BLKÖ:Crivelli, Ferdinand

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Crivelli, Anton
Band: 3 (1858), ab Seite: 29. (Quelle)
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Crivelli, Ferdinand (Architekt, geb. zu Bergamo 16. Juni 1810, gest. ebenda 5. April 1855). Erhielt den ersten Unterricht in seiner Vaterstadt, setzte seine Studien in Mailand fort, wo er sich der Architektur zuwendete. Darauf besuchte er in seiner Vaterstadt die Accademia Carrara, in welcher, als er sie verließ, seine Prüfungsarbeit als die beste anerkannt wurde. Wieder nach Mailand zurückgekehrt, vollendete er seine Studien in der Akademie der Künste, wo er durch 5 Jahre die Ornamentik und Perspectivzeichnung betrieb. Auf einem Concurse wurde unter 18 Bewerbern seine Arbeit ausgezeichnet „per la bella e savia maniera di architettare ordinatamente“, wie es im Berichte über die Preisarbeiten hieß. Mit der Theorie verband er auch die Praxis, besuchte öfter das Atelier des Ingenieurs Cusi, der damals Adjunct im Amte der öffentlichen Bauten zu Bergamo war, in Mailand des Ingenieurs [30] Jakob Tazzini, Architekten und Inspectors der Bauten des viceköniglichen Hofes und studirte unter Carlo Paganini fleißig Algebra und Geometrie. Bei den großen Preisausschreiben für Architektur im J. 1835 erhielt er die goldene Medaille. Seine erste Arbeit war die Kirche Sant’ Andrea; ein Werk durch die Harmonie des Stils und die Schönheit der Ausführung gleich bedeutend, dessen Schöpfer die classische Schule eines Palladio und Quarenghi nicht verleugnet. Ein neues Feld, auf welchem er sein schönes Talent entfalten konnte, bot sich ihm, als er vom Municipium der Stadt Bergamo den Auftrag erhielt, das Lyceum und das Gymnasium in Bergamo zu bauen. Auch diese Aufgabe löste er vollkommen, zugleich setzte er seine Studien fort und erhielt 1837 an der Universität von Pavia das Diplom eines Architekten, zu welchem sich, nachdem er einige Zeit unter dem berühmten Ingenieur Pagnoncelli gearbeitet, das Diplom eines Ingenieur gesellte. Von seinen übrigen Arbeiten sind anzuführen der Grundriß eines Hospitals, welches in Romano gebaut werden sollte, der Altar in der Kirche von Adrara S. Martino, die Restauration des Hauses des Grafen Bartolomeo Suardi, die Vollendung der Casa Serassi, welche nach einem andern Plane begonnen worden; die Restauration des Theaters Ricoardi, und in den letzten Jahren die schwere Restauration der Kuppel der Kathedrale von Bergamo, wo die Kühnheit in der Ausführung allgemein bewundert wurde. „Auch er“, schreibt Einer seiner Biographen, „mußte die intriguante Mittelmäßigkeit sich vorziehen sehen, und die Kränkung darüber mochte mit eine der Ursachen des Todes sein, der ihn in der besten Manneskraft dahinraffte.

Giornale dell’Ingegnere-Architetto ed Agronomo. Anno II. (Milano 1854) S. 561. – Giornale di Bergamo 1855, Nr. 33; „Nekrolog“ von Angelo Ponzetti.