BLKÖ:Frühauf, Karl Raimund

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Frühwald, Joseph
Band: 4 (1858), ab Seite: 386. (Quelle)
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Frühauf, Karl Raimund (Schriftsteller, geb. in Wien, nach Andern in Baden um das Jahr 1818, gest. in Wien 3. Febr. 1858). Studirte in Wien und trat dann als Noviz in’s Kloster Heiligenkreuz. Er verließ später dasselbe und erlangte nach einiger Zeit eine Staatsbedienstung bei einem der Hilfsämter in der Hofkammer, wo bei den Arbeiten untergeordneter Art sein reicher poetischer Geist vollends verkümmerte. Seine erste Frau verlor er im Wochenbette, und das Kind konnte nur mit dem Opfer des Lebens der Mutter gerettet werden. Der Eindruck der bei diesem Anlaß mit der Mutter seines Kindes vorgenommenen Operation blieb fortan lebendig in seiner Seele und erklärt die Melancholie ja Zerfallenheit mit dem Leben, die ihn bis an seinen Tod verfolgte. Nach einer Urlaubsreise in’s Gebirge war sein Geist wieder erstarkt, aber nur um bei dem ermüdenden Einerlei des Geschäftes, dem er oblag, und das weit unter dem Niveau seines durchgebildeten Genius lag, in düstereren Stumpfsinn zu verfallen, den der Kampf mit dem Leben erhöhte. Von einer nicht lebensgefährlichen Krankheit befallen, gerieth er in die Hände der prakticirenden Unwissenheit und war alsbald ein Opfer derselben. Der größere Theil von F.’s Arbeiten ist in Journalen zerstreut und seine ersten Arbeiten enthielt der „Zuschauer“ von Ebersberg 1838–40. Selbständig gab er heraus: „Zeichnungen“, 2 Bände, auch unter dem Titel: „Neueste Novellen-Bibliothek“, 1. und 2 Bd. (Wien 1846, Klang); – „Rückkehr zu Gott und Natur“ (Graz 1854, 8°.), ein poetisch-philosophisches Buch voll tiefer Gedanken. Zerstreut erschien in einzelnen Zeitschriften, u. z. in Dr. L. A. Frankls „Sonntagsblättern“, Jahrgang 1842: „Die jungen Schnelltrinker aus dem Becher des Lebens“ (S. 321); – „Kaiser Leopold in seiner letzten Stunde“ (S. 401); – „Moderne Musik“ (S. 449); – „Die Mongolen in Ungarn“ (S. 812); – im Jahrgang 1843: „Aus dem Leben eines Helden“ (S. 869, betrifft Eugen von Savoien); – „Des Malers Schwanenlied, in Farben“ (S. 965), betrifft Raphael; – „Im Grabe“ (S. 1183); – im Jahrgang 1844: „Stedmann“ (S. 6); – „Der Sprach-Automat“ (S. 649). – Im „Oesterreichischen Volksboten“ 1849: „Ohne Volksbildung keine Freiheit“, Nr. 1, 2, 3; – „Fabriksproletarismus“. Nr. 1, 5, 6; – „Eine wahre Begebenheit aus dem Volksleben in Wien in den Octobertagen“, Nr. 20–23, 25, 26; – „Die Beicht vom versteckten Gewehr“, Nr. 39, 40, 42; – „Der Pferdequäler. Eine Erzählung“, Nr. 66, 67, 69; – „Zekel Jörg, sein Verwüstungszug durch Ungarn, und seine Krönung als Bauernkönig“, Nr. 87, 88; in den vom „Vereine zur Verbreitung der Druckschriften für Volksbildung herausgegeb. „Abendstunden“: „König Friedrich der Schöne“ und „Charakteristik Kaiser Leopold I.“ Im Jahre 1848 gab er einige Nummern (15) einer Zeitschrift betitelt: „Der Freiheitskämpfer“ heraus, die jedoch bald zu erscheinen aufhörte. Alle Arbeiten F.’s, worunter sich auch mehrere in gebundener Rede befinden, verrathen ein ursprüngliches, reiches Talent, dessen Entwicklung in regelrechten Bahnen die Verhältnisse verhindert haben. F. war auch ein trefflicher Violinspieler, und soll nebstdem mehrere Schriften unter fremden Namen herausgegeben haben. Doch waren des Herausgebers Nachforschungen über nähere Details vergeblich.

Oestr. Zuschauer. Herausgeg. von Ebersberg (Wien, 8°.) 1838, Nr. 85. – 1839, Nr. 17, 24, 32, 34, 44, 77, 105, 108, 124, 129, 132, [387] 142. – 1840, Nr. 21–84, 57–61, 69, 70, 123, 124, 134, 135 [die genannten Nummern enthalten Original-Aufsätze F.’s und schließen sich chronologisch an die angeführten Arbeiten in den „Sonntagsblättern“ an].