BLKÖ:Cházár, Andreas von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Cherrier, Nikolaus
Band: 2 (1857), ab Seite: 334. (Quelle)
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Cházár, Andreas von (Publizist, geb. zu Jólész im Gömörer Comitate Ungarns 5. Juni 1745, gest. am 28. Jänner 1816). Besuchte die evangelische Schule zu Berzethen, 1756 das evangelische Gymnasium zu Dopsina, 1759 das damals berühmte Collegium zu Eperies, 1762 das evangelische Gymnasium zu Käsmark, dessen Leitung Carlovszky führte und 1765 jenes zu Preßburg, wo Benzur lehrte. 1766 nahm er bei dem Raaber Advocaten Tisztapataki die juridische Praxis und wurde schon im folgenden Jahre zu Torn Advocat. Alsdann arbeitete er bei Lipovniczky in Eperies und 1770 bei Parniczky in Pest. Sein Ruf als Rechtsgelehrter verbreitete sich bald im Lande, und 1773 führte er zu Rosenau schon selbst Prozesse vor Gericht. 1790 wurde er zum ordentlichen Notar des Gömörer Comitates ernannt und mußte nun vieles von Amtswegen schreiben, was auf öffentliche Kosten gedruckt wurde. Seine bemerkenswerthesten Schriften sind: „De libertati preli“, welche berühmte Abhandlung über die Preßfreiheit [335] in mehrere Sprachen übersetzt wurde; – „Origines juraque hospitum Teutonum“ (1789), welche Schrift er dem Kaiser Joseph II. dedicirte; – „Hungaria semper sua“ (Eperies 1785); – „De crimine laesae majestatis“ (1789). Im J. 1787 erschien auf seine Kosten das Werk des Martin Lautsek: „Az elsö keresztényeknek ama 10 fő üldözésekröl szólló História“, d. i. Geschichte der zehn ersten Christenverfolgungen (Pressburg); – noch schrieb er, „A Magyar Nemzethey“, d. i. An die ungarische Nation (Tyrnau 1806, Jellinek, 8°.); – „Dissertatio de suppliciis capitalibus“ (Leutschau 1807, C. Mayer, 8°.), worin er aus philosophischen Gründen die Todesstrafe verwirft; – „Analisis Opellae de lingua, adminiculis et perfectione ejus in genere et lingua hungarica in specie etc. per Joannem Fejes auctore A. Cházár“ (Leutschau 1807, C. Mayer, 8°.), eine im heftigen Tone verfaßte Streitschrift, betreffend die Einführung der ungarischen Nationalsprache zur öffentlichen Gerichtssprache; – „Rosnavia pro nationali Gymnasio in inclito Comitatu Gömör et Kis-Hontu articulariter unito prae caeteris maxime idonea“ (Leutschau 1808, J. C. Mayer), worin er das Schulwesen seiner evang. Glaubensgenossen mit Wärme vertritt. C.’s Thätigkeit hatte längst auf ihn die Blicke gelenkt und es hatten ihn die Gömörer, Torner, Honther, Abuyvarer und Liptauer Gespannschaft zum Beisitzer der Gerichtstafel ernannt; die evangel. Gemeinden der Gömörer Gespannschaft, aber im J. 1791 als Deputirten zur Pester Synode gesendet, bei welcher er die Stelle eines Notars in Matrimonial-Sachen bekleidete. Als Philantrop bewährte er sich durch die Gründung des Taubstummen-Institutes zu Waitzen, wozu er selbst eine ansehnliche Summe beisteuerte, dann aber in öffentlichen Blättern einen Aufruf zu Geldbeiträgen einrücken ließ; durch seinen Eifer kam das Institut zu Stande. Auch zur Verbesserung der Landwirthschaft trug C. wesentlich bei; ließ viele unfruchtbare Strecken anbauen und war der Erste, welcher die Cultur des Klee’s und anderer Futterkräuter in das Gömörer Comitat verpflanzte. In dem vor seinem Tode verfaßten Testamente ordnete er an, daß wenn seine Familie ausstürbe, alle seine Habe zum Ankaufe von Büchern verwendet und diese Bibliothek zum allgemeinen Gebrauche im Gartengebäude seines Gutes zu Jólész aufgestellt werde. Diese mehrere tausend Bände starke Sammlung kam später in die Schulbibliothek nach Rosenau, wo sie sich noch befindet.

Annalen der Literatur und Kunst des In- und Auslandes (Wien 1810, A. Doll, 8°.) Jahrg. 1810, II. Bd. S. 128 [setzt den 5. Juli 1745 als C.’s Geburtsdatum an; diese Biographie ist ein Auszug aus der 1803 von Sam. Ambrosius verfaßten latein. Biographie C.’s]. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. ungar. Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreib. Von Jakob Ferenczy und Josef Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich) S. 70 [setzt den 5. Juni als sein Geburtsdatum an].