BLKÖ:Eberhöfer, Franz (2. Artikel)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Eder, Dominik
Band: 14 (1865), ab Seite: 431. (Quelle)
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* Eberhöfer, Franz (Naturdichter, geb. zu Martell in Tirol). Zeitgenoß. Er wird gemeiniglich der Lateiner Franz genannt und ist ein in jeder Hinsicht merkwürdiger Mann. Er hat nie ein Gymnasium besucht, sondern erlernte selbst aus Büchern mehrere Sprachen, er spricht und schreibt gut lateinisch, besitzt und liest lateinische, griechische, italienische, ja auch französische und englische Classiker. Dabei war er längere Zeit Bauernknecht und jetzt (1863) ist er Weber und Taglöhner und hat selten seine Heimat, ein von Schlanders im Vintschgau gegen das Valtelin sich öffnendes, drei bis vier Stunden langes Thal verlassen. In diesem Thale besitzt er ein Häuschen, an dem er alles selbst gearbeitet hat; er mauerte, zimmerte, tischlerte, schlosserte daran, bis er fertig war. Auch seine Kleidung, vom Kopf bis zu den Füßen, hatte er sich selber verfertigt. Was er von Wolle am Leibe trug, war ganz und gar sein Werk; er schor das Schaf, wusch die Wolle, spann sie, wirkte und walkte die Loden und schneiderte sich Rock und Hosen daraus. Höchst einfach lebend, liest und arbeitet er und nimmt an allen Landesfragen, insbesondere aber an der in Tirol Alles bewegenden Glaubenseinheit den regsten Antheil. Seiner Unduldsamkeit gegen Andersglaubende muß aber leider die Muse dienen und er legt ihr in seinen Naturgedichten die heftigsten Ausdrücke, Gedanken und Gleichnisse in den Mund. Im übrigen bleibt er immer ein Autodidakt merkwürdiger Art und ist die in der unten genannten Zeitschrift mitgetheilte Probe ein interessantes Stück bäuerlicher Selbstbildung, Belesenheit und Humoristik.

Tiroler Stimmen (ein Innsbrucker Parteiblatt, 4°.) Jahrg. 1863, Beilage zu Nr. 220, S. 1125 u. f.