hinten zog eine Truppenabtheilung vorüber – es war ein wirres Durcheinander voller Gewühl und Leiden, das sich meinem Gedächtniß unauslöschlich eingeprägt haben würde, auch wenn ich nicht versucht hätte, es in mein Skizzenbuch zu zeichnen. Wie ich mir hierzu eine ruhigere Stelle aussuchte, grollten plötzlich dumpfe Kanonenschläge zu uns herüber. Von einem Dragonerpiquet, welches als Geleite einer Gefangenencolonne an mir vorbeiritt, erfuhr ich, daß der Donner von Skalitz kam, wo eben unter General Steinmetz ein neuer Angriff auf die Oesterreicher begonnen hatte.“