Auf den Altar des Vaterlandes!

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Textdaten
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Autor: Ernst Keil
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Titel: Auf den Altar des Vaterlandes!
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aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 159–160
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1864
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[159]
Blätter und Blüthen.

Auf den Altar des Vaterlandes! Es ist erhebende Wahrheit geworden, was ich in Nr. 5 meiner „Gartenlaube“ vorahnend aussprach: „Die Hochherzigkeit des deutschen Volks von 1813 will in unseren Tagen sich erneuen.“ Die Kunde von dem einen „Frauenschmuck für Schleswig-Holstein“, ja die Erinnerung nur an jene Opferfreudigkeit der deutschen Frauen im „heiligen Kriege“ genügte, um nah’ und fern edle Frauenherzen zu neuen Opfergaben zu begeistern, welche jenen der großen Zeit weder an Werth noch an patriotischer Wärme der begleitenden Worte nachstehen. Mit tieferregtem Gefühl gehe ich an die Veröffentlichung dieser Worte und die Darlegung der Gaben, erfüllt von der freudigen Gewißheit, daß Beide, Worte wie Gaben, kein braves deutsches Herz ungerührt lassen und Allen, die Etwas zu opfern vermögen, die Mahnung zurufen werden: „Gehet hin und thuet desgleichen!“

Für den in Nr. 5 der Gartenlaube zur Versteigerung ausgebotenen [160] „Frauenschmuck“ (Broche im Werthe von 5 Thalern) sandte „ein Deutscher in Sachsen“ (aus der Gegend von Meerane) mir 20 Thaler ein, und zwar mit folgender Bemerkung: „Fällt mir das Object zu, so ermächtige ich Sie, den Schmuck einer zweiten Versteigerung zu unterwerfen, die hoffentlich ein günstigeres Ergebniß liefern wird. Beiliegende 20 Thaler aber ersuche ich Sie, wenn mir der Schmuck nicht zufallen sollte, gleichfalls der Fr. Herzogin Adelheid v. Schl.-H. als eine meinen jetzigen Vermögensverhältnissen entsprechende Unterstützung zu dem edlen Unternehmen zugehen zu lassen.“

Dieser brave Mann ist bereits überboten durch „einen Freund der heiligen Sache des verlassenen Bruderstammes“ in St. Petersburg, welcher für den Schmuck[1] 25 Thaler bietet.

Auf den Altar des Vaterlandes sind von edlen Frauen folgende neue Gaben niedergelegt:

1) ein reiches Armband von Granaten, gesendet aus Oberammersee und begleitet von folgender Zuschrift: „Ein so gutes Vorbild – wie es die letzte Nummer (Nr. 5) Ihres geehrten Blattes brachte – verdient der Nachahmung. Verwerthen Sie auch dieses Armband zum Besten unserer nothleidenden deutschen Brüder und nehmen Sie den Dank dafür von einer Bewohnerin der Ammerseegegend.“

2) Eine goldene Broche mit Granaten;

3) ein goldenes Medaillon;

4) ein goldener Ring mit Rosette,
alle drei Werthstücke in einem Schächtelchen aus Holzminden abgeschickt und von folgenden Worten begleitet: „Herrn E. Keil ersuche ich, Beifolgendes für die bedrängten Schleswig-Holsteiner zu verwenden, mit dem Wunsche, daß das arme Volk endlich zu seinem Rechte komme.“

5) Eine goldene Broche;

6) ein Paar goldene Ohrgehänge;

7) ein goldener Ring mit Türkisen,
in einem Schächtelchen aus Schleiz gesandt mit folgenden Worten auf einem Zettelchen: „Für die armen, unglücklichen Schleswig-Holsteiner ein Scherflein, wenig, aber mit herzlicher Liebe.“

8) Eine kleine silberne, inwendig vergoldete Dose –, inliegend drei österr. Guldenstücke, mit der Zuschrift: „Auch ein Scherflein für die armen, verlassenen Brüder in Schleswig, von einer Ungenannten in Jena“;

9) ein gestickter echter Batistkragen, Werth: 3–4 Thaler, eingesandt aus Braunschweig und begleitet von einem Briefe, den wir in einer der nächsten Nummern abdrucken werden, da er in weitesten Kreisen bekannt zu werden verdient.

Neun Gaben fordern abermals zur möglichst hohen Verwerthung auf. Werden sich auch für diese so ehrende Angebote finden, wie der erste „Frauenschmuck“ sie hervorgerufen? Oder werde ich zum einfachen Verkaufe dieser Gegenstände schreiten müssen? Ich kann es mir nicht versagen, auf das Erstere zu hoffen, und werde diese neun Gaben wenigstens nicht eher durch Kauf verwerthen, als bis ich meine Hoffnung getäuscht sehen muß. Davor aber wird die Liebe zum Vaterlande und die Achtung vor den Frauen, die jeden edlen Mann erfüllen, mich sicherlich bewahren!      E. Keil.


  1. Derselbe kam mir nicht, wie eine briefliche Zuschrift dies ausspricht, von „einer deutschen Jungfrau“ in Leipzig zu, sondern das Postzeichen des Packetes zeigt auf Treuen i. V. als Absendepunkt hin.