Aus dem Familienleben des deutschen Kaiserhauses

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Textdaten
Autor: Unbekannt
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Titel: Aus dem Familienleben des deutschen Kaiserhauses.
Untertitel: Volksblatt. Eine Wochenzeitschrift mit Bildern. Jahrgang 1878, Nr. 11, S. 81–84
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Herausgeber: Dr. Christlieb Gotthold Hottinger
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Dr. Hottinger’s Volksblatt
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Erscheinungsort: Straßburg
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Aus dem Familienleben des deutschen Kaiserhauses.
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Prinzessin Charlotte,
Tochter des Kronprinzen des Deutschen Reichs und von Preußen Friedrich Wilhelm und der Kronprinzessin Victoria,
geboren den 24. Juli 1860,
vermählt den 18. Februar mit Erbprinz Bernhard von Sachsen-Meiningen.

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Friedrich Wilhelm,
Kronprinz des Deutschen Reichs und von Preußen, Generalfeldmarschall,
geboren den 18. Oktober 1831.

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Victoria,
Kronprinzessin des Deutschen Reichs und von Preußen,
Tochter der Königin Victoria I. von Großbritannien und Irland,
geboren den 21. November 1840, vermählt den 25. Januar 1858.

Königin Luise, die Mutter unseres Kaisers, schrieb einst die Worte: „Es ist mein heißester und liebster Wunsch, meine Kinder zu wohlwollenden Menschenfreunden zu bilden; auch nähre ich die frohe Hoffnung diesen Zweck nicht zu verfehlen.“ In einem kurz vor ihrem Tode an ihren Vater gerichteten Briefe heißt es: „Unsere Kinder sind unsere Schätze, und unsere Augen ruhen voll Zufriedenheit und Hoffnung auf ihnen. Unser Sohn Wilhelm wird, wenn mich nicht Alles trügt, wie sein Vater einfach, bieder und verständig. Auch in seinem Aeußeren hat er die meiste Aehnlichkeit mit ihm; nur wird er, glaube ich, nicht so schön.“ Dem Urtheile der Mutter über ihren zweitgeborenen Sohn Wilhelm wollen wir das eines Franzosen hinzufügen, welches derselbe zur Zeit des deutsch-französischen Krieges fällte; es lautet: „Der König ist so ruhig, fromm und demüthig und so einfach, innerlich wahr, ein König von Gottes Gnade.“ Stimmen nicht Tausende, welche die Heldengestalt unseres Kaisers sahen, sein freundliches Antlitz betrachteten, mit ihm sprachen, sein Thun und Lassen sich vergegenwärtigen, in dieses Urtheil ein? Der ruhige gewissenhafte Bürger wird seinem Fürsten zwar auch dann den Gehorsam und selbst Achtung vor seiner Würde nicht versagen, wenn derselbe sich in seinem Lebenswandel nicht fürstlich zeigt, aber welche Liebe wird er dem entgegenbringen, der bei Freund und Feind als die Zierde eines Thrones anerkannt wird! In der That, nicht die 81 Jahre, welche für unsern Kaiser am 22. März d. J. verflossen sind, nicht dieses hohe Alter allein, auch nicht bloß die großen Thaten, welche er vollbracht hat, machen ihn Jedem, dessen Herz am rechten Flecke schlägt, so ehrwürdig; auch an den Adel seiner Seele, sein schlichtes, frommes Wesen denken wir, wenn wir zum Geburtstage unseres Reichsoberhauptes mit vielen, vielen Tausenden vom Grund unseres Herzens den Wunsch aussprechen:

„Gott erhalte uns unsern Kaiser Wilhelm noch lange zum Segen.“

Seine Gemahlin Auguste (am 30. September 1811 als Prinzessin von Sachsen-Weimar geboren) theilt seit dem 11. Juni 1829, also seit bald 50 Jahren, mit ihm Freud und Leid und hat sich in zahllosen Fällen durch Werke der Liebe und Barmherzigkeit als treue Landesmutter bewährt. Blicken wir hin auf die zwei Kinder, welche sie ihrem Gemahl schenkte, so können wir die große mütterliche Sorgfalt ahnen, mit welcher sie dieselben erzog.

Wer kennt ihn nicht und wer würde ihn nicht lieben, wenn er ihn kennt, den Kronprinzen des Deutschen Reichs und von Preußen, Friedrich Wilhelm? Es ist in hohem Grade anziehend zu lesen, wie sein Schwiegervater, Prinz Albert von Sachsen-Koburg-Gotha, über ihn dachte, als er sich im Jahre 1857 mit seiner jetzigen Gemahlin Victoria verlobte. Er äußerte sich einem Freunde gegenüber:

