BLKÖ:Aucher, Pasqualis

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Auer, Leopold
Band: 14 (1865), ab Seite: 384. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1055197826, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Aucher, Pasqualis|14|384|}}

* Aucher, Pasqualis (gelehrter Armenier, geb. zu Ancyra in Kleinasien im Jahre 1774, gest. 24. November 1854 oder 1855). Jüngerer Bruder des Johann Baptist [s. d. Vorigen], wählte in früher Jugend gleich diesem das Klosterleben und trat auch in das armenische Kloster zu St. Lazarus in Venedig. Dort bildete er sich neben theologischen Studien auch in jenen der alten und neuen Sprachen. Dann machte er Reisen durch die meisten Staaten Europa’s und trat mit den ersten Gelehrten von Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Holland, Italien und Oesterreich in brieflichen wissenschaftlichen Verkehr. Als Lord Byron im Jahre 1816 nach Italien kam und über drei Jahre in Venedig verweilte, wählte er zur Erlernung der neugriechischen und armenischen Sprache den schon damals ob seiner sprachlichen Kenntnisse hochgeschätzten Aucher zu seinem Lehrer, bei dem er während zwei Jahren so tüchtige Kenntnisse, insbesondere in der letzteren der genannten Sprachen erwarb, daß er mehrere kleinere Stücke aus dem Englischen in’s Armenische übersetzte, welche auch gedruckt erschienen. Aucher’s Ruf als Polyglott stieg mit jedem Jahre, und wenn er als solcher auch dem berühmten Mezzofanti nachstand, so hatte er doch noch immer eine ungewöhnlich große Menge von Sprachen vollkommen in seiner Gewalt und bewies es durch eine Reihe in der Wissenschaft anerkannter linguistischer Werke. Er verstand und sprach die alte und neuarmenische Sprache, das Alt- und Neugriechische, das Türkische, Lateinische, Italienische, Französische, Englische, Deutsche, Ungarische, besaß gründliche Kenntnisse in der älteren und neueren Literatur derselben, und nicht selten besuchten Fremde und vornehmlich Engländer das armenische Kloster, um den berühmten Linguisten, und letztere, um den Lehrer ihres großen Dichters kennen zu lernen. Unter den zahlreichen Werken A.’s, welche im Drucke erschienen sind, stehen obenan seine lexikalischen, und zwar sein „Dictionnaire Anglais-Arménien et Arménien-Anglais“, 2 vol. (Venedig 1821–1825, 4°.); – „Dictionnaire Français-Arménien-Turc“, 1 vol. (ebd. 1840, gr. 8°.); – „Dictionnaire Arménien-Français“, die erste Ausgabe ist bereits vergriffen, eine zweite befand sich im Jahre 1858 unter der Presse; – „Grammaire Anglaise-Arménienne“ (Venedig 1816, 8°.); – „Grammaire Arménienne-Anglaise avec quelques traductions faits par Lord Byron et un Receuil de morceaux choisis des auteurs arméniens“ (Venedig 1833, 8°.); außerdem sein großes Lexikon der altarmenischen und ein zweites der altgriechischen Sprache, sein deutsch-armenisches Lexikon und seine Grammatiken der griechischen und deutschen Sprache. Ferner übersetzte er in 24 verschiedenen Sprachen theils selbst, theils ließ er unter seiner unmittelbaren [385] Leitung übersetzen, ein Andachtsbuch auf die 24 Stunden des Tages, das Nersetes Clajensis, ein Patriarch der armenischen Kirche aus dem 12. Jahrhunderte, verfaßt hat; A. ist ferner der Verfasser der „Notice sur la Congrégation de peres Mekhitaristes de Venise“ (Venedig 1819, 12°.), welche Schrift in armenischer und italienischer Sprache erschien und mit einer Ansicht der Insel St. Lazarus ausgestattet ist. Bis in sein hohes Alter thätig, starb er, 81 Jahre alt, und hinterließ den Ruf eines der ersten Linguisten neuerer Zeit.

Gazzetta uffiziale di Milano 1854, in einem der December-Feuilletons. – Catalogue des livres de l’imprimerie arménienne de Saint Lazare (Venise 1858, typogr. arménienne, 8°.) p. 6 et 7. – Porträt. Aucher’s Porträt befindet sich vor seiner Notice sur la Congrégation etc.