Aus des Grafen Adolf IV. Jugendzeit und von Hamburgs Geschicken

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Textdaten
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Autor: Otto Beneke
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Titel: Aus des Grafen Adolf IV. Jugendzeit und von Hamburgs Geschicken
Untertitel:
aus: Hamburgische Geschichten und Sagen, S. 52–55
Herausgeber:
Auflage: 2. unveränderte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Perthes-Besser & Mauke
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Erscheinungsort: Hamburg
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Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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[52]
20. Aus des Grafen Adolf IV. Jugendzeit und von Hamburgs Geschicken.
(1203–1225.)

Nach Adolf’s III. Verzicht herrschten die Dänen und ihre gewaltthätigen Amtleute im Lande. König Waldemar hatte über ganz Nordalbingien den Grafen Albrecht von Orlamünde als Statthalter gesetzt. Und die Holsteiner, die zuvor wohl hätten treuer zu ihrem rechtmäßigen Herrn halten können, wünschten sich jetzt sein Regiment zurück. Die Edlen des Landes kamen insgeheim zusammen, und schürten Botschaft nach der Schauenburg, der Graf möge nur wieder kommen, [53] ganz Holstein harre seines rettenden Armes mit Verlangen. Aber der edle Graf Adolf blieb seinem Eide treu, und schlug ihre verlockende Ladung aus. Da, als die allgemeine Noth immer höher stieg, sandten die Holsteiner die edle Frau von Deest, Herrin auf Kellingdorf bei Wilster, mit demselben Anliegen an Adolf. So beredt sie auch die Bitte vorbrachte, dennoch war’s vergeblich. Aber der Sohn des Grafen, wie sein Vater Adolf geheißen, ein schöner Knabe von 12 bis 14 Jahren, der wurde lebendig ergriffen von den Worten der edlen Frau, als sie das Unglück des Landes schilderte. Und ein Heldenfunken entzündete in ihm das Verlangen: dem Lande seiner Väter dereinst ein Retter zu werden. Die kluge Gesandtin fachte das Feuer an, und so geschah es, daß der Vater einwilligte, den Sohn mit ihr nach Holstein ziehen zu lassen, damit er dort an Ort und Stelle seiner künftigen Thaten, seiner hohen Bestimmung gemäß erzogen werde. Also lebte der junge Graf fortan heimlich und verborgen auf Kellingdorf bei der Frau von Deest, unter der Leitung der Edelsten des Landes zu allen ritterlichen und fürstlichen Tugenden wie zur Frömmigkeit und Gottesfurcht trefflich erzogen und herangebildet. Die Dänen ließen sich’s freilich nicht beifallen, daß der rechtmäßige Erbe des von ihnen geraubten Landes so nahe bei ihnen weile. Aber die Holsteiner wußten es, und da sie in dem herrlich aufblühenden Jünglinge den künftigen Retter und Fürsten freudig erkannten und begrüßten, so getrösteten sie sich dessen in traurigen Zeitläuften mit Hoffnung und Zuversicht.

Inzwischen waren neue Kriegsunruhen über Stadt und Land gekommen. Heinrichs des Löwen Sohn, Otto IV., bekriegte den König Waldemar und nahm Hamburg, welches dann wieder von diesem belagert wurde (1216). Waldemar baute eine Burg dicht vor der Stadt auf der Höhe des Eichholzes, [54] von wo aus er nicht nur Wurfgeschosse hinein warf, sondern auch alle Zufuhr land- wie elbwärts abschnitt. Zu gleichem Zweck hatte Waldemar’s Statthalter und Marschall, der Graf von Orlamünde, hinter Schiffbeck auf der Uferhöhe der Bille, ein Castell gebaut. Also eingeengt und halb ausgehungert, ohne Aussicht auf Entsatz, ergab sich endlich die arme Stadt, in der dann die Feinde nach Kriegsgebrauch übel haus’ten. Dann verkaufte Waldemar die Stadt Hamburg mit allen kraft der Eroberung daran gewonnenen Hoheitsrechten an den Grafen von Orlamünde (1216) fur 700 Mark Silbers. Dieser bezeigte sich gegen die Stadt als ein milder guter Regent, beförderte ihre Wohlfahrt, so gut er konnte, wie er denn überhaupt oftmals der Dänen Uebermuth im Lande zügelte, und eben so tapfer als bieder war. Schade, daß er seine Lehnstreue dem Dänenkönige, und nicht der Deutschen Sache beweisen mußte.

Der Friedensversuche unerachtet, mehrten sich nun die Kriegsunruhen, zumal nachdem (1223) der Graf Heinrich von Schwerin den König Waldemar auf einer Dänischen Insel gefangen genommen und auf Schloß Daunenberg in Haft gebracht hatte. Der Graf von Orlamünde, zum Dänischen Reichsverweser erkoren, hatte schweren Stand, denn Alles rüstete sich in Holstein und Mecklenburg, die Dänenherrschaft abzuwerfen, und des jungen Grafen Adolf Anwesenheit begann ruchtbar zu werden. Da gedachte der Graf von Orlamünde seine Rechte auf Hamburg bei Zeiten zu verwerthen, ehe sie ihm wieder genommen würden, zugleich auch durch Wohlthaten die Bürger zu gewinnen, daß sie in dem drohenden Kriege mindestens nicht gegen die Dänische Parthei auftreten möchten. Darum bestätigte er ihnen alle vom Grafen Adolf III. verliehenen Rechte und Freiheiten; ja, als die Hamburger den günstigen Augenblick weise benutzten, willigte er gern in ihr [55] Begehr, und verkaufte ihnen seine eigenen Hoheitsrechte über ihre Stadt um 1500 Mark Silbers (etwa 35,000 [M.][1] nach einer Berechnung im sechszehnten Jahrhundert), so daß die Stadt durch diesen Kaufvertrag ihrer Unterthänigkeit los und ledig wurde (1224). Das war denn der erste, freilich noch auf schwachem Fundamente, auf den Loskauf von eroberten Rechten, stehende Anfang der Unabhängigkeit der freien Stadt Hamburg.

Der Graf Orlamünde zog dann zu Felde, bei Möln (1225) verlor er eine Schlacht und kam als Gefangener zu seinem königlichen Herrn nach Dannenberg; der junge Erbe Holsteins trat als Graf Adolf IV. aus der Verborgenheit auf den Kriegsschauplatz, das ganze Land fiel huldigend ihm zu.

Anmerkungen

[376] Nach denselben Quellen und den gedruckten Chroniken. Eben so die folgenden Erzählungen. Die Burg bei Eichholz veranlaßte den Namen Feendsbarg (Feindsberg), woraus lächerlich genug der Straßenname Venusberg entstanden ist.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. lübische Mark