BLKÖ:Cammerer, Sebastian

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Camerra, Antonio
Band: 2 (1857), ab Seite: 244. (Quelle)
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Cammerer, Sebastian (Benedictiner-Pfarrer, geb. 1754 in Ober-Oesterreich, gest. bei Wien am 1. April 1810). Von armen Eltern geboren, studirte er zu Linz und faßte Neigung zum geistlichen Stande. In dieser Absicht ging er 1777 nach Wien und ließ sich daselbst in das Schottenkloster aufnehmen. Bald zog er durch seine wissenschaftliche Bildung, durch seinen Sinn für die lateinische und deutsche Literatur die Aufmerksamkeit des Convents auf sich. Das Geschichtstudium namentlich hatte er mit solcher Liebe gepflegt, daß er Zeitepochen und Begebenheiten, Personen und Daten mit Genauigkeit recitiren konnte. Auch in der Mathematik war er zu Hause. So entstand zwischen ihm und den gleichgesinnten Männern des Convents ein inniger geistiger Bund, den sein biederer Charakter unauflöslich machte. Allein eben durch sein wissenschaftliches Streben verfiel auch er dem Wahne seiner damaligen Standesgenossen, die alles andere Wissen dem Studium der Theologie entgegen und schädlich hielten. Er ward nicht befördert und nur, als man Noth an Mann hatte, übergab man ihm die Kanzel der Mathematik im Stifte. Später finden wir ihn als Vicar zu Gumpendorf. Schon damals hatte sich in Folge seiner Studien eine bedeutende [245] Leberkrankheit entwickelt. Dies und das Bedürfnis geistig beschäftigt zu sein ohne gerade an’s Pult sich fesseln zu müssen, führte ihn zum Studium der Botanik und schon nach drei Jahren war er vollkommen in diesem Fache. Am meisten interessirte ihn die österreichische Flora. Er ließ sich’s nicht verdrießen, die unwegsamsten Pfade, die steilsten Berghänge aufzusuchen, um die bescheidenen Kinder der schonen Natur zu pflücken, und so brachte er endlich eine „Flora austriaca“ zu Stande, in der er selbst Manches berichtigte, was Linné entging. Ganz besondere Aufmerksamkeit wendete er auch der Kenntniß und den Eigenschaften der Giftpflanzen zu, und er gedachte, die hier gewonnenen Erfahrungen bei Muße zu veröffentlichen. Einem Lieblingswunsche nachgebend, nämlich in der Nähe seines Jugendfreundes, des damaligen Schottenprälaten, weilen zu können, ließ er sich auf die Pfarre St. Ulrich versetzen. Nach dritthalb Jahren eines schweren Dienstes sehnte er sich aber in die Stille des Landlebens zurück, um seinem wissenschaftlichen Streben genügen zu können; er erhielt auch bald eine Pfarre in der Nähe Wiens, genoß aber nur kurze Zeit dieses Glück. Seiner Berufspflicht als Seelenhirt folgend, brachte er von dem Krankenlager eines Landmannes, dem er die geistliche Tröstung spendete, ein tödtliches Nervenfieber heim. Nach 7 Tagen war er erlegen. Er hinterließ 34 Hefte von ihm selbst nach der Natur abgezeichneter und illuminirter Gewächse, die nur ihrer letzten Feile gewärtig waren; was mit ihnen geschehen, ist unbekannt.

Annalen der Literatur und Kunst des In- und Auslandes (Wien 1810, A. Doll, 8°.) Jahrg. 1810, II. Bd. S. 511.