Allgemeines Deutsches Kommersbuch:109

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 216, 217
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[216]           237.     Renommierbummel

     Singw.: Bei dem angenehmsten Wetter ec.

     1. Arm in Arm zu frohen Paaren ziehn wir in die Stadt hin=
ein, und es schallt zu unsern Schritten schmetternd unser Lied darein.

     2. Gleichwie Morgenwind vom Berge, wenn der Baum von Blüten
schwer, also braust in frohen Schlägen unsere Jugendlust einher.

     3. Liebchen, schau aus deinem Fenster, flotte Bursche ziehn vor=
bei, wirst doch gerne wissen wollen, ob der Liebste drunter sei.

G. H. Schneideck.


          238.     Lied des Waffenschmieds.     (I. 60.)

     Mäßig und ausdrucksvoll. Albert Lortzing.

     1. Auch ich war ein Jüng=ling mit lok=ki=gem Haar, an
Mut wie an Hoffnungen reich, beim Ambos von jeher ein
Mei=ster fürwahr, im Fleiße kam kei=ner mir gleich. Ich
lieb=te den Frohsinn, den Tanz, den Gesang, ich küß=te manch
Dirnlein mit ro=si=ger Wang, ihr Herz hat mir man=che ge=
weiht, ihr Herz hat mir man=che ge=weiht. Das war ei=ne
[217] köst=li=che Zeit, das war ei=ne köst=li=che Zeit!

     2. Einst waren die Mädchen so treu wie das Gold, und zog ihr
Geliebter ins Feld, so schwuren sie ihm, wenn er sterben sollt, zu
sterben gewiß unvermählt. Sie dachten noch nicht, wenn gestorben
der, wo nehmen wir gleich einen anderen her; |: sie waren noch nicht
so gescheit. :|: Das war eine köstliche Zeit! :|

     3. Einst galt das Versprechen mit Handschlag und Mund, da
hatte die Feder noch Ruh, schloß damals ein Pärchen den ehlichen
Bund, so brauchte man wenig dazu. Man schrieb im Kontrakt bei
der Liebe Schwur statt Namen und Titel ein Kreuzlein nur, das Kreuz
kam nicht nach, so wie heut. Das war eine köstliche Zeit!

     4. Wenn’s wieder so würde, wie’s einstens wohl war, wo das
Schwert nur für Recht sich erhob, wo geschlagen im Kampfe die sündige
Schar wie Spreu von dem Winde zerstob. Wenn Redlichkeit käme
als Waffenschmied und schlüg auf dem Ambos, von Glut umsprüht,
ein Schwert, nur dem Guten geweiht, das war eine köstliche Zeit!

A. Lortzing.


          239.     Vor Jena.     (III. 8.)

     Langsam und mit Ausdruck. Wilh. Stade. 1847.

     1. Auf den Ber=gen die Burgen, im Thale die Saale, die
Mädchen im Städtchen, einst al=les wie heut. Ihr wer=ten Ge=
fähr=ten, wo seid Ihr zur Zeit mir, ihr Lie=ben, ge=
blie=ben? Ach, al=le zer=streut, ach, al=le zerstreut!