BLKÖ:Benedict, Markus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Benedetti, Thomas
Band: 1 (1856), ab Seite: 269. (Quelle)
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Benedict, Markus (Talmudist und mährisch-schlesischer Landesrabbiner, geb. zu Sürge, Stuhlweißenburger Comitat in Ungarn, gest. zu Karlsbad 1829). Ist der Sohn sehr frommer aber armer jüdischer Aeltern. Die Mutter war eine Enkelin des berühmten Frankfurter Rabbiner Naphtali Kohn; der Vater ein Abkömmling des berühmten Chacham Zewi. Da B. in frühester Jugend seltene Geistesanlagen zeigte, brachte ihn die Mutter nach Nikolsburg zur Großmutter. Der dortige Vorsteher der Talmud-Tora unterstützte die Talente des Knaben durch Lehrer, die er ihm hielt, und im 11. Jahre schickte er ihn auch nach Ittingen im Elsaß. Bis zu seinem 13. Jahre hatte B. schon einen Commentar über den Pentateuch, einen Band Talmudischer Dissertationen und noch einen dritten Commentar geschrieben. Im Hause des Rabbiners zu Ittingen, der den Jüngling seiner seltenen Geistesgaben wegen sehr liebte, wurde er vom Hasse der Frau des Rabbiners, die seinetwegen ihren 13jährigen Sohn zurückgesetzt glaubte, verfolgt, und diese vergaß sich in ihrem Zorne so weit, daß sie alle Manuscripte des Jünglings ins Feuer warf. In Folge dieses Ereignisses wandte sich B. auf einige Zeit vom Talmud ab, trieb andere Studien der hebräischen Theologie, kehrte aber dann wieder zum Talmud zurück. Mit 20 Jahren heiratete er, war aber, als sein Schwiegervater starb, bald großer Dürftigkeit preisgegeben. Nun erhielt er erst eine Unterrabbinerstelle zu Nikolsburg, kam aber bald darauf als Oberrabbiner [270] nach Ungarn, bis er 1790 als Oberlandesrabbiner nach Nikolsburg berufen wurde, und durch kaiserl. Diplom als höchste rabbinische Instanz in Mähren anerkannt wurde. B. schrieb: „Biur Mord’chai“ (Wien bei Schmid), worin ein Commentar des Talmud enthalten, und mehrere kleinere hebräische Schriften, welche Belege seiner gründlichen und gediegenen israel. Gelehrsamkeit sind. Als man eine fernere Auflage des Talmud und talmudischer Werke verbieten wollte, war B. (und nicht ohne Erfolg) einer der rüstigsten Kämpfer dagegen. Um seine schon sehr zerrüttete Gesundheit zu stärken, ging B. 1829 nach Karlsbad, wo er aber bald starb. Seine Leiche wurde zuerst in Lichtenstadt (etwa 2 St. von Karlsbad) bestattet, im J. 1830 aber wieder ausgegraben, seinem Willen gemäß nach Nikolsburg gebracht, und neben den Gräbern der Oberlandesrabbiner beigesetzt. B. stand bei seinen Glaubensgenossen und bei der Behörde in hohem Ansehen, sowohl seiner Rechtlichkeit und Redlichkeit, als seiner großen talmudischen Gelehrsamkeit wegen. Ein Feind der Klügeleien und Deuteleien, worin bis auf ihn das Rabbinerthum zu glänzen suchte, war er bemüht, die jüdische Theologie von allen ihren Schlacken zu reinigen, und jüdisches Wissen in seiner vollen Reinheit herzustellen. Verstand und Herz, diese zwei im jüdischen Glauben sich lange schroff gegenübergestandenen Elemente, suchte B. zu vermitteln, und war selbst das erhebende Beispiel eines von der Wahrheit und Heiligkeit allein geleiteten, strenggläubigen und zugleich geistig erleuchteten Rabbi. Seine Wohlthätigkeit war sehr groß, und noch als Bachur in Nikolsburg im Hause des M. Karpeles seines großmüthigen Beschützers, fastete er täglich bis Mittag, um den Ersatz für sein Frühstück seinen ärmern Mitschülern schenken zu können. Als er 50 J. alt war, trennte er sich, ohne Scheidung, blos um ungestört und in ungetrübter Versunkenheit seinen Studien obliegen zu können, und im vollsten Einverständnisse von seiner Gattin, die, obwohl er sie innig liebte, sogleich sein Haus verließ, und mit welcher er nie mehr allein sprach. Als Charakterzug von ihm sei hier folgendes erwähnt: „Als B. Oberlandesrabbiner in Nikolsburg war, besuchte Kronprinz Ferdinand (nachmaliger Kaiser Ferdinand I.) am großen Versöhnungstage die Synagoge. Eben wurde das Schlußgebet verrichtet, und B. fungirte als Vorbeter. Als der Kronprinz eintrat, zog ein leises Gemurmel durch den Tempel. B. in stiller Andacht versunken ließ sich nicht stören. Als er aber geendet, begann er mit lauter Stimme den vorgeschriebenen Segensspruch beim Anblicke gekrönter Häupter.“

Reich (Ign.), Beth-El. Ehrentempel verdienter ungarischer Israeliten (Pesth 1856, Bucsánsky, 4°.) I. Hft. S. 7. – Aberl Benedict (Sohn des Obigen), Biographie des Markus Benedict (Ofen 1832). – Der Orient 1840. – Bikure Haitim 1832 (Ein Trauergedicht auf B.’s Tod von Jehuda Jeitteles). – Sigurim (Prag 1853), enthält Charakterzüge aus B.’s Leben von seinem Schüler Israel Fürth, Rabbiner zu Strakonitz. – Handschriftliche Mittheilung des Herrn Wolf in Wien.