„Der junge Mann trug mit Erlaubniß seiner Eltern und des Königs uns sein Anliegen vor; wir unsererseits nahmen es an, ersuchten ihn aber, es betreffs des anderen Theiles bis nach geschehener Confirmation in der Schwebe zu erhalten. Bis dorthin soll die einfache Unbefangenheit des Mädchenthums ungestört verbleiben. Im Frühjahr wünscht der junge Mann sie selbst um ihre Hand zu bitten und wo möglich mit seinen Eltern und seiner verlobten Schwester zu uns herüberzukommen. Der 17. Geburtstag soll verstreichen, bevor an die Hochzeit gedacht wird, und diese kann daher nicht vor dem nächsten Frühjahr Statt finden. Das Geheimniß soll bewahrt werden, nachdem die Eltern und und der König sofort von der Sachlage unterrichtet worden sind – nämlich, daß wir, die Eltern, und der junge Mann eine Verpflichtung eingegangen sind, soweit eine solche Verpflichtung möglich ist, daß aber die junge Dame erst nach ihrer Confirmation befragt werden soll. Der junge Herr soll uns am 28. wieder verlassen. Diesen Punkt stellte er unserem Ermessen anheim, und ich schlug vierzehn Tage als eine Frist vor, die für einen Besuch dieser Art weder zu lang noch zu kurz sein dürfte. Er gefiel mir sehr. Seine hervorragenden Eigenschaften sind Gradheit, Offenheit und Ehrlichkeit. Er scheint frei von Vorurtheilen und ganz besonders voll guter Absichten zu sein und fühlt sich, wie er sagt, persönlich sehr von Vicky (Verkleinerungsname für Victoria) angezogen. Daß diese keine Einwendung zu machen haben wird, betrachte ich als wahrscheinlich.
Eine Woche später schrieb der Prinz wieder an denselben Freund: „Victoria (die Königin) ist sehr aufgeregt, doch geht alles glatt und vernünftig von Statten. Der Prinz ist wirklich verliebt, und das kleine Dämchen thut ihr Bestes, um ihm zu gefallen... Uebermorgen verabschiedet sich der junge Herr. Heute erhielten wir die Antwortschreiben von Coblenz, woselbst sie hocherfreut sind; von dem König wurde die Mittheilung mit herzlicher Befriedigung aufgenommen. Was die Hinausschiebung der Verlobung bis nach der Confirmation und der Hochzeit bis nach dem 17. Geburtstag betrifft, sind sie mit uns vollständig derselben Meinung. Lord Clarendon schickt herzliche Glückwünsche zur Verbindung und hat die höchsten Lobsprüche über den jungen Mann gehört.“
Prinzeß Victoria wußte sehr bald, woran sie war. Am Tage nach der Abreise des Prinzen schrieb ihr Vater:
„Prinz Friedrich Wilhelm verließ uns gestern. Vicky benahm sich wahrhaftig ganz bewunderungswürdig, sowohl während der genaueren Erklärung am Samstag, als bezüglich der Selbstbeherrschung, die sie später und auch beim Abschied an den Tag legte. Gegen Fritz und uns selber zeigte sie die kindlichste Einfachheit, Offenherzigkeit und Gefühlswärme. Die jungen Leute lieben einander zärtlich; die Reinheit, Unschuld und Selbstlosigkeit des jungen Mannes waren wahrhaft rührend... Thränen wurden im Ueberfluß vergossen. Während die erregbaren Naturen der beiden jungen Leute und der Mutter mächtig und sichtbar bewegt waren, fühlte ich selber mehr herzliche Befriedigung und Dank gegen Gott, daß er so viel Edles und Gutes auf unsern Lebenspfad gebracht, wo es das Lebenslück derjenigen, die er mit jenen Vorzügen ausgestattet und die mir so theuer sind, fördern dürfte und gewiß fördern wird.“

Vor wenigen Wochen hat auch schon die kronprinzliche Familie ihre älteste Tochter in ihr eigenes Heim geleitet. Und wenn des deutschen Kaisers [84] Enkelin ihre Hand nicht ebenfalls einem Kaisers- oder Königssohn gegeben hat, sondern mit dem Sohne eines deutschen Herzogs ihre Geschicke theilen will, so dürfen wir daraus schließen, daß hier nicht die Rücksicht auf die höhere irdische Ehre, sondern das Herz gesprochen hat. Kronprinzessin Victoria soll gesagt haben: „Meine Töchter sollen nicht heirathen, um Kronen zu tragen, sondern um glücklich zu werden.“ Ein herrliches Wort!

Wie lieblich ist das Bild der Kaisersenkelin, welches unsere heutige Nummer enthält! Wie viele Frauen könnten sich ein Beispiel nehmen an der Einfachheit, welche in der kaiserlichen Familie herrscht! Wohl bringt es die Sitte mit sich, daß bei besonderen Gelegenheiten großer Glanz von Seiten des kaiserlichen Hofes entfaltet wird; bei der Schilderung der Vermählungsfeierlichkeiten in unserer vorigen Nummer war davon viel zu berichten, und wohl bekam man da den Eindruck:

„In Königsstädten schimmert des Goldes reiche Pracht,“

aber die Hauptsache bleibt doch immer, wie es im Herzen dessen steht, der Purpur und Gold an sich trägt, ja, wie die irdischen Verhältnisse sich nun ein Mal gestaltet haben, an sich tragen muß – gar manches Mal gegen seine Neigung. Wenn Du, freundlicher Leser, das Bild der Tochter unseres Kronprinzen betrachtest, scheint es nicht auch Dir, daß dieselbe ihr Herz nicht an die Güter gehängt habe, welche das Leben vergänglich zieren? Ein hochmüthiges Herz schlägt oft unter einem Bettlergewande, während Demuth hinter Gold sich bergen kann.

Des Kaisers einzige Tochter Luise (geboren den 3. Dezember 1838) beglückt seit dem 20. September 1856 Badens edlen Großherzog Friedrich und dessen Volk. Du könntest in Badens schönen Auen, Land auf, Land ab, Dich erkundigen und überall würdest Du hören, wie innig dort das Fürstenhaus geliebt wird.

Und nochmals fragen wir im Hinblick auf den deutschen Kaiser selbst, im Hinblick auf die Seinigen, im Hinblick auf all das, was das Deutsche Reich und Volk von denselben erhielt, an denselben hat: Könntest Du Dich ausschließen wollen, wenn am 22. März vieltausendfach das Gebet zum Himmel emporsteigt:

Gott segne Kaiser Wilhelm